welche in den folgenden Jahrhunderten zu vorwiegender Geltung kamen, ist er, wo sie sich bei ihm finden, weder der Schöpfer noch der erste Zeuge und ebensowenig schil- dert er Zustände, die wesentlich verschieden sind von denen, unter welchen Ilias und Odyssee entstanden,— so weit sich der wirkliche Zustand des Lebens aus jenen Ge- dichten, die ihre Zeit nicht besingen, sondern nur in einzelnen Zügen absichtslos ver- rathen, noch erkennen lässt. Vielmehr geben die ächten Werke und Tage ein Bild derselben Zeit, nur mit einer ganz andern Absicht entworfen und desshalb mit an- dern Farben ausgeführt. Denn auch bei Homer finden sich, so entschieden er auf der Seite des Adels steht, doch— besonders in der Odyssee— nicht wenige Beweise, dass Lage und Stimmung beim Volk kaum von jener der Landleute Hesiods verschie- den war. Nicht selten werden Könige der Ungerechtigkeit, Edle des Uebermuths be- schuldigt(s. Nägelsbach S. 243), hochgepriesen werden dagegen Gerechtigkeit, ver- ständige Mässigung und Leutseligkeit, was in solchem Grade nicht geschehen wäre, wären diese Tugenden bei dem Adel allgemein oder häufig gewesen. Hätten wir Ge- dichte ähnlichen Inhalts wie das hesiodische aus der Heimath der Homeriden, wir fünden dieselben Verhältnisse in demselben Licht. Denn nur ein unwesentlicher Unter- schied ist, dass die homerische Dichtung in griechischen Staaten überall das König- thum voraussetzt, Hesiod unter der Herrschaft einer Aristokratie lebte(de Op. et D. comp. p. 29), da in Böotien das Königthum früh aufhörte, während es in Jonien, wenn auch zuletzt nur dem Namen nach, lange fortbestand. Am allerwenigsten aber nimmt Hesiod eine solche Stellung an der Gränze zweier Zeitabschnitte ein, dass sein Gedicht den„bewussten Uebergang zur friedlichen Culturbethätigung“ erkennen lässt. Ein solcher fand überhaupt nur insofern statt, als nach dem heroischen Zeitalter und der dorischen Wanderung Gewerbthätigkeit und Handel bedeutend zunahmen, doch die Kriege darum keineswegs selten wurden. Aus den Werken und Tagen aber lässt sich jene Zunahme nicht erkennen, vielmehr empfiehlt Hesiod den Ackerbau allein, der Schiff- fahrt und dem Handel ist er mit ganzer Seele abgeneigt, die Gewerbe erwähnt er kaum, so dass selbst die gelegentlichen Angaben in den homerischen Gedichten eine weit reichere Kenntniss ihres Zustandes gewähren— ganz natürlich, da ihre Verfasser gerade in den Gegenden der regsten Gewerbthätigkeit lebten, von wo ein höherer Auf-
schwung derselben sich erst allmählich nach dem europäischen Griechenland verbreitete.


