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und zu keiner Zeit zu gehören, ſondern im eigentlichen Sinne der Zeitgenoſſe aller Zeiten zu ſein.“ Der Kosmopolitismus, das Weltbürgertum, iſt das Ideal der Zeit Schillers. Dieſes Ideal iſt aber eine Abſtrak⸗ tion und ſchlägt die hohe Bedeutung der Nationalität innerhalb der Entwicklung der Menſchheit wohl zu ge⸗ ring an. In der Vorleſung über die Schaubühne hat der Dichter die Bedeutung der nationalen Einheit ge⸗ würdigt. Als die mit ſolch idealen politiſchen Hoffnungen begrüßte franzöſiſche Revolution ihr blutiges, ab⸗ ſchreckendes Antlitz zeigt, erkennt Schiller, wie wenig ein„kleines Geſchlecht“ volle politiſche Freiheit ver⸗ tragen kann. Solange nicht einmal die einzelne Nation ein ideales, politiſches Ziel auch nur annähernd erreicht, iſt auch das Ideal des Weltbürgertums wohl der Verwirklichung nicht fähig.
In der philoſophiſchen Schrift:„Aeſthetiſche Briefe über die Erziehung des Menſchengeſchlechts“ legt Schiller dar, daß die Staaten ſeiner Zeit erſt durch die Stufe der äſthetiſchen Erziehung zur politiſchen Freiheit fortſchreiten könnten. In ſpäteren Dramen z. B. in„Wilhelm Tell“ und in der„Jungfrau von Orleans“ verherrlicht der Dichter die Kämpfe der einzelnen Nationen für ihre Freiheit. Er wird in dieſen Werken auch wohl der Bedeutung der Nationalität gerecht.
Ethik der„Hötter Hriechenlands.“
Der Umſtand, daß ſich Schiller für die Lebensauffaſſung der Griechen— ihre Lebensanſchauung iſt ihm unbewußt wohl wichtiger als ihre Religionsauffaſſung— ſo begeiſtert, läßt ſich wohl am unge⸗ zwungenſten durch die Umwandlung ſeiner Grundſtimmung und ſeiner ganzen Weltauffaſſung erklären. Gutes Handeln iſt nach dem Gedicht mit reiner, edler Freude vereinbar.„Keiner Freude ſchämte ſich der Gott, Wo die keuſch errötende Kamöne, wo die Grazie gebot,“ Wie die Götter der Griechen fröhlich waren, ſo war ihr Kultus ein„Wonnedienſt.“ Nicht durch Entſagen, nicht durch finſtern Ernſt glaubte ſich dieſes Volk das Wohlgefallen der Götter erwerben zu ſollen.„Damals war nichts heilig als das Schöne.“ Das Schöne war auch das Gute. Dieſe Auffaſſung hat ſich der Dichter angeeignet. Kein Peſſimismus kommt bei ihm mehr auf. Der Schmerz über das Geſetz des Todes vernichtet nicht mehr das Vertrauen auf einen Zweck des Lebens. Sonſt würde es dem ethiſchen Handeln die beſten Beweggründe entziehen.
Ethik der„Künſtler“.
Die ganze Weltauffaſſung und die ganze Grundſtimmung Schillers in den„Künſtlern“ ſchließen, ebenſo wie es in den„Göttern Griechenlands“ der Fall iſt, den Peſſimismus aus. Kein Geſchick kann dem durch die Kunſt Gebildeten ſeine Lebensfreudigkeit nehmen, ihn troſtlos machen. Seine Bruſt empfängt willig alle Pfeile,— auch den Todespfeil—, welche die Notwendigkeit entſendet. Er betrachtet das ganze Leben in der Verklärung, welche das ideale Gefühl gewährt. Der durch wahre Kunſt gebildete Menſch kennt eine harmoniſche Sittlichkeit; er tut das Gute aus äſthetiſch⸗ethiſchem Inſtinkt(das Böſe widert ihn an wie ein ſchlechtes Gemälde). Er hat ſich das reine„Geiſterleben“ angeeignet. Unter dieſem iſt wohl die Geiſtes⸗ und Gemütsverfaſſung des wahren Künſtlers zu verſtehen. Dieſer tut ſeine Pflicht mit Freudigkeit. Er weiß in allen Disharmonien des Lebens eine höhere die Harmonie begründende Einheit aufzufinden. Er läßt ſich durch nichts entmutigen oder anhaltend verſtimmen. Er wird innerlich frei, wird Herr aller Dinge, wie Luther in ſeiner Abhandlung„Von der Freiheit eines Chriſtenmenſchen“ ſagt.
Wir ſtehen am Ende unſerer Arbeit. Wir ſind mit Schiller den Weg ſeiner ethiſchen Entwicklung gegangen. Dieſe Entwickelung hat uns die Wahrheit des Satzes bewieſen, daß die Götter vor die Tugend den Schweiß geſetzt haben. Unſer Dichter⸗Philoſoph ſollte aber durchdringen. Er ſollte am Ende ſeiner Jugend⸗ und Wanderjahre bis an die Grenze des verheißenen Landes der äſthetiſch⸗ethiſchen Freiheit gelangen. Wie Moſes auch eine Periode der Läuterung durchmachen mußte, ehe er die Juden befreien konnte, ſo hat


