Vorbemerkung.
Im vergangenen Jahre erhielt ich die hinterlassenen Arbeiten des verstorbenen Ober- lehrers Dr. Karl Moehrs. Dieselben enthielten Auszüge aus Max Lehmann, Preussen und die katholische Kirche seit 1640, Band II und III(Publikationen aus den königl. preussischen Staatsarchiven, Bd. X und XIII).!) Sie waren nach sachlichen Gesichtspunkten geordnete Inhaltsangaben der einzelnen Urkunden, die bis zum Jahre 1755 berücksichtigt waren. Während sie selbstverständlich weit ausführlicher den Inhalt der Urkunden gaben, als es Lehmann vor den einzelnen gethan hat, zeigte sich doch bei der Durchsicht, dass sie nur bei vollständiger Kenntnis der Akten benutzt werden konnten, so dass ich für die vorliegende Arbeit die Auszüge nur zur Ubersicht und Orientierung verwertet habe.
Die Excerpten aus Theiner(Zustände der katholischen Kirche, 2 Bände, Regensburg) reichten nur bis zum Jahre 1747. Nicht ohne Wehmut habe ich aus diesen Papieren gesehen, dass der frühe Tod des verehrten Mannes auch Arbeiten zerstört hat, welche, mit Fleiss und Einsicht begonnen, sicherlich der Wissenschaft Gewinn gebracht hätten. Ich habe die Arbeit da begonnen, wo er nach seiner eigenen Ausserung es selbst zu thun gedachte. ²) Sie verdankt ihre Entstehung seiner Anregung allein. So war es auch meine Pflicht, seiner hier pietätvoll zu gedenken.
I. Die Ernennung von Schaffgotsch zum Bischof.
Philipp Gotthard, Graf von Schaffgotsch, ist in Schlesien im Jahre 1716 geboren. Er wurde im Jesuitenstift zu Rom erzogen und war dadurch mit den Ansprüchen und Wünschen der Kurie wohl vertraut.“ Während des langen Konklave im Jahre 1740 war er als Begleiter des Kardinals Sinzendorf im Rom. Dabei erregte er wegen der Leichtfertigkeit seines Lebens das Missfallen der hohen Prälaten. Dennoch behandelte ihn der damalige Kardinal Prospero Lambertini, welcher aus jenem Konklave als Papst Benedikt XlV. hervorging, wegen seiner scherzenden Laune und wegen seiner Heiterkeit mit grosser Zuvorkommenheit, so dass der Papst nach seinem eigenen Zeugnis seit jener Zeit keinen Hass und keine Abneigung gegen ihn hatte.4) Als Domherr zu Breslau muss er bei Beginn des ersten schlesischen Krieges in Beziehung zu Friedrich dem Grossen getreten sein. Dieselben Gaben, welche auf den Papst trotz der moralischen Bedenken An- ziehungskraft übten, müssen auch den König geblendet haben, welcher durch die Parteinahme von Schaffgotsch für die preussische Sache von vornberein seine Gunst dem liebenswürdigen
1) Ich citiere dieselben fortan stets nach den Nummern der Urkunden innerhalb eines Bandes. 2) Vergl. Karl Moehrs, Friedrich der Grosse und Kardinal Sinzendorf, Programm des städtischen Realgymnasiums, Königsberg 1885. S. 39 und den Nachruf in der Chronik der Schule ebenda 1888. S. 32. 3) Vergl. F. Fechner, Die erste Flucht und Verbannung des Fürstbischofs von Breslau u. s. w. 1757— 63. Zeitschrift für Pr. Gesch. und Landeskunde 1883. XX, S. 119. Theiner I, 315 f. 4) Schreiben des Papstes an Archinto, 2. Dez. 1747. Theiner, Zustände der katholischen Kirche in Schlesien, Regensburg 1852, I, S. 317. 1


