Aufsatz 
Der Geschichtsunterricht
Entstehung
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Der Geſchichtsunterricht.

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Die Wichtigkeit des Geſchichtsunterrichts wird mehr und mehr anerkannt. Es iſt nicht zu läugnen, die Geſchichte ſteht mit vielen Lehrfächern, insbeſondere der Religionslehre und den Sprachen, in Ver⸗ bindung und macht dieſe verſtändlicher, ſie gibt dem Schüler, der kaum das Leben beginnt, einen reichen Schatz von Erfahrungen für das Leben mit, und unterſtützt durch ihre Thatſachen das Streben nach Wahrheit und Moral oft klarer und unbeſtreitbarer als ſchwärmeriſcher Myſticismus und klüglend berechnender Realismus. Zahlloſe Syſteme über die Art, die Geſchichte zu lehren, ſind in Uebung. Es gibt Schulen, wo man die allgemeine Geſchichte gänzlich in Sold confeſſioneller Zwecke oder politiſcher Beſtrebungen nimmt, oder Syſteme, die einſeitig blos durch Biographien das ganze Volksleben darzuſtellen, und andere, die durch ungenaue poetiſche Ergüſſe das ernſte Geſichtsbild zu entfalten und zu präciſiren vermeinen. Alle dieſe Behandlungen, wie auch weiter die chronologiſche, ſynchroniſtiſche und ethnographiſche Darſtellungen, die objektive und pragmatiſche Anſchauung, haben indeß ihre Be⸗ rechtigungen, und es iſt nicht der Zweck mit dieſen über das wie und wie weit hier zu rechten, zumal ohnehin die meiſten Lehrſyſteme ſo phraſenhaft elaſtiſcher Natur ſind, daß ein entſchiedenes Reſultat doch nicht zu erzielen iſt. Ich will mir hier nur in einfachſter Form darzulegen erlauben, wie ich ſelbſt den Geſchichtsunterricht auffaſſe und ſoweit thunlich in Anwendung bringe. Der Geſchichts⸗ unterricht für die Jugend iſt etwas Anderes als die Geſchichtslehre für Erwachſene. Dem Er⸗ wachſenen gegenüber überreicht der Geſchichtsſchreiber ſein Werk einem ſelbſtſtändigen Publikum, das es beliebig aus der Hand legen oder ihm weiter folgen kann. Bei dem Geſchichtslehrer der Jugend iſt dies Anders. Die Zöglinge können ſich der Darſtellungsweiſe des Lehrers nicht beliebig ent⸗ ziehen, ſie ſind verbunden ſeiner Auffaſſung zu folgen. Welches iſt nun die Aufgabe des mit ſolcher Gewalt ausgerüſteten Lehrers? Sicherlich die, nicht nur das hiſtoriſche Wiſſen des Zöglings zu erweitern, ſondern hauptſächlich ihn durch Mittheilung des Wichtigſten aus dem ungeheuren Schatze menſchlicher Erfahrungen, die die Geſchichte enthält, zu bilden, ihn mit dem Standpunkte, auf dem er als Menſch, Bürger u. ſ. w. ſteht und weiter zu gehen hat, bekannt zu machen, und ihn für dieſe höhere Entwicklung ſeiner phyſiſchen, moraliſchen und intellektuellen Fähigkeiten zu begeiſtern.

Die Geſchichtskenntniß als bloßes Gedächtnißwiſſen iſt Nebenzweck, das ethiſche Wiſſen aber der Hauptzweck. Wenn dieſe Unterſcheidung von Haupt⸗ und Nebenzweck aber richtig ſteht, ſo iſt es auch ebenſo gewiß, daß zur Förderung des Hauptzwecks, das iſt Nachweiſung des Beſſeren und der Erregung der Begeiſterung für das Beſſere, die Behandlung der Geſchichte Seitens des Lehrers keine trockene objektive, ſondern eine lebhafte ſubjektive zu ſein hat; aber dasienige Subjekt, das der Be⸗