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Nachdem Lucas de Burgo in seinem Werke„Summa de arithmetica 4)« die Auflösung der Gleichungen vom vierten Grade, welche sich wie quadratische behandeln lassen, gelehrt hat, führt er zwei Gleichungen von anderer Form an, welche in der heutigen Bezeichnungsart ausgedrückt lauten:
⁴+f aas= b und ⁴+‿ο᷑ᷣ Gb ꝝ= aa.
Ihnen zur Seite steht: Impossible. Diese Gleichungen führen zu kubischen Gleichungen, deren Auflösung Lucas de Burgo also nicht kannte.
Der Ruhm, zuerst die Regel für die algebraische Auflösung einer kubischen Gleichung, wenn diese die Form hat:
a+ς¶ be= n oder nach damaliger Art des Ausdrucks capitulum cubi et rerum numero aequalium, gefunden zu haben, gebührt dem Scipio Ferreus. ²)
Cardanus erwähnt dies ebenfalls in der Einleitung zur ars magna mit den Worten: „Temporibus nostris Scipio Ferreus Bononiensis capitulum cubi et rerum aeduatium invenit, rem sane pulchram et admirabilem.“
Scipio Ferreus starb, ohne seine Vorschrift bekannt gemacht zu haben, und seine Bemühungen wären für uns verloren gewesen, wenn er sie nicht einem seiner Schüler, dem Venetianer Antonius Maria del Fiore oder Florido, anvertraut hätte.
Dieser, ein Mann ohne tieferes mathematisches Wissen, benützte ungefähr 30 Jahre nach der Entdeckung der Auflösung diese Kenntnis dazu, andere Mathematiker durch Vorlegung von Aufgaben zu necken, deren Auflösung auf Gleichuugen von dieser Form hinführte. So kam es, dass er ganz besonders mit Tartalea³) von Brescia, welcher zu jener Zeit in Venedig die Mathematik lehrte, in Streit geriet.
Dieser hatte schon 1530 die Auflösung der kubischen Gleichungen von der Form:
A= dr= e, und e= b n gefunden. Durch Floridos Anmassung veranlasst, beschäftigte sich Tartalea eingehender mit diesem Gegenstande und fand nun auch die Auflösung der Gleichungen von der Form: a † br= n und a br a.
Allerdings kennt man den Weg nicht, auf welchem Scipio Ferreus und Tartalea zur Lösung der kubischen Gleichung gelangten, doch scheint es, als ob sie dieselbe aus geometrischen Betrachtungen abgeleitet hätten.
Der Streit zwischen Tartalea und Florido spitzte sich endlich dahin zu, dass man sich gegenseitig dreissig Aufgaben zur Lösung vorlegté ⁴). Bedungen wurde, dass derjenige den Preis
¹) Summa de arithm. Tract. II. Cap. 8. ²) Scipio Ferreus, geb. Bologna 14.., gest. Bologna 1525, Lehrer der Mathematik daselbst. Fantuzazi, scrittori bolognesi. Tom. III., pag. 324. ³) Tartalea, geb. Brescia 1506, gest. Venedig 1559 war Autodidakt, der an verschiedenen Orten Italiens und zuletzt in Venedig Mathematik lehrte. 4) Tartalea, quesiti et inventioni diverse. Venetia 1554 p. 106, 110, 114 und Libri Hist. des sciences mathem. Tom. III., pag. 149, cf. auch Tartalea, general trattato. Part. V., lib. III, pag. 71— 90.


