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besprochen, aber bei der literargeschichtlichen Bedeutung der Stellung Hesiods, wie er in den ächten Theilen des Gedichtes erscheint, wird man es entschuldigen, wenn ich die dort ausgesprochenen Gedanken hier für einen grösseren Leserkreis wiederhole.
Wenn auch die Weltalter nicht blos der hesiodischen Dichterschule angehören, sondern, wie ich noch immer geneigt bin zu glauben, vielleicht sogar von Hesiod selbst herrühren und nur von Rhapsodenhand in einen Zusammenhang gebracht sind, in den sie nicht passen, so ist doch der Standpunkt, welchen der Dichter hier ein- genommen hat, ganz verschieden von dem in den Werken und Tagen. Planck in seinem Aufsatz über Hesiod(allgem. Monatsschr. 1854 S. 590 ff.) und viele Andere vor und auch Manche nach ihm haben viel zu wenig beachtet, worauf es doch für eine richtige Beurtheilung Hesiods und den Vergleich desselben mit Homer vor Allem ankommt: die gänzliche Verschiedenheit des heroischen Epos und der didaktisch- gnomischen Poesie. Jenes verfolgt einen durchaus idealen Zweck, das Thun und Treiben des täglichen Lebens ist ihm an sich gleichgültig und wenn auch viele Züge daraus vorgeführt werden, so geschieht dies doch nur so weit, als nöthig ist zur lebendigen Anschaulichkeit der Erzählung, die durch alle wechselnden Lagen des Heldenlebens führt. Der private Nutzen der Zuhörer vollends ist dem epischen Sänger etwas ganz Unbekanntes, er tritt vielmehr aus seiner eigenen Zeit so viel nur mög- ich heraus, unbekümmert um alle Interessen des Tages und Sorgen der Einzelnen und verfolgt als einziges Ziel die Erhaltung des Andenkens an die Vorzeit, die Verherrlichung ihrer Helden und die Erhebung des Gemüthes durch Schilderung ihrer kühnen Thaten und erhabenen Gefühle. In Wahrheit sind es unter den Zeit- genossen auch nur die Edlen allein, für welche die Dichter der homerischen Schule ursprünglich gedichtet haben und ihre eignen Lieder sind wie die der Sänger, die sie darin erwähnen, wohl lange nur als dοπαυα dumαde bei den Festen und Gelagen des Adels gesungen worden, ehe sie Gemeingut hellenischer Bildung wurden. So ist der epische Dichter der grösste Bewunderer und Lobredner der Adelsgeschlechter, sich selbst und das Volk, seine Standesgenossen, vergisst er ganz in der Hingebung an die von ihm in ihren Vorfahren besungene und idealisirte Grösse jener.„Das
Epos hat überhaupt mit dem Menschen, wie er von Natur und durch die Natur


