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ihn ſein wohltätiger Freund Körner gaſtlich auf. Jetzt wichen von ihm der Unmut und die Neigung zur Klage über die Pflicht der Entſagung. Von ſeinem Stimmungswechſel, der mit einer Veränderung ſeiner ethiſchen Geſinnung und Weltanſchauung zuſammenging, legt das erwähnte Lied beredtes Zeugnis ab. Im Gegenſatz zu der tragiſchen Stimmung in jenen Gedichten der Mannheimer Zeit erfüllt das Lied eine freudige, tiefethiſche Grundſtimmung.„Duldet mutig, Millionen, Duldet für die beſſere Welt!“ „Feſten Mut in ſchweren Leiden......!“ Hier herrſcht alſo nicht mehr der Ton ſchmerzlicher Klage über ſeine Leiden, nicht mehr der grollende Unmut, der Geiſt der Auflehnung gegen dieſelben vor. Die Opfer, welche das Leben von ihm fordert, koſten ihn nicht mehr ſolch ſchmerzliche Ueberwindung, er entſagt nicht mehr mit Widerſtreben. Die Widerwärtigkeiten und Ungerechtigkeiten in dieſer Welt veranlaſſen ihn nicht mehr zu ſolch heftiger Anklage gegen das Leben. Er redet nicht mehr mit ſolcher Verbitterung von einem„bunten Lotto dieſes Lebens“, er redet nicht mehr von einem„teufelvollen Himmel“, nicht mehr von„Gauklern, theatraliſch ausſtaffiert“. Wenn er ſagt:„Ewigkeit geſchworenen Eiden“, ſo verurteilt er damit auch wohl das frivole Argument des Liebhabers in„Freigeiſterei der Leidenſchaft“(in der ur⸗ ſprünglichen Faſſung des Gedichts). Dieſer behauptet nämlich, daß der Eid derjenigen, welche eine Konvenienz⸗ ehe eingegangen ſind, nicht gültig ſei.— Beſprechen wir jetzt noch einzelnes aus dem Liede! Die Selbſt⸗ verleugnung, die Verſöhnlichkeit, die Nachſicht gegen Freund und Feind, die allgemeine Verbrüderung ſind die ethiſchen Gefühle, welche die Freude einflößt, welche ſie in dem moraliſch Gebildeten weckt. Wer dieſes Grundgefühl hat, faßt den Entſchluß, alle Leiden auf ſich zu nehmen. So hadert denn der Dichter nicht mehr mit ſeinem Geſchicke. Nicht mehr das Ich, der Dichter und ſeine Leiden, treten in den Vordergrund, Schiller denkt jetzt auch an die ganze Menſchheit. In dem Liede redet er nicht mehr von ſeinem„Vollmacht⸗ brief zum Glück“, klagt das Leben nicht mehr au, läßt ſich nicht mehr, wie in einigen Jugendwerken, durch das Geſetz des Vergehens in der Natur melancholiſch⸗peſſimiſtiſch ſtimmen. Man vergleiche, um den Fort⸗ ſchritt in der Weltauffaſſung Schillers zu erkennen,„Melancholie an Laura“ ſowie„Spaziergang unter den Linden“, mit dem„Liede an die Freude“. Seine verſöhnliche Stimmung iſt nicht etwa dadurch zu erklären, daß er an den Tod nicht gedacht habe. Daß er an ihn und die Toten denkt, beweiſt der Ausruf:„Auch die Toten ſollen leben!“ Man beachte auch folgende Stelle des Liedes:„Auf des Glaubens Sonnenberge Sieht man ihre Fahnen wehn, Durch den Riß geſprengter Särge, Sie im Chor der Engel ſtehen.“ Die Freude bringt wohl ſeiner Meinung nach den Unſterblichkeitsglauben, die Poeſie der Unſterblichkeit, hervor. Wir verweiſen auf das, was früher unter dem Abſchnitt:„Liebe im beſonderen“ über die Liebe in ihrer Beziehung zum Unſterblichkeitsglauben geſagt worden iſt. Das Gedicht ſpiegelt den inneren Frieden eines Menſchen wieder, welcher das Verlangen nach perſönlichem Glücke bezwungen, die Unzufriedenheit mit Welt und Leben überwunden hat und nunmehr freiwillig auf dasjenige verzichtet, was das Leben ihm verſagt hat, Geiſt und Gemüt herrſchen jetzt über die äußeren Leiden und Kämpfe, nicht mehr dieſe über jene. Der Dichter betrachtet die wirkliche Welt nicht mehr kalt realiſtiſch, ſondern in der Verklärung durch das äſthetiſch⸗ ethiſche, allgemein— das ideale Gefühl. Jetzt empfindet er nicht mehr ſo ſehr das Mißverhältnis zwiſchen Tugend und äußerem Glück. Im trauten Freundeskreiſe, wo er weilt, gewährt ihm die innere Harmonie der Seele Troſt gegenüber dem Schmerz über die Disharmonien der äußeren Weltordnung.
Die Menſchenliebe des von wahrer Freude Beſeelten macht die Erfüllung der Pflicht leicht, da ſie mit ihr die Neigung in Einklang bringt. In dem Gedicht treten, wie uns ſcheint, die ethiſchen Ideen des „Don Carlos“, der„Götter Griechenlands“, der„Künſtler“ und der ſpäteren äſthetiſch-ethiſchen Werke in ihren Anfängen hervor. Alle genannten Werke zeigen das freudige Streben, die ethiſche Begeiſterung desjenigen, der ſich aus den Ketten peſſimiſtiſchen Unmuts und der Selbſtſucht befreit und zu der Geſinnung eines ſittlichen Menſchen und wahren Künſtlers durchgerungen hat. Die idealen Regungen ſeiner Seele, wohl die Frucht jenes Ringens, erlangen jetzt endlich auf ſeine ethiſche Lebensanſchauung den beſtimmen⸗


