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VI. Abschn.: Pflanzenformationen. KI. II.
Damit hängt aber die Möglichkeit der Quellbildung zusammen, und zwar solcher Quellen, die regelmäſsig das ganze Jahr Wasser spenden und nicht bei Trockenperioden versiegen.
Erwägt man noch, daſs der Wald die Gewalt der Stürme bricht und die Schneetreiben aufhält oder unschädlich macht, so ist der gewaltige Einfluſs desselben auf das umliegende Kulturgebiet zu erkennen.
Mit dem Verschwinden des Waldes stellen sich in allen Zonen der Erde die schwerwiegendsten Folgen ein. Die Flüsse leiden an Wasserarmut. Die in der Regenzeit vorhandenen Wassermassen stürzen schnell fort, ohne Nutzen zu bringen. Mit dem Mangel an Wasser steht in engem Zusammenhang die zunehmende Unfruchtbarkeit des Landes. Der Reich- tum an Pflanzen und Tieren nimmt ab, die Bevölkerungsziffer wird ge- ringer, das Land verarmt. So ist aus Sizilien, der Kornkammer Italiens zur Römerzeit, durch die Waldvernichtung streckenweise geradezu eine Wüste geworden. In Spanien ist es ähnlich.
Die Erkenntnis dieser Thatsachen hat dazu geführt, daſßs in gut
verwalteten Ländern der Wald unter den besonderen Schutz des Stadtes gestellt wurde, daſs es den Waldbesitzern nicht gestattet ist, Bäume in beliebiger Menge abzuhauen oder ganze Bestände auszuroden. Nur dadurch ist es möglich geworden, der Kultur den Segen des Waldes und damit die Kultur selbst zu erhalten.
Nr. 6. Wiese, Moor, Matte.
a) Wiese. Wiese ist eine Bodenfläche, welche mit dusdauern-
den süuſsen Gräsern und Stauden bewachsen ist. NJe besser gepflegt die Wiese ist, desto mehr treten die Stauden zurlck.
Die süſsen Gräser haben ihren Namen von dem süſsen Geschmack, welchen die aus den Knotenscheiden herausgezogenen weichen Stengelstücke besitzen.
Das keimende Gras treibt zwar eine Hauptwurzel, allein diese hört sehr bald auf zu wachsen; als Ersatz entstehen viele Neben- und Faser- wurzeln. Entsprechend bilden sich auch am Grunde des Stengels sofort Seitentriebe. Es entstehen Grasbüsche, die sich mit den benachbarten zur„Grasnarbe“ zusammenschlieſsen. In dieser Weise sucht das Gras durch geselliges Wachstum den ganzen Boden in Beschlag zu nehmen. Dies wird noch dadurch gefördert, dals die Wiesengräser ausdauernd sind, also den einmal besetzten Platz festhalten. Von keimenden Pflanzen können auch nur Gräser wieder leicht aufkommen, die im stande sind, mit dem einen spitzen Keimblatt sich zwischen den Teilen der Gras- narbe hindurchzuarbeiten.


