V Vorwort.
also nur eine Wiederholung dar, die bei Ausflügen an diese Orte vor-
genommen wird. Es schien uns gerade wichtig, dem Schüler zu zeigen,
dals ein Hauptzweck des naturwissenschaftlichen Unterrichtes darin besteht, ihm die Augen für die Natur zu öffnen: Er soll angeregt werden bei den sich aufdrängenden Erscheinungen nach Ursache und
Zweck zu fragen, also als denkender Mensch durch die Natur zu
wandern.
In den Listen des Abschnittes VII Nr. 1 und 2 sind die Pflanzen zu- sammengestellt, welche die Formen von Blatt und Blütenstand in muster- giltiger Weise zeigen; Nr. 3 bis 7 enthalten die, welche der Schüler in den reinzelnen Klassen kennen lernen soll. Die häufigsten Pflanzen sollen ihm dadurch einigermaſsen vertraut werden. Wir suchen dies in folgender Weise zu erreichen:
Die potanischen Stunden finden, wie schon erwähnt, fast aus- nahmslos im Garten, bei schlechtem Wetter in der gedeckten Garten- halle statt. Die Klassen treten in drei bis vier Gliedern an, die kleinsten vorn, und führen alle nötigen Bewegungen nach Kommando aus. Zu Beginn der Stunde werden der Klasse drei bis vier neue Pflanzen ge- zeigt, einige kurze Kenn- und Merkzeichen gegeben und der deutsche und lateinische Namen gemeinsam ausgesprochen. Diese Pflanzen üben sich die Schüler in den Pausen ein. Die Kenntnis wird bei Beginn der nächsten Stunde dadurch kontrolliert, daſs der Lehrer einen deutschen Pflanzennamen nennt und einen Schüler vorruft; dieser nennt den latei- nischen Namen und deutet auf die Pflanze oder holt auf Wunsch irgend einen Teil derselben. Zu Anfang des neuen Unterrichtsjahres wird zuerst die Pflanzenkenntnis der vorhergehenden Klasse wieder aufgefrischt.
Die besprochenen Pflanzen des Abschnittes I und der Listen VII 1 und 2 werden geprefst, in Pflanzenhefte eingeklebt und mit Art- und pamilien-Namen versehen. Von Klasse V an werden auf die Vorderseite des Blattes leichte Skizzen, von IV an auch die Diagramme gezeichnet; auf die Hinterseite wird die getrocknete Pflanze geklebt. In II werden die sämtlichen Hefte aufgeschnitten und die Blaätter bei Besprechung des natürlichen Systems nach diesem in eine Mappe geordnet, so daſs nun jeder Schüler eine kleine Pflanzensammlung besitzt.
Benutzt wurden bei unserer Arbeit:
Kerner v. Marilaun, Pflanzenleben,
Leunis, Synopsis, für morphologische Einzelheiten,
Schmeil, Pflanzen der Heimat, für biologische Verhältnisse,
Haberlandt, physiologische Pflanzenanatomie, für Physiologie
Interessenten für Schulgarten und seine Verwendung im Unterricht ver- weisen wir auf die Arbeiten:
Stelz und Grede, der Schulgarten der Bockenheimer Realschule, Programm- beilage Ostern 1896;
Stelz, der Schulgarten und seine Verwendung im Unterricht. Vortrag, ge- halten auf der Versammlung des Vereins der Lehrer der höheren Schulen der Prov. Hessen-Nassau zu Höchst a’ M. 1898.
Beide Broschüren sind von Prof. Stelz, Liebig-Realschule, Frankfurt a/ M., auf Wunsch zu erhalten.


