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Schillers noch andere Stellen anführen, in welchen die ſelbſtverleugnende Liebe geprieſen, der Egoismus aber verworfen wird. Würdigung der allgemeinen Liebe(der Küchſtenliebe).
Die Liebe iſt die Krone der Tugend nach der Rede Schillers:„Gehört allzuviel Güte....“ S. 8 Zz. 18— 19. Liebe iſt„die Erſtgeborene des Himmels“. 18 Zz. 19— 20.
„Ueber die Folgen der Tugend“, 13, 11,„Liebe iſt der zweite Lebensodem in der Schöpfung...“ Philoſophie der Phyſiologie S. 20, 24—26.
„Liebe alſo, der ſchönſte, edelſte Trieb in der menſchlichen Seele, die große Kette der empfin⸗ denden Natur...“
Ciebe und Weisheit.
In der Rede:„Gehört allzuviel Güte....“ werden Liebe und Weisheit in gleicherhebenden Worten geprieſen. Beide vereinigt machen die Tugend aus.
In„Triumph der Liebe“, jenem Hymnus in welchem geſchildert wird, wie ſie im ganzen Univerſum wirkt, wird die Liebe über die Weisheit geſtellt.„Weisheit mit dem Sonnenblick, Große Göttin tritt zurück Weiche vor der Liebe“.
Würdigung der Freundſchaft und der Liebe im beſonderen. ſmetaphüſik der Freundſchaft.
Im Zuſammenhang mit der allgemeinen Liebe führten wir folgende Stelle aus der Rede„Tugend in ihren Folgen“ betrachtet an:... ſo kann Wonne des Freundes in die Seele des Freundes hinüberjauchzen.“ In dieſer Stelle faßt Schiller die Freundſchaft metaphyſiſch auf. Solche Auffaſſung vertritt er auch in der Freundſchaftsode, in den„Philoſophiſchen Briefen“ und möglicherweiſe in„Don Carlos“. Nach dem Gedichte„Die Freundſchaft“, Strophe 3, iſt die Freundſchaft zwiſchen Raphael und Julius durch die Kraft, welche die Geiſter aneinander feſſelt, ins Leben gerufen worden..
„Philoſophiſche Briefe.“ S. 110. Im ſchwarzen Heiligtum dieſer Buchen erſannen wir zuerſt das kühne Ideal unſerer Freundſchaft. Hier war's, wo wir den Stammbaum der Geiſter zum erſtenmal auseinander rollten und Julius einen ſo nahen Verwandten in Raphael fand“. S. 122, 123.
In dem Kapitel„Liebe“ in den„Philoſophiſchen Briefen“, citiert Schiller Stellen aus ſeiner Freundſchaftsode. Als Beiſpiel für das über die Liebe Geſagte führt er die überſinnlichen Beziehungen Raphaels zu Julius an. In dem Kapitel, das von der Liebe handelt, ſagt er auch ausdrücklich:„Eine Regel leitet Freundſchaft und Liebe.“ Die Freundſchaft iſt weſensähnlich mit der Liebe, eine Unterab⸗ teilung derſelben Der Freund nimmt die Perſönlichkeit des Freundes an. Mit Wohlgefallen erkennt er ſeine Empfindungen wieder in dem Spiegel der Empfindungen ſeines Freundes. Er verſchlingt die höheren Empfindungen des Freundes, die ihm mangeln. Wenn Iulius ſeinen Freund liebt, ſo macht ihn dieſe Liebe zu Raphael. In dem Kapitel„Aufopferung“ weiſt folgende Stelle auf die überſinnliche Bedeutung der Freundſchaft als einer Verwechslung der Weſen hin.„Ich fühle es lebhaft, daß es mich nichts koſten ſollte, für Raphael's Rettung zu ſterben.“ Weil der Freund in dem Freunde ſein eigenes Weſen ſieht, wird es ihm leicht, ſich für ihn zu opfern. Das Leben des Freundes wird ihm danu nahezu ſo wertvoll wie das eigene.
„Don Carlos.“
In„Don Carlos“ opfert ſich Poſa für die Menſchheit und ſeinen Freund. Das, was Schiller in der Freundſchaftsode und in den„Philoſophiſchen Briefen“ über Raphael und Julius ſagt, darf man vielleicht teilweiſe auf die Freunde Don Carlos und Poſa übertragen. Aus der Tragödie ſei im folgenden eine Stelle angeführt, in welcher der Dichter zum wenigſten auf die überſinnliche Auffaſſung der Liebe Bezug nimmt, wenn er dieſe Auffaſſung auch nicht als unanfechtbar hinſtellt.


