Aufsatz 
Die ethische Weltanschauung des jungen Schiller
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Philoſophie des Henuſſes nach dem GedichteKeſignation und dem erſten Leile des Philoſophiſchen Heſpräches imbeiſterſeher.

Die Religion iſt, ſo führen die Spötter des Gedichts etwa aus, eine Lügnerin im Dienſte der Despoten. Sie giebt ſtatt der Wahrheit Phantome, Schatten. Auf eine Zukunft, die uns die Gräber verhüllen, auf eine Ewigkeit darf man nicht bauen. Der Glaube an letztere entſpringt der Gewiſſensangſt, der Todesfurcht, einem Fieberwahn. Es giebt keine Vergeltung nach dem Tode. Unſere Hoffnung auf ſolche ſtraft das Ge⸗ ſetz des Vergehens in der Natur Lügen. Die oben geſchilderte frivole Freigeiſterei des Genuſſes, die Lebens⸗ anſchauung der Spötter inReſignation, iſt im großen und ganzen charakteriſtiſch für den Peinzen im Geiſterſeher. Seine Anſichten, welche er im erſten Teil desPhiloſophiſchen Geſprächs ausſpricht, be⸗ rühren ſich inhaltlich mit der oben angeführten frivolen Philoſophie des Lebensgenuſſes. Der Prinz leugnet nicht direkt, wie die Spötter inReſignation die Dinge, welche die Religion lehren. Er zeigt ſich aber ſehr ſkeptiſch ihnen gegenüber. Als ſein Gefährte den Prinzen an ſeine frühere Lebensanſchauung, welche höhere Güter kannte, erinnert, weiſt der wohl melancholiſch geſtimmte Philoſoph des Genuſſes auf die Flüchtig⸗ keit des Lebens hin. Er hält dieſes wohl für ein Wolkenbild, welches ſchnell zerfließtBeigen Sie mir ein Weſen, das dauert, ſo will ich tugendhaft ſein!

Der melancholiſche Skeptizismus des Prinzen, ſein Agnoſticismus und die für ihn daraus folgende Lebensanſchauung des Genuſſes ergeben ſich aus ſeinen Aeußerungen, welche wir im folgenden anführen.

Die Vergangenheit liegt hinter mir wie ein Reich der Verſteinerung; die Zukunft bietet mir nichts. Was mir vorherging und was mir folgen wird, ſehe ich als zwei ſchwarze, undurchdringliche Decken an, die an beiden Grenzen des Lebens herunterhängen, und welche noch kein Lebender aufgezogen hat.

Schon viele........... Dichter, Philoſophen und Staatenſtifter haben ſie mit ihren Träumen bemalt

Ich beſcheide mich gern, nicht hinter dieſe Decken blicken zu wollen. Aber indem ich mein ganzes Sein in die Schranken der Gegenwart einſchließe, wird mir dieſer kleine Fleck deſto wichtiger.......

Wer verargt es mir, daß ich dieſes magere Geſchenk der Zeit, den Augenblick feurig

wie einen Freund, den ich zum letztenmal ſehe, in meine Arme ſchließe? Das, was Sie

den Zweck des Daſeins nennen, geht mich nichts mehr an. Ich kann mich ihm nicht entziehen, ich kann ihm nicht nachhelfen. Ich weiß aber und glaube feſt, daß ich einen ſolchen Zweck erfüllen muß und erfülle.

Qualen bereitet dem Prinzen das Grübeln der Vernunft. Er will die innere Stimme, die das Unglück ſeines Lebens ausmacht, betäuben, er will zur Ruhe bringen die grübelnde Vernunft, die wie eine ſchneidende Sichel in ſeinem Gehirn hin⸗ und herfährt und mit jeder neuen Forſchung einen neuen Zweig ſeiner Glückſeligkeit zerſchneidet. Ich ſehnte mich nach dem Leichtſinn..... Alles, was mich mir ſelbſt entführte, war mir willkommen. Ich wünſchte zu ſinken........

Kritik der frivolen freigeisterei des Senusses.

Die melancholiſch⸗peſſimiſtiſche Weltanſchauung des Prinzen, die zeitweiſe wohl mehr oder weniger Schillers eigene Anſchauung geweſen iſt, müſſen wir entſchieden verwerfen. Die Oberflächlichkeit, ja die Nich⸗ tigkeit derſelben darzutun ſei unſere Aufgabe. Die Tatſache, daß das Leben des einzelnen ſchnell vergeht, richtet doch an den moraliſchen Menſchen die Mahnung: Nutze die kurze Lebenszeit zu erſprießlicher Tätig⸗ keit aus! Wenn der Prinz meint, die Wirkung guter Handlungen höre ſchnell auf(vielleicht weil die Menſchen, für die man ſie tut, ſchnell vergeſſen?), ſo iſt dem entgegenzuhalten, daß der Genuß doch ebenſo ſchnell vergeht. Er hinterläßt aber oft böſe Folgen für Körper und Seele. Die Wirkung guter Handlungen