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Sinnesorgane, ganz vorzugsweise des Auges und der Hand. Ich kann die Wich- tigkeit desselben in dieser Beziehung nicht besser hervorheben, als durch wörtliche Wiedergabe dessen, was Herr von Schenckendorff in seinem Vortrage zu Frank- furt a. M. am 11. Januar 1892 bezüglich der Hand gesagt hat. Er führte aus:
„Die Hand ist das wichtigste und unentbehrlichste Organ des Menschen.
Schon Aristoteles nannte die Hand das Organ der Organe. Und es ist wahr, in
wunderbarer Vollkommenheit hat die Natur dies Werkzeug unseres Willens
ausgerüstet. Nach allen Richtungen beweglich, zum Tasten und Greifen be- fähigt, folgt die Hand jeder Willensrichtung. Die Erfahrung lehrt es, zu welcher
Geschicklichkeit der Hand man es durch UÜbung bringen kann. Der Sprach-
gebrauch nennt die ganze thätige Seite des Menschen„Handeln“, d. h. mit der
Hand thätig sein. Am schärfsten tritt uns die Bedeutung der Hand entgegen, wenn
wir uns einen Menschen ohne Hand vorstellen. Welch eine Reihe von Thätig-
keiten bleibt beim Fehlen der Hand ausgeschlossen! Und wenn sich dies in den Jahren der Entwicklung geltend macht, so wird das auch auf den ganzen
Menschen in nachteiliger Weise einwirken. Es ist unmöglich, daſs sich die volle
Persönlichkeit entwickelt. wenn die Hand fehlt. Ein Rafael ochne Hand wäre
sicher nicht ein Rafael geworden. Ist dies aber richtig, so bleibt der Mensch
in demselben Grade unentwickelt, als die Hand, trotzdem er sie besitzt, nicht
geübt und entwickelt wird.“ Ferner aber gewährt die Handfertigkeit dem Schüler in hohem Grade die Freude an körperlicher Arbeit und an eigenem Schaffen. Wer einmal ge- sehen hat, wie demselben die Tropfen von der Stirne rinnen, und wie der Hobel fliegt und die Späne sich häufen, oder wie die Augen leuchten, wenn schlieſslich beim Zusammensetzen der Teile das Ganze„klappt“, wird dies verstehen. Ein Be- weis für diese Freude dürfte auch die Thatsache sein, dafs, wenn durch irgend eine Ursache einmal eine Handfertigkeitsstunde ausfiel, dem Lehrer nicht Ruhe gelassen wurde, bis er sie nachhielt; in den anderen Fächern ist mir davon bis jetzt noch keine Kunde zu Ohren gekommen.
Der Verkehr zwischen Lehrer und Schüler wird ein innigerer. Der Lehrer muſs von der unnahbaren wissenschaftlichen Höhe seines Katheders herab- steigen, und, indem er den Hobel oder das Schnitzmesser oder den Kleisterpinsel zur Hand nimmt, dem Schüler menschlich näher treten. Er lernt aber dabei Eigen- schaften desselben kennen, von denen er sonst keine Ahnung hatte, und kann durch ein gelegentlich hingeworfenes Wort auch auf die anderen Unterrichtsfächer günstiger einwirken, als sonst durch lange Strafreden. Dadurch, dals gelegentlich ein Schüler, der sich in der Klasse vernachlässigte, von dem Handfertigkeitsunterrichte zurück- gewiesen wurde, wird die Teilnahme daran als Belohnung für gute Klassenleistungen betrachtet. Andererseits aber erhält auch der in den wissenschaftlichen Fächern schwächere Schüler, der vielleicht durch die Klassen immer notdürftig fortgeschleppt, schlieſslich an seinem Können verzweifelt, Gelegenheit, sich in einem anderen Fache hervorzuthun, und seinen Kameraden zu zeigen, daſs auch er etwas zu leisten im- stande ist, und daſs nicht das Buch allein den Wert des Menschen ausmacht.
Der Handfertigkeitsunterricht gewöhnt aber auch den Schüler in hohem Grade an genaues, sorgfältiges Arbeiten, indem eine kurze Ver- nachlässigung während der Arbeit denselben an der fertigen unfehlbar straft. Und die verlegenen Mienen bei Vorzeigung eines solchen miſslungenen Gegenstandes geben Zeugnis von dem Gefühle des Unmutes über den begangenen Fehler. Die hierdurch


