Aufsatz 
Entwurf einer Stoff-Verteilung für den botanischen Unterricht der sechsklassigen Realschule bei Verwendung eines Schulgartens / von Lud. Stelz und H. Grede
Entstehung
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KI. II. No. 5. Wald. 115

Anders verhält es sich, wenn die hohen Waldbäume vereinzelt stehen, wie dies der Fall ist, wenn nach Entfernung der schwächeren Bäume starke Stämme gezogen werden sollen, oder wenn ganze Schlüge abgeholzt wurden. Sobald Licht auf den Waldboden gelangt, wird er grün. Es siedeln sich nicht nur Waldgräser und Seggen, sondern auch verschiedene Stauden an(Epilobium Weidenröschen, Digitalis Fingerhut, Verbascum Königs⸗ terze), es folgen Himbeer-, Brombeer-, Haselnuſssträucher.

Viel wichtiger für den Menschen aber ist, daſs jetzt die jungen Keimpflanzen der Waldbäume erhalten bleiben. Herbst für Herbst streute der Wald seine Samen aus, in jedem Frühjahr war der Boden bedeckt mit Unmengen von jungen Baumpflänzchen, und Jahr für Jahr gingen sie nach Entfaltung der ersten grünen Blättchen zu Grunde, weil das Walddach sich unterdessen ge- schlossen hatte und kein Licht mehr hindurchlielſs.

Jetzt wachsen sie in die Höhe, bilden Gestrüpp und Gebüsch, und wenn die letzten Hochstämme fallen, ist der Buschwald bereits wieder vorhanden. So ist dies beim Buchenwald möglich.

Ganz verschieden vom Hochwald- ist der Buschwaldbetrieb, wie er beim Eichenschälwald an den Rheinabhängen Sitte ist. Hier sollen nur dünne Prügel erzielt werden, die im Frühsommer nach dem Ausschlagen der Blätter geschält werden, um die Rinde für Lohe zu gewinnen. Der stehenbleibende Wurzelstock schlägt von Neuem aus, und in einer kurzen Reihe von Jahren hat der Bestand wieder die nötige Stärke erreicht.

Der Nutzen des WMaldes besteht füir den Menschen in erster Linie in der Lieferung von Brenn-, Bau- und Werkholz. Auſserordentlich viel wichtiger ist aber seine Bedeutung im Haushalt der Natur: Der mald dient dem Binnenland als Ersata für die fehlen- den groöſseren Wasseransammlungen(Seen).

Das Gewicht der Waldbäume besteht zur Sommerzeit zu ¾ aus Wasser. Beachtet man noch das im Moos und Humus des Bodens zurückgehaltene Wasser, so darf der Wald mit Recht als ein ge- gewaltigesWasserbecken in fester Form betrachtet werden. Dann tritt aber auch die Wirkung auf das Klima ein, die jede gröſsere Wassermasse hat, und die darin besteht, dals 1) die Temperaturschwankungen geringer werden, 2) die Häufigkeit der Niederschläge zunimmt. Der Winter ist demnach im Waldgebiet nicht so kalt, der Sommer nicht so warm, das Klima nähert sich mehr dem Seeklima. Die Abstände zwischen den einzelnen Regenfällen werden kürzer.

Da aber die Gesamtmenge des Regens von der allgemeinen Windrichtung

abhängt, also kaum geändert werden kann, so besteht die Wirkung des

Waldes darin, daſs die Regenfälle gleichmälſsiger verteilt und weniger

heftig und massig sind. 8*