Aufsatz 
Entwurf einer Stoff-Verteilung für den botanischen Unterricht der sechsklassigen Realschule bei Verwendung eines Schulgartens / von Lud. Stelz und H. Grede
Entstehung
Einzelbild herunterladen

114 VI. Abschn.: Pflanzenformationen. Kl. II.

Nr. 5. Wald.

Wald ist Jjede gröſsere Bodenfläche, welche mit awild wachsenden Bäumen bestanden ist. Entsprechend dem Klima, den Feuchtigkeits- und Bodenverhältnissen hat der Wald an den ein- zelnen Orten der Erde andere Zusammensetzung und anderes Aussehen: die Palmenwälder der Tropen, die immergrünen Laubzwälder des Mittel- meergebietes sind gänzlich verschieden von unserm deutschen Wald.

Ursprünglich von selbst in der Natur entstandener Wald, Urwald,

besteht bei uns heute nur noch im Böhmerwalde am Westabhang

des Kubany(Berg zwischen Winterberg und Moldauquelle). Er

ist aus Nadel- und Laubholz regellos gemischt. In den Lichtungen, die durch gestürzte Baumriesen entstanden sind, und auf diesen selbst siedeln sich Waldsträucher, Schlingpflanzen, Stauden und Gräser an, Samen benachbarter Bäume keimen. In dem buch- stäblich undurchdringlichen Dickicht beginnt ein Kampf um Licht und Luft, der schliefslich zur Ausfüllung der Lücke durch Bäume führt. Unterdessen sind in der Umgebung neue Lücken entstanden. Gröſser werden diese, wenn der Boden für die Bäume zu naſs ist. Hier treten bei fliefsendem Wasser Wiesen, bei stehendem Moräste auf.

So haben wir uns die Wälder unseres Vaterlandes in den ersten

Jahrhunderten n. Chr. zu denken. Sobald jedoch der Mensch sich im Urwald ansiedelt, beginnt eine tief- greifende Anderung in dessen Verhältnissen. Gröſsere Waldflächen werden ausgerodet, um den für den Ackerbau nötigen Boden zu gewinnen, der allein im stande ist, die wachsende Bevölkerung zu ernähren. Der Wald selbst kommt unter die Aufsicht und in die Pflege des Menschen. Dieser duldet nur die Bäume, die ihm hauptsächlich Nutzen bringen, er pflanzt sie wieder an, wo er sie in seinem Interesse abgehauen hat.

So sind denn unsere jetzigen Wälder meist reine Bestände von Buchen, Eichen oder Tannen(Fichten); im Schwarzwald und den Vogesen treten dazu Edeltannen, auf ärmerem Sandboden Kiefern, im Norden(Schweden-Norwegen) Birken.

Nur nebenbei kommen in gemischten Beständen noch Ahorn, Esche, Rüster, Pappel, Birke, Weymouthskiefer vor.

Stehen die Waldbäume dicht gedrängt, wie im dunklen Fichten- oder alten Buchen-Hochwald, so ist der Pflanzenwuchs des Waldbodens fast nur auf Moose beschränkt.Die Moose der nordischen Tundren haben sich in unserm wärmeren Klima in die kühle Tiefe der Wälder zurück- gezogen.

Ist der Wald nicht so dicht, so finden sich licht-genügsame Schatten- pflanzen ein: Heidel- und Preiſselbeeren bedecken weite Strecken des Waldbodens, verschiedene Farne strecken ihre Wedel in die Höhe.