Aufsatz 
Die ethische Weltanschauung des jungen Schiller
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A. Die Lugend(die Dollkommenheit) im aligemeinen.

Definitionen der Tugend(Dollkommenheit.)

negativ. Es giebt keine Tugend ohne Kampf(aus der Rede: Gehört allzuviel Güte..... 2 S. 6 Z. 30 bis S. 7. Z. 5.)

poſitiv.Tugend iſt das harmoniſche Band von Liebe und Weisheit. S. 4 Z. 1718. Tugend iſt Nachahmerin Gottes. S. 4, 2627.

Derjenige Zuſtand eines denkenden Geiſtes, durch welchen er am fähigſten wird, Geiſter voll kommener zu machen und durch Vervollkommnung derſelben ſelbſt glückſelig zu ſein, dieſer Zuſtand wäre die Tugend aus der Karlsſchulrede:Tugend in ihren Folgen betrachtet. S. 12, Z. 1214.

Wir entnehmen obiger Rede Schillers dem Sinne nach und teilweiſe mit Benutzung ſeiner Worte noch folgende Definitionen: Das Werturteil Tugend verdienen diejenigen Handlungen, welche fördernden Einfluß auf die Vollkommenheit des Weltſyſtems haben. S. 11, Z. 5 9.

Jedwede Handlung,..... jedweder Gedanke,..... jedwede Empfindung macht ſich des..... Namens von Tugend würdig, wenn ſie die Vollkommenheit der Geiſter zum Zwecke hat, wenn ſie mit dem Weſen des Unendlichen übereinſtimmt, mit ſeinen Abſichten harmoniſch geht..... S. 11, Z. 25 31.

Tugend iſtweiſes Wohlwollen. S. 12, 3031.

Definition der Dollkommenheit.

Vollkommenheit iſt bei Schiller wohl faſt gleichbedeutend mit Tugend.

Was iſt Dollkommenheit? Worin beſteht Dollkommenheit? Was iſt unter Uleberſchauung des

trefflichen pPlans der Natur zu verſtehen? Dollkommenheit und Slückſeligkeit(hierzu iſt auch wohl

die Geſundheit zu rechnen.) Dollkommenheit(und damit auch wohl Hlückſeligkeit) iſt Uleberſchauung des trefflichen Plans des Univerſums.

Für Schiller iſt die VollkommenheitUeberſchauung, Forſchung, Bewunderung des großen Plans der Natur. Verſteht er unter Ueberſchauung des Plans der Natur nur ein geiſtiges Erkennen, und zwar dasjenige, daß der Menſch aus dem Kunſtwerke Rückſchlüſſe auf den Künſtler macht, wie man im kleinen den Künſtler aus ſeinem Apollo erkennt, um den Ausdruck derPhiloſophiſchen Briefe zu gebrauchen? Er verſteht darunter wohl mehr. Man vergleiche zu dem ZweckePhiloſophie der Phyſiologie S. 19, 8 20.......ſo ſoll der Geiſt der Menſchen) aus den einzelnen Wirkungen Urſache und Abſicht, aus dem Zuſammenhang der Urſachen und Abſichten all den großen Plan des Ganzen entdecken, aus dem Plane den Schöpfer erkennen, ihn lieben, ihn verherrlichen, oder kürzer, erhabener klingend in unſeren Ohren: Der Menſch iſt da, daß er nachringe der Größe ſeines Schöpfers, mit eben dem Blick umfaſſe die Welt, wie der Schöpfer ſie umfaßt, u. ſ. w....... bisaber es niemals erreichen. Ferner erläutern den BegriffUeberſchauen des Weltplans wohl die folgenden Worte derTheoſophie des Julius:Der Menſch, der es ſoweit gebracht hat, alle Schönheit, Vortrefflichkeit(in der Natur) aufzuleſen und zu dieſer Mannigfaltigkeit die große Einheit zu finden, iſt der Gottheit ſchon ſehr viel näher gerückt. In einer Aeußerung über die Liebe ſagt Schiller, daß dieſe Tugend den Menſchen zu Gott hinauf hebe und andererſeits Gott zum Menſchen herunter nkige. Sollte er unter Erkenntnis des großen Planes der Natur nicht etwas Aehnliches verſtehen, wie unter Liebe zu Gott? Verſteht er nicht darunter, daß der Menſch ſich zum Schöpfer erhebt(wie dieſer ſich zu ihm herunterneigt), ihn liebt, in ihm lebt, webt und iſt?