Aufsatz 
Die ethische Weltanschauung des jungen Schiller
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Don Carlos J. Akt, 2. Auftritt Vv. 197 200.

.Wenn's wahr iſt, daß die ſchaffende Natur den Roderich im Karlos wiederholte, Und unſerer Seelen zartes Saitenſpiel am Morgen unſeres Lebens gleich bezog. Man vergl. auch Akt V., Auftr. 4. Ja, Sire, wir waren Brüder! Brüder durch ein edler Band, als die Natur es ſchmiedet.

1 ſſletaphüſik der Liebe.

Theoſophie des Julius S. 126 Z. 36 38.Die ſanfte Desdemona liebt ihren Othello wegen der Gefahren, die er beſtanden: der männliche Othello liebt ſie um der Träne willen, die ſie ihm weinte. Vielleicht iſt hier auch die Liebe zu deuten, als eine Anziehung des Vortrefflichen, gegründet auf einen augen⸗ blicklichen Tauſch der Perſönlichkeit, eine Verwechslung der Weſen. Desdemona verſetzt ſich in dem Augen⸗ blick der Erzählung Othellos in deſſen Lage. Sie leidet mit ihm, andererſeits nimmt ſie ſeinen Mut, ſeine Ausdauer an, indem ſie ihn bewundert. Der Kriegsheld ſeinerſeits nimmt die echt weibliche Eigenſchaft tiefen Mitleids an, welches Desdemona durch die Tränen der Teilnahme an den von ihm geſchilderten Leiden be⸗ wieſen hat. Die eben erklärte Stelle derTheoſ. des Julius ſchließt das Thema:Metaphyſik der Liebe ungezwungen an dasjenige derMetaphyſik der Freundſchaft an. Deshalb haben wir ſie zu Anfang unſeres Kapitels behandelt, obwohl dieTheoſophie des Julius nicht das älteſte der für unſer Kapitel in Betracht kommenden Jugendwerke iſt. Sie enthält zwar Gedanken der Jugendabhandlungen, doch hat Schiller die. früheren Aufzeichnungen dieſer Gedanken ſpäter überarbeitet.

In einigen Lauraoden iſt die Liebe Gegenſtand metaphyſiſcher Würdigung. Sie unterliegt dem allgemeinen Geſetz der Anziehung in der Körper- und Geiſterwelt. InKabale und Liebe wird ſie in ihrer überſinnnlichen Geltung aller Konvention gegenübergeſtellt.Ich will doch ſehen, ob mein Adelsbrief älter iſt oder die Handſchrift des Himmels in Luiſens Augen: dieſes Weib iſt für dieſen Mann. Das Vaterland iſt Ferdinand weniger teuer als die Braut.Wo mich meine Luiſe liebt, iſt mein Vaterland. Die Liebenden führen einen verzweifelten Kampf gegen die Kabale laſterhafter, ſelbſtſüchtiger Menſchen. Sie erringen in Wahrheit den moraliſchen Sieg, wenn ſie auch infolge der tragiſchen Verkettung der Umſtände untergehen. 4

In dem bisher behandelten Teil unſerer Arbeit, den wir mit Al bezeichneten, haben wir Schillers Anſichten über die Tugend dargelegt, im folgenden ſtellen wir einzelne Gedanken von ihm zuſammen, teils über das Gegenteil der Tugend, das Laſter(Verbrechen), ſowie einige Fehler der Menſchen, teils über die Entſtellungen oder Uebertreibungen der Tugend, wie ſolche die Askeſe darſtellt.

2. EFinzelnes über Mskeſe, tragiſche Schuld, Derbrechen, fehler, Caſter.

Ethiſche Anſichten Schillers im Anſchluß an die GedichteKaſtraten und Männer,die Kindes⸗ mörderin, an die Abhandlungen:Zuſammenhang der tieriſchen Natur....., die Vorleſung über die Schaubühne, teilweiſe im Anſchluß an dasPhiloſophiſche Geſpräch imGeiſterſeher und an das Drama Die Räuber(nebſt Vorrede dazu).

Gegen die Unnatur und Heuchelei kämpft Schiller an in den ſatiriſchen Gedichten:An einen Moraliſten, undKaſtraten und Männer; Er befehdet den Moraliſten, welcher von des Alters Winterwolkenthron auf den goldenen Mai der Jugend ſchmält. Den Sinn vonKaſtraten und Männer gibt Hettner wieder durch das Citat von Aeſop:Die Armut iſt der Schätze verdächtige Verächterin. Der Dichter tritt für das Recht auf Lebensfreude, für das Recht der Naturtriebe ein. ImZuſammenhang der tieriſchen Natur des Menſchen mit ſeiner geiſtigen, wirft er ſich zum Verteidiger der natürlichen Triebe gegen die Askeſe auf.Finſteren Ernſt undtrauriges Entſagen verwirft er ſpäter in dem