Aufsatz 
Die ethische Weltanschauung des jungen Schiller
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Zukunft ſchließt die Liebe aus.Denke Dir eine Wahrheit, mein Naphael....... bedarf

Menſch der Anweiſung auf ein anderes Leben? Wie ſehr muß Schiller, der dem Poſa und Julius wohl ſeine Ideen beigelegt hat, den Egoismus und die intereſſierte Tugend verabſcheuen! Wie ſehr muß er die Philoſophen verachten, welche den Egoismus verherrlichen und in ein Syſtem bringen! Man vergleiche die Stelle derTheoſophie des Julius.Viele unſerer denkenden Köpfe haben es ſich angelegen ſein laſſen,..... dieſen himmliſchen Trieb(die Liebe) aus der menſchlichen Seele hin⸗ wegzuſpotten..... veredeln.

Schiller will eine ſelbſtloſe Tugend. Die Vorausſetzung einer Unſterblichkeit und einer Vergeltung im Jenſeits, alſo die Begründung der Ethik durch die religiöſe Metaphyſik, iſt gefallen. Ueberhaupt hat er alle auf die Autorität anderer übernommenen Theorien der Ethik preisgegeben. Seine ethiſche Welt⸗ auffaſſung ſtützt ſich auf die Lehren der Philoſophie, auf die Beobachtung der Naturgeſetze, die Erfahrung des einzelnen Menſchen und der Völker, wie ſolche die Weltgeſchichte im weiteſten Sinne verzeichnet.(In Reſignation hat Schiller, wie wir an früherer Stelle geſehen haben dieſe Kriterien für die Ethik ſchon gegeben). Welches iſt nun der Inhalt dieſer ethiſchen Weltanſchauung? Die Nächſtenliebe iſt wahre Tugend, die Liebe, gegründet auf eine Verwechslung der Weſen. In den Jugendabhandlungen hat Schiller die Liebe die Krone der Tugend genannt.

Vergleichen wir die Ideen der Aufopferung und Liebe inDon Carlos mit denjenigen der Tugendabhandlungen und derTheoſophie des Julius, ſo kommen wir zu folgendem Ergebnis: In dem erſteren Werke ruhen dieſe Ideen auf einer mehr realiſtiſchen Auffaſſung der Dinge, während ſie in den letzteren Werken mehr Gegenſtand einer metaphyſiſchen Würdigung ſind. Noch eine andere für das ethiſche Handeln weſentliche und wertvolle Eigenſchaft beſitzen Poſa und die Königin. Don Carlos erwirbt ſie unter dem Einfluß ſeines Freundes und der Königin. Das Handeln dieſer Perſonen zeichnet nämlich innere Freiheit aus. Sie werden nicht durch äußern oder innern Zwang zu ihrem Handeln beſtimmt, ſondern ſie handeln aus freier Selbſtbeſtimmung.

Erſt auf dem Grunde perſönlicher, politiſch⸗ſozialer und religiöſer Freiheit kann ſich wahrhaft gutes Handeln entwickeln. Poſa iſt nicht, wie der Despot meint, ein gefährlicher Staatsbürger, weil er über ſich vuact hat. Obwohl er über ſichgedacht hat, iſt nichts von ihm zu befürchten.Meine Wünſche verweſen hier, ſagt er zu dem Monarchen. Er beherrſcht ſeine Leidenſchaften und verzichtet auf die Erfüllung ſelbſtiſcher Wünſche. So ſind ſeine diesbezüglichen Aeußerungen gegenüber dem König wohl auszulegen.

Er übt Selbſtzucht und wird dadurch frei. Die Proteſtanten, welche, um Glaubensfreiheit zu genießen, Spanien verlaſſen haben, ſind, ſo meint er, die beſten Untertanen des Königs. Er fürchtet nicht das mindeſte von der Gedankenfreiheit für die ſtaatliche Ordnnng. Die Liebe des Prinzen zur Königin giebt ihm keinerlei Anlaß zu Beſorgnis. Die Zuſammenkünfte zwiſchen ihnen ſollen wie ihm dünkt nicht verhindert, die Liebenden nicht überwacht werden, wie der König will. Poſa fördert im Gegenteil die Liebe ſeines Freundes. Er trägt aber Sorge dafür, daß ſie der Selbſtſucht entkleidet wird und ſich zur allgemeinen Menſchenliebe erweitert. Dieſe ſoll ſich zunächſt in der Befreiung der flandriſchen Provinzen be⸗ tätigen. Der Prinz, der in der Zeit, in welcher der erſte Akt ſpielt, das Opfer ſeiner Leidenſchaft iſt, er⸗ ringt unter dem Einfluß Poſas und der Königin allmählich die volle Herrſchaft über ſich, wird innerlich frei und will die menſchenfreundlichen Pläne Poſas verwirklichen.

Wir hatten uns vorgenommen, nach Behandlung der Ethik des Don Carlos und derjenigen des Philoſophiſchen Geſprächs imGeiſterſeher auf das Thema: Entſagung und Genuß zurückzukommen und zu entſcheiden, wie Schiller die verſchiedenen Lebensführungen werten muß. ImPhiloſophiſchen Geſpräch führt Schiller aus, daß Moralität Thätigkeit nach außen(wohl im Dienſte des Gemeinweſens) ſei. Ja