Aufsatz 
Die Werke des Landbaues in den Werken und Tagen des Hesiodos : (V. 383-647.) / von A. Steitz
Entstehung
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weit geht denn die Hesiods? Fast nirgends weiter als bis zu kurzen treffenden Sen- tenzen über die Beziehungen des gewöhnlichen Lebens. Hingegen ist gerade Homer überreich an Reflexion und an tiefen Gedanken über das ganze Leben mit seinen- heren und niederen Zielen und gerade bei ihm finden sich sehr häufig die Klagen über menschliches Unglück, recht eigentlich einetrübe Reflexion. Freilich nennt Hesiod auch die Menschen noeroeoεεςᷣ(418) aber er gebraucht dieses Epitheton nur als ein bekanntes und stehendes, das an der Stelle, wo er es gebraucht, am wenigsten einen besonders tiefen Sinn hat. Selbst den Tod erwähnt er nur einmal(378), als das natürliche Ziel des Lebens, den Wunsch hinzufügend, dass er möglichst spät eintrete. Dagegen gern und lang verweilt er bei dem Glück eines gerechten, von den Göttern gesegneten Volkes(225 37), bei dem reichen Ertrag der Aecker und dem behaglichen Wohlstand der Landleute(21 24. 300. 1. 307. 312. 13. 473 78. 589- 91). Dass deren Leben, verglichen mit dem der Edlen, einfach und beschränkt erscheint, ist gewiss, aber mit ihrer Arbeit beschäftigt, kennen sie kaum ein anderes und es gibt für sie Nichts als oνο, das zu Wohlstand, und degyta, die zu Mangel und Noth führt. Klagen ziemen ihnen um so weniger, als in dieser Gegend von Böotien trotz des rauhe- ren Klimas am Helikon, wovon die unächten, aber alten und guten Verse 609. 10 zeu- gen, der Landbau offenbar kein gar zu mühsamer und kärglich lohnender war. Aber wäre er es gewesen kräftige, abgehärtete Landleute würden, wenn das Land sie nicht nährte, eher ausgewandert sein, als in Klagliedern über ihre dürftige Lage ge- jammert haben. Doch wie weit ist Alles in dem ächten Gedicht selbst von dem Ton jener beiden Verse verschieden! Die homerischen Helden freilich gleichen in gewissem Betracht dem Sybariten, der den Anblick eines ackernden Bauers nicht ertragen konnte; aber dem hesiodischen Landmann ist eben nicht atei dale r⸗ qlan idαe re Jod re, son- dern er ist nur gerade nicht xoxvEefvov dcuνrd́s dueme-uεedos(722), doch auch dabei kommt ihm dœmden dlepiorn ganz besonders in Betracht.

Ebenso irrig ist Plancks Meinung, dass aus Hesiod das Eintreten einergrossen Wendung der hellenischen Entwicklungsgeschichte zu erkennen sei. Mag er ein oder zwei Jahrhunderte nach den Dichtern der Ilias und Odyssee gelebt haben, mag er den ersten grösseren Aufschwung der gnomischen Dichtung bezeichnen, deren Blüthe eben

mit dem Absterben der epischen beginnt: von den Gedanken und Empfindungen, 2