Aufsatz 
Kritisches zu Ovids Metamorphosen nebst Proben einer Übersetzung des Werkes / von ... Suchier
Entstehung
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v. einer Ortsveränderung nichts erwähnt wird? Die Erklärer nehmen an, O. übergehe die näheren Umſtände, die ſich bei Apoll. u. a. finden, daß H. ſich v. Kenäum, wo er opfern wollte, auf das Feſtland nach Trachis u. v. da auf den Ota be⸗ gab, wo er einen Scheiterhaufen errichtete, beſchuldigen ihn alſo einer gewiſſen übereilung. Betrachtet man die Erzählung v. V. 159 an genauer, ſo iſt offenbar, daß alles an demſelben Orte ſich begibt, wo der Altar ſtand; zwiſchen dem Umſtürzen des Altars aber u. dem ausbrechenden Wehruf einen Wechſel des Orts anzunehmen wäre höchſt willkürlich. Den Dichter aber einer Nachläſſigkeit oder eines Verſehens in einer ſo bekannten Sache zu zeihen dürfte nicht wol angehen. Die Schwie⸗ rigkeit ſcheint ſich nur ſo heben zu laſſen, daß wir beides, das Opfer wie die Verbrennung des H., dem Ota, der Kenaion gegenüber lag, zuweiſen. Der Dichter faßt ſo die verſchiedenen Begebenheiten kurz zuſammen um ſeinen Hauptzweck, die Ver⸗ herrlichung des H. und die Verwandlung des Lichas, mehr hervor treten zu laſſen. 20) Die Vergleichung erläutert nur das Ziſchen. Üübrigens erlaubt ſich der Dichter eine ſehr kühne übertreibung; denn wie ein Menſch, dem das Blut kocht, die Sehnen knacken, das Mark ſchmilzt, noch leben und reden kann, iſt nicht einzuſehen. 21) Vgal. Virgil Georg. IV, 172: alüi stridentia tinguunt aera lacu. 22) Ahnlich, zum Theile gleich lautend VI, 280 f. Zu miserandus et hosti vgl. VI, 276. 23) Buſiris, S. des Poſeidon, König in Agypten, führte nach ſeinem Brauche die Fremdlinge zu opfern den H. gefeſſelt zum Altare; dieſer aber zerriß die Bande und erſchlug den B. 24) Antaios, S. der Gaia, hauſte in Libyen, zwang die Frem⸗ den mit ihm zu ringen und tödtete die beſiegten. H. aber merkte, daß er immer neue Kraft bekam, wenn er die Erde be⸗ rührte, und erdrückte ihn in der Luft. 25) Geryones, ein iberiſcher König auf der Inſel Erytheia, mit einem dreifachen Oberleibe war reich an rothen Rindern. H. entführte dieſelben und erlegte den nachſetzenden G. mit ſeinen Pfeilen. 26) Den dreiköpfigen Kerberos ſchleppte H. aus der Unterwelt zum Euryſtheus u. trug ihn dann in den Hades zurück: VII, 410 ff.; X, 22 u. 65. 27) Den wilden kretiſchen Stier, den Neptun aus dem Meere hatte ſteigen laſſen, brachte H. gebändigt nach Mykene, ließ ihn aber dann wieder frei. Später tödtete ihn Theſeus: VII, 431. 28) In Elis reinigte H. an einem Tage die Ställe des Augeias, indem er den Alpheios hindurch leitete. 29) Die verderblichen ſtymphaliſchen Vögel, die ſich bei Stymphalos in Arkadien an einem See aufhielten, hatten eherne Krallen, Flügel u. Schnäbel; H. ſcheuchte ſie mit ehernen Klappern auf und erſchoß ſie dann. 30) In dem partheniſchen Walde zwiſchen Arkadien und Argolis hielt ſich die der Ar⸗ temis heilige Hindin auf mit goldnem Geweih und ehernen Füßen. H. verfolgte ſie ein Jahr lang, lähmte ſie dann durch einen Pfeil und brachte ſie lebendig zum Euryſtheus. 31) H. erbeutete den Gürtel od. das Wehrgehenk(bei Juſtin II, 4 arma) der Amazonenkönigin Hippolyte, nachdem er ſie getödtet hatte. Die Amazonen wohnten am Fluſſe Thermodon in Kappadokien. 32) Die goldnen Apfel der Heſperiden in der Nähe des Atlas von einem hundertköpfigen Drachen bewacht. H. erſchlug den Drachen und pflückte die Äpfel. Nach Apoll. holte Atlas dem H., der für ihn den Himmel zu tragen über⸗ nahm, drei Äpfel, wollte nun aber den Himmel nicht mehr tragen. H. bat ihn es noch ſo lange zu thun, bis er ſich einen Kranz von Stricken um den Kopf gelegt habe. Atlas willigte ein, H. aber ließ ihn nun ſtehen nnd ging fort. 33) H. kehrte bei dem Kentauren Pholos ein. Dieſer bewirthete ihn mit gebratenem Fleiſche, fürchtete ſich aber, als H. um Wein bat, das gemeinſchaftliche Weinfaß der Kent. zu öffnen. Kaum hatte dies H. ſelbſt gethan, ſo drangen die K. mit Felsſtücken und Baumſtämmen bewaffnet hervor. Die erſten trieb H. mit Feuerbränden zurück, die übrigen verfolgte er mit Pfeil⸗ ſchüſſen. Jacobi. 31) Der erymanthiſche Eber, der vom Gebirge Erymanthos aus die Gefilde verwüſtete, wurde v. H. mit einer Schlinge gefangen und lebendig nach Mykene gebracht. 35) Die lernäiſche Hydra hauſte in einem Sumpfe bei Lerna, eine Meile ſüdlich v. Argos. Von ihren 9 Häuptern waren 8 ſterblich, das mittelſte unſterblich. H. ſchlug ihr mit der Keule die Köpfe ab, aber für einen abgeſchlagenen wuchſen immer zwei neue, bis endlich ſein Wagenlenker Jolaus die Stellen, wo die Köpfe ſich erneuerten, ausbrannte und ſo das Nachwachſen hinderte. Darauf ſchlug H. auch das unſterbliche Haupt ab und wälzte ein Felsſtück darauf. S. IX, 69 ff. 36) Diomedes, S. des Ares, König der Biſtonen in Thrakien, warf ſeinen Stuten die Fremden zum Fraße vor, die in ſein Land kamen. H. warf Diom. ſelbſt den Roſſen vor und brachte ſie zum Euryſtheus. Dieſer ließ ſie frei, worauf ſie von wilden Thieren zerriſſen wurden. Daß H. die Roſſe erſchlug, führt nur Ovid an. 37) Der nemeiſche Löwe(Nemea eine Gebirgsgegend im nordöſtlichen Peloponnes) wurde, weil er unverwundbar war, v. H. in den Armen erdrückt. Das Fell zog er ab und trug es als Gewand. In vielen Hdſchr. finden ſich nach dieſem Verſe die Worte: His Cacus horrendum Tiberino gurgite(od. litore) monstrum. Daß der Vers unächt iſt, ergibt ſich aus dem proſodiſchen Fehler in Cacus u. daraus, daß keiner der Dichter und Mythographen, mit denen Ovid übrigens überein⸗ ſtimmt, Sophokles, Apollodor, Hygin, Seneca, dieſer italiſchen Localmythe gedenkt. 38) S. Anm. 32. 39) Sinn: Juno kann kein ſchwieriges Unternehmen für mich mehr finden. Von Arbeiten, die ſie dem H. auferlegte, iſt nichts bekannt;