Aufsatz 
Die ethische Weltanschauung des jungen Schiller
Einzelbild herunterladen

t

27 auch Schiller ſich vorher aus der perſönlichen Unfreiheit befreien müſſen, aus der Knechtſchaft der Selbſtſucht weelche das perſönliche Glück erreichen will. Freilich hat er durch die Wüſte ziehen müſſen, durch die Wüſte der peſſi⸗ miſtiſch⸗materialiſtiſchen Weltanſchauung, in welcher verderbenbringende Winde ihm die Wanderung erſchwerten Wir ſagten, Schiller ſei am Ende der Jugend⸗ und Wanderjahre an die Grenze des verheißenen Landes ge⸗ langt. Dieſes Land durfte er aber auch betreten, es mit ſeinen Geſinnungsgenoſſen für alle Zeiten erobern. Er hat, wie Poſa es wollte eine Saat ausgeſät, welche den künftigen Generationen reichen Segen bringen kann und wird, wenn ſie ihr Streben nicht, wie ſo viele Menſchen in unſerer entarteten Zeit auf Schein⸗ güter, ſondern auf höhere Güter richten.

Wenn ſich der Weg, welchen wir mit unſerer Unterſuchung gegangen ſind, ſchon verlohnt, wie er⸗ quickend und ſegensreich würde es erſt ſein, Schiller in der Entwickelung ſeiner ſpäteren äſthetiſch⸗ethiſchen Welt⸗ anſchauung zu folgen!

Jedem jungen Leſer dieſer Schrift ſei die Lektüre der nach 1789 erſchienenen äſthetiſch⸗ethiſchen Proſaabhandlungen Schillers warm ans Herz gelegt. Geyer's SchriftDie äſthetiſch⸗ethiſche Weltanſchauung Schillers und die Schriften von Große, die Dispoſitionen von Tieffenbach u. A. erleichtern dem Leſer das Verſtändnis dieſer Abhandlungen. Schillers äſthetiſch⸗ethiſche Schriften ſollte der Primaner im deutſchen Unter⸗ richt wenigſtens auszugsweiſe leſen. Tut er es nicht, ſo fehlt ihm etwas, was für ſein ſpäter es Leben von bleibendem Wert iſt. Wenn im allgemeinen es ſchon durchaus angebracht wäre, dem Schüler oberer Klaſſen durch Betrachtung der bewegten Kämpfe unſerer Klaſſiker um eine Weltanſchauung und durch philoſophiſche Propädeutik die Erringung einer ſelbſtändigen Welt⸗ und Lebensanſchauung zu erleichtern, ſo muß im be⸗ ſonderen dann auch nachdrücklich gefordert werden, daß man ihm dazu verhelfe, dieinnere Freiheit zu erringen und damit die Herrſchaft über ſchlechte Leidenſchaften, über alles Niedrige und Gemeine. Wenn wir mit Begeiſterung den Lobpreis des Apoſtels Paulus und Luthers von der Freiheit in Chriſto hören, dann müſſen wir uns auch zu Kant und Schiller hingezogen fühlen, welche auf anderem Wege dasſelbe Ziel innerer Freiheit erſtreben. Dieſe Freiheit iſt das höchſte Gut des Menſchen. Die äußere Freiheit hat keinen Beſtandzohne die innere. Wer möchte nicht gerne frei ſein? Es liegt an uns, es zu werden. Folgen wir der Sittenlehre Chriſti, ſeinem religiös⸗ſittlichen Vorbilde, um frei zu werden. Laſſen wir uns, um dieſes Ziel der wahren Freiheit zu erreichen, unterweiſen durch die großen Interpreten derſelben: Paulus, Luther, Kant Schiller.

Alle Rechte(einſchließlich des Ueberſetzungsrechts) vorbehalten.