Aufsatz 
Die Werke des Landbaues in den Werken und Tagen des Hesiodos : (V. 383-647.) / von A. Steitz
Entstehung
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stractes und Gelehrtes durch bunten poetischen Schmuck Interesse zu erwecken sucht, in Wahrheit nicht belehren, sondern unterhalten will, so ist doch die einfache, ernste Didaktik Hesiods davon grundverschieden. Trotz der kunstreichen Composition und des wo die Sache es zuliess, nicht selten angebrachten poetischen Schmuckes verfolgt der Dichter doch offenbar den Zweck wirklich zu lehren und lässt sich eben desshalb in manchen Theilen des Gedichtes auf solche Vorschriften ein, die ihm später jenen Vorwurf der ulονονᷣᷣ zuzogen, als sein Zweck nicht mehr ganz verstanden und das Gedicht hauptsächlich von solchen gelesen wurde, für welche es eigentlich gar nicht bestimmt war. Denn derDichter der Heloten hat, mit Ausnahme der Stelle, wo die Edlen nachdrücklich an die Pflicht der Gerechtigkeit erinnert werden, das Ganze an seine Standesgenossen, das Landvolk eines Theiles von Böotien, gerichtet und für ihre Belehrung berechnet und dadureh nimmt dieses merkwürdige Gedicht in der uns erhaltenen griechischen Literatur bei allem Zusammenhang mit ihr und Einfluss auf sie doch eine völlig abgesonderte Stellung ein. Wenn er selbst auch nicht bloss Land- mann ist, sondern zugleich einer der Aoiden und als solcher dem Leben der Edlen nahe genug steht, so vergisst er hier diesen Theil seines Berufes und ist eben nur Onnorne, der in Gedanken und Gefählen ganz auf die Seite des Volkes tritt.

Jedoch kann die Denkweise Hesiods noch lange keine eigentlich demokratische genannt werden. Denn gerade jener Glana, womit Heldensage und epische Poesie die Adelsgeschlechter umgeben hatte, so dass an sie alles das sich anschloss, was Griechenland als das Höchste und Erhabenste unter Menschen kannte, sie selbst aber ihren Ursprung kühn an die Götter knüpften, war in jener Zeit noch eine starke Stütze der Adelsherrschaft. Mag auch ihre Ungerechtigkeit und ihr Ueber- muth in vielen griechischen Staaten Unwillen erregt haben in der Seele Hesiods und jener, deren Sprecher er ist, dämmert noch nicht einmal der Gedanke: es könne das Volk das ihm versagte Recht mit den-Waffen in der Hand erkämpfen (vgl. Helbig, die sittl. Zustände des griech. Heldenalters S. 71). Vielmehr steht bei

ihnen die Ueberzeugung von ihrer Schwäche so fest, dass sie Hülfe nur von der Gott- heit erwarten(V. 250 ff.), ja Hesiod spricht in gutem Glauben wie ein Orientale den Gedanken aus. dus ganze Volk müsse für die Frevel jener büssen(260). Dise

alles macht es recht begreiflich, wie selbst später, als der Druck unerträglich gewor-