Aufsatz 
Kritisches zu Ovids Metamorphosen nebst Proben einer Übersetzung des Werkes / von ... Suchier
Entstehung
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Unter den handſchr. Lesarten eignet ſich dazu nur revinxi(Gloſſein pulverem, alſo ſo viel als an den Boden heften) und repressi, wovon erſteres als das gewähltere den Vorzug verdienen möchte. Wenigſtens hat es nicht den Anſchein, als ob es von einem Abſchreiber herrührte, während die ubrigen Varianten deutlich das Streben verrathen den ſeltneren Ausdruck in einen mehr geläufigen zu verwan⸗ deln. Sollte aber die Bezeichnung revinxi etwas zu gelinde erſcheinen, ſo möchte ich refregi vorſchla⸗ gen, welches unſeremzerſchmettern gleich käme. Der Einwand übrigens, daß ſich jenes Begraben nur auf einen Theil, nicht auf die ganze Schlange beziehe, iſt wol kaum zu befürchten; nachdem die übrigen Häupter vernichtet und das Nachwachſen verhindert war(was in domui liegt), kam es nur noch auf jenes Eine an.

IX, 750: Non te custodia caro Arcet ab amplexu, nec cauti cura mariti.

So ſchreibt Bach mit Heinſ. aus einigen Handſchr. Die meiſten eodd. aber haben magistri für ma⸗ riti, und für deſſen Beibehaltung ſprechen folgende Gruͤnde: 1) daß mariti als das näher liegende eher von einem Abſchreiber herzurühren ſcheint; 2) daß in den Ausdrücken eustodia, cura magistri, patris asperitas, se ipsa offenbar eine Steigerung liegt, in welcher der Gatte an der unrechten Stelle wäre; 3) daß der maritus als nicht vorhanden zu dem Übrigen, das alles der jetzigen Stellung der Iphis ent⸗ ſpricht, ſchlecht ſtimmt; 4) daß der Charakter der Redenden, der ganz rein gehalten iſt, die Annahme einer Untreue, wie ſie in den Worten liegen wuͤrde, ausſchließt.

Schließlich ſei es vergönnt aus einer Überſetzung des ganzen Werkes, die zum größeren Theile voll⸗ endet iſt, einiges als Probe mitzutheilen. Dabei ſchien es vor allem unabweisbares Erforderniß auf den Versbau möglichſte Sorgfalt zu verwenden, damit der Dichter, der ſich mit ſolcher Meiſterſchaft darin bewegt, ſich des deutſchen Gewandes nicht ganz zu ſchämen brauche. Der Herameter mußte daher ſtren⸗ geren Geſetzen unterworfen werden, als bisher geſchehen iſt, und dem lateiniſchen Vorbilde, ſoweit dies das Widerſtreben unſerer Sprache zuließ, anbequemt werden. Namentlich verlangten die männlichen Cä⸗ ſuren, die allein durch ihren kräftigen Halt dem Verſe die ſchleppende Weichlichkeit benehmen und die gemeſſene Würde geben können, eine geuaue Beachtung. Deshalb iſt nach dem Vorgange des Originals die Penthemimeres überwiegend, und wo dieſe fehlt, durchgängig die Hephthemimeres in Verbindung mit der männlichen Cäſur des zweiten Fußes(ſo daß der Regel nach der Vers mit einem Choriambus beginnt) gewahrt. Auch in Beziehung auf die Anfangsdiäreſe(wie IX, 128: Trajicit; 152: Seeum ait; 212: Aspicit) mit dem Lateiniſchen gleichen Schritt zu halten möchte bei dem Mangel au Wortdaktylen der deutſchen Sprache unmöglich ſein; dasſelbe gilt von der bukoliſchen Cäſur. Wie weit es nun gelungen iſt den antiken Vers in würdevollerem Schritte vorzuführen und den ſo ſtiefmütterlich bchandelten etwas mehr zu Ehren zu bringen, mögen die Leſer beurtheilen.