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wir auch unſern Lauf nehmen mögen; quo aber für quoeunque zu nehmen möchte die Grammatik nicht erlauben. V. 597: Hue ades etc., der im heidelb. cod. fehlt, iſt v. Heinſ. ohne haltbaren Grund angefoch⸗ ten; die Worte ſind nach der vorausgegangenen Anrede zum Ubergange nothwendig. V. 598: Huie ego ete. fehlt in 10 codd., V. 601: Cui quondam etc.(v. Heinſ. verdächtigt) in 2 codd.( hat ihn am Rande); im heidelberger cod. fehlt 598; am Rande findet ſich daſelbſt von anderer Hand V. 602 u. 603 vor 599; V. 603 kehrt dann an der gewöhnlichen Stelle wieder, doch nicht 602. Die handſchr. Auctorität ſcheint aber hier von geringem Belange zu ſein; denn die Ausſcheidung trifft grade ſolche Verſe, an denen kein Tadel haften kann, und die in der Rede eine durchaus angemeſſene Stelle haben. Der Grund zur Weg⸗ laſſung von V. 598 mochte wol nur darin liegen, daß er einen ähnlichen Anfang hat wie 597(Hue, IHuie); in Bezug auf V. 601 erkannte man, daß er mit dem folg. V.: Affer opem ete. unverträglich war; man behielt den einfacheren bei und verbannte den anderen, weil das unklare quondam verdächtig ſchien, obwol grade dieſes für die Achtheit ſpricht. Denn quondam gebraucht der Dichter auch ſonſt um die Vergangenheit ſchlechthin im Gegenſatze zur Gegenwart ohne Rückſicht auf kürzeren oder laͤngeren Zwiſchen⸗ raum zu bezeichnen, namentlich wo ein früherer anderer Zuſtand dem jetzigen gegenüber geſtellt wird*). Tilgen wir mit Braune p. 11 ff. V. 602: Affer opem eic., ſo iſt quondam ganz an ſeiner Stelle um den Gegenſatz, der in tellus u. Neptune liegt, auch hinſichtlich der Zeit hervor zu heben. Die Weglaſ⸗ ſung des genannten V. aber, der keinen neuen Gedanken bringt, wird nicht bloß durch das bereits Ge⸗ ſagte gerechtfertigt, ſondern auch durch die Gründe, die Braune geltend macht: 1) daß bei Ovid wol fer opem, aber nicht affer opem vorkommt; 2) daß precor nach dem vorausgehenden precantem ein un- nöthiger Zuſatz iſt; 3) daß der gleiche Ausgang beider Verſe auf feritate paterna!²) etwas Mattes und Unbeholfenes hat, da demſelben keine beſondere Abſicht untergelegt werden kann. Dazu kommt, daß der V. im heidelb. cod. fehlt.
Betrachten wir nun aber den Gedankengang der Anſprache des Achelous, ſo ſchließt ſich alles wol an einander bis auf V. 599 u. 200, die ſich ſehr ſtörend in die ſonſt ſo bündige Rede eindrängen und ganz ohne Verbindung mit dem folgenden Cui quondam etc. da ſtehen. Sicherlich ſind ſie ſehr entbehrlich, und ich möchte entweder beide Verſe oder wenigſtens den erſteren, deſſen Anfang an 592 erinnert(zu mi- nus impius esset vgl. VI, 482), ausſcheiden, die Worte Si mitis et aeuus aber auf Neptun beziehen. Im letzteren Falle wären die Worte Debuit illius ete. nach 601 als Parentheſe zu ſetzen an ſeritate pa- lernn angefügt; Veranlaſſung zur Interpolation und zur Umſtellung ergab ſich dann leicht.
Die Anrede des Ach. an den Meergott würde ſich alſo folgender Maßen geſtalten:
„Regna vagae,“— dixi—„sortite Tridentifer undae,
12) So V, 146: Aethion sagax quondam ventura videre, Nunc ave deceptus falsa; VII, 342: Acer equus quondam magnaeque in pulvere famae Degenerat palmas; XII, 244: Res epulis quondam, nune bello et caedibus aptae; beſonders bei Verwandlungen wie II. 480: Laudata quondam Ora Jovi lato fieri deformia rictu(coeperunt); IV, 281: Te quoque, nunc adamas, quondam ſidissime parvo, Celmi, Jovi(praetereo); VI, 88: Nunc gelidos montes, mortalia corpora quondam; VIII, 254: Vigor ingenii quondam velocis in alas Inque pedes abiit; X, 70: Iunctis- sima quondam Pectora, uunc lapides; XII, 331: Maxime vir quondam, sed nunc avis unica, Caeneu. In dieſen Beiſpielen entſpricht quondam ganz unſerem„vorher“. Auch III, 576 iſt zu beachten, wo die Worte: Sacra Dei quon- dam-- secutum auf die jüngſte Vergangenheit zu gehen ſcheinen.
13) Pietate paterna in V. 602 bei Bothe u. Bach aus 1 cod. iſt nur ein Nothbehelf um die anſtößige Wiederholung zu vermeiden. Daß dieſe Lesart in jeder Weiſe unſtatthaft ſei, weiſt Braune nach.


