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B. Fthik der ſſlannheimer Zeit(Ilebergangsseit).
1. Dorleſung über die Schaubühne.— Die ſittliche und politiſche Frziebung des Dolkes.— Die politiſche Weltauffaſſung Schillers.— 2. Die beiden Sedichte:„Freigeiſterei der Ceidenſchaft“ und „Reſignation“.— Schwere innere Kämpfe zwiſchen ſleigung und Pflicht. Schiller tut den erſten Schritt nach dem Ziele bin, ſich zur ſelbſtändigen ſittlichen perſönlichkeit zu entwickeln. Die Schaubühne als moraliſche Rnstalt betrachtet.
Schiller ſchreibt der Tragödie großen Einfluß zu. Die Schaubühne fördert mehr als Moral und Geſetze die ſittliche Bildung. Das Gebiet innerhalb deſſen ſie ihre Gerichtsbarkeit übt, iſt ein größeres als dasjenige der menſchlichen Geſetze. Tauſend Laſter, welche die weltliche Gerechtigkeit ungeſtraft duldet, ſtraft die Schaubühne. Tauſend Tugenden, von denen jene ſchweigt, werden von dieſer empfohlen. Sie ſchöpft aus der reinen Quelle der Religion. Mit welch herrlichen Empfindungen und Entſchlüſſen ſchwellt ſie unſere Seele, welch göttliche Ideale ſtellt ſie uns zur Nacheiferung aus! Die Laſter ſind die veränderte Form einer Eigenſchaft, die wir belächeln und lieben. Viele ſchlechte Handlungen entſpringen vielleicht mehr der Tor⸗ heit als der Schlechtigkeit. Die Torheiten der Menſchen werden auf der Bühne verſpottet und gegeißelt. Dieſe verſpottet auch unſere eigenen Fehler, ohne jedoch uns perſönlich anzugreifen. Sie ſchont auf dieſe Weiſe unſere Empfindlichkeit. Ihre Zurechtweiſung geht uns tief zu Herzen. Sie lehrt uns Schick⸗ ſalsſchläge zu ertragen in dieſem Leben, wo Zufall und Abſicht eine ſo große Rolle ſpielen. Sie lehrt uns gerechter und milder über den Unglücklichen urteilen. Die Großen der Welt hören im Theater die Wahrheit, die ſie ſonſt nirgends zu hören bekommen(es gab wohl noch keine freie Tagespreſſe). Kein geringeres Verdienſt als um die ſittliche Bildung gebührt der Bühne um die Aufklärung des Verſtandes. Der feurige Patriot, der große Kopf braucht ſie dazu. Er wirft einen Blick auf das Menſchengeſchlecht, vergleicht Volk mit Völkern, Jahrhundert mit Jahrhundert. Von der Schaubühne fließen richtigere Begriffe, geläutertere Grundſätze und reinere Gefühle durch alle Adern des Volkes. Die Nebel der Barbarei, des finſteren Aberglaubens verſchwinden. Wie allgemein iſt nur ſeit wenigen Jahren die Duldung der Religionen und Sekten geworden! Die Schau— bühne pflanzt Menſchlichkeit und Sanftmut in unſer Herz.„Die abſcheulichen Gemälde heidniſcher Pfaffen⸗ wut lehren uns, den Religionshaß vermeiden.“ Mit ebenſo glücklichem Erfolge würden ſich von der Schau⸗ bühne aus Irrtümer in der Erziehung bekämpfen laſſen und doch iſt nichts dem Wahne, dem Leichtſinn der Bürger ſo uneingeſchränkt anvertraut wie die Erziehung. Nicht weniger ließen ſich von der Schaubühne aus die Meinungen der Nation über die Regierung berichtigen. Induſtrie und Erfindungsgeiſt„könnten Feuer fangen“. Eine gute ſtehende Bühne würde einen großen Einfluß auf den Geiſt der Nation haben;„Wenn wir es erlebten, eine Nationalbühne zu haben, würden wir auch eine Nation“.
Die Bühne bietet aber nicht nur Belehrung, ſondern auch edelſte Erholung. Sie übt einen ge⸗ waltigen pſychiſchen Einfluß auf den einzelnen aus. Der Unglückliche weint hier mit fremdem Kummer ſeinen Kummer aus. In dieſer künſtlichen Welt träumen wir die wirkliche hinweg. Wir werden uns ſelbſt wieder⸗ gegeben, unſere Empfindung erwacht.
Aus der Vorleſung über die Schaubühne erſehen wir, wie ſehr Schiller die ſittliche Bildung des Volkes am Herzen liegt. Auch weiß er die nationale Einheit zu würdigen.
Die Lugend im Kampfe mit der Leidenſchaft. Die Beit harter Konflikte.
Schillers Kämfe und die aus ihnen gewonnenen ethiſchen Anſchauungen werden in zwei Gedichten geſchildert, die wir zunächſt betrachten wollen.


