Aufsatz 
Zur Geschichte der algebraischen Auflösung der quadratischen und kubischen Gleichungen sowie der Lehre von den Logarithmen / Constantin Stephan
Entstehung
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gewinnt, der die grössere Anzahl von Aufgaben löse. Der Preis bestand in einer Mahlzeit für jede Aufgabe. Florido musste, wie nach seinen Kenntnissen vorauszusehen war, in diesem Wettstreit unterliegen, indem er auch nicht eine der von Tartalea gestellten Aufgaben löste, weil sie nicht auf den Fall führten, der ihm bekannt war. Tartalea dagegen liess keine der gestellten Aufgaben ungelöst. Cardanus thut dieses Streites ebenfalls im ersten Hauptstück seiner Ars magna Erwähnung. Er sagt dort:Huius(i. e. Ferrei) aemulatione Nicolaus Partalea Brixellensis, amicus noster, in certamen venit, cum illius discipulo Antonio Maria Florido.

Tartalea teilte seine Regel, wie wir bei den quadratischen Gleichungen schon von Lucas de Burgo und Cardanus gehört haben, in folgenden Versen ¹) mit:

Quando chel cubo con le cose appresso,

2+ pr= 1 Se agguaglia à qualche numero discreto: y 2= Trovan dui altri, differenti in esso.

Dapoi terrai, questo per consueto

N3 Chel lor produtto, sempre sia eguale 5=() Al terzo cubo, delle cose netto; El residuo poi suo generali 1 Delli lor lati cubi, bene sostrati 4 = V,= VzI Varrà la tua cosa principale.

Die von Tartalea und PFlorido öffentlich geführten Verhandlungen erregten die allgemeine Teilnahme ²) für diesen Gegenstand, und von allen Seiten wünschte man dringlichst die Mitteilung der Art und Weise der Auflösung der kubischen Gleichungen. Am meisten wurde Tartalea von dem ihm hefreundeten Cardanus gedrängt ³), dem er endlich nach vielem Bitten, wie Cardanus an derselben Stelle berichtet⁴), die Auflösungsmethode mitteilte, nachdem ihm dieser die heiligste ⁵5) Versicherung hatte geben müssen, das Verfahren niemand zu verraten und es nur in Ziffern aufgeschrieben unter seinen Papieren zu verwahren.

Cardanus aber, zwar begabt mit den schönsten Geistesfähigkeiten, jedoch eitel und selbstsüchtig), machte die Auflösungsmethode 1545 bekannt in dem schon erwähnten Werke:Artis magnae sive de regulis Algebrae liber unus, welches als das zehnte Buch zu den neun Büchern derPractica arithmetica generalis. Mediol. 1539 gehört.

Tartalea war darüber sehr erbittert und beschuldigte den Cardanus der Untreue?), indem dieser eine Formel dem Publikum mitgeteilt hätte, die ihm unter dem Siegel des Geheimnisses

¹) Tartalea, quesiti p. 120. cf. auch Grunerts Archiv LII. p. 188. ²) cf. Libri Hist. des sciences mathe- matiques. Tom. III. pag. 152. ³) Tartalea, quesiti pag. 113 125. cf. auch Libri Hist. Tom. III., pag. 153. 4) Card., ars magna. Cap. 39, pag. 72.) Tartalea, quesiti pag. 119:Jo vi giuro ad sacra Dei evangelia, et da real gentil'huomo, non solamente di non publicar giammai tale vostra inventione, se me le insegnate, etc.) Car- dani opera. Tom. I., pag. 34 39 und de vita propria, Cap. 41 44.) Tartalea, general trattato. Part. V, pag 71 90 lib. III. Fantuzzi, scrittori bolognesi. Tom. III., p. 322 und Libri Hist. Tom. III., pag. 154.