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als eine Folge des Empirismus nachweisen. Für uns genügt dieser möglichst knapp gehaltene Überblick über den Verlauf der theoretischen Philosophie der Engländer, welche in Lockes System eigentlich nur ein Inventar des Denkstoffes erzeugte, in dem Berkeleys aber einen wesentlichen Bestandteil der Welt, die Materie, leugnete.
Das Gefühl der Unfähigkeit, auf theoretischem Gebiete Befriedigendes zu leisten, hiess den noch regsamen philosophischen Geist Englands ein anderes Feld seiner Thätigkeit suchen; er trat auf das ihm weit heimischere, praktische Gebiet über und begann das Feld der Ethik und Asthetik zu bebauen. Wenn ich diese beiden Zweige der philosophischen Wissenschaft dem praktischen Gebiete überweise, so geschieht dies eben vom Standpunkte des Engländers aus. Schon die enge Verbindung von Ethik und Ksthetik, wie wir sie bei den Intellektualisten kennen lernten, mit allen daraus sich ergebenden Folgerungen, trägt ein wesentlich praktisches Gepräge. UÜberhaupt kam es auch dem Engländer, der sich bei allem, was er thut und treibt, bewusst und unbewusst von dem Grundsatz der Nützlichkeit leiten lässt, bei seinen ästhetischen Forschungen weit weniger darauf an, das Wesen des Schönen in seiner Objektivität,»vals Ding an sich-, zu erkennen; ausgehend vielmehr von dem Eindruck des schönen Gegenstandes auf das betrachtende Subjekt, suchte er aus gewissen philosophischen Vordersätzen Folgerungen für die Praxis zu ziehen. Die deutsche Asthetik mit ihrer objektiven Betrachtungsweise scheint dem empiristischen Engländer metaphysische Schwärmerei.
In der Geschichte der Philosophie steht übrigens der Fall nicht einzig da, dass ein Aufhören philosophischen Lebens auf theoretischem Gebiete ein Steigen praktisch-philosophischer Bestrebungen veranlasst. Sah man die Unmöglichkeit ein, noch tiefer zu ergründen, was die Welt im Innersten zusammenhält, so warf man sich auf die Ergründung von dem, was man sehen und fühlen kann; von der Betrachtung des allgemeinen ging man über zu der Betrachtung des besonderen, von der Erforschung der Welt im grossen und ganzen zur Betrachtung der Menschenseele; aus der Untersuchung des Makrokosmos wird die Untersuchung des Mikrokosmos. So folgten auf Plato und Aristoteles die praktischen Moralphilosophien der Stoiker und der Epikuräer; in noch älterer Zeit waren es die Sophisten, welche als philosophische Praktiker jener langen Reihe von Philosophen folgten, welche sich von den Hylozoisten bis auf Anaxagoras erstreckte; in neuerer Zeit folgte auf Leibnitz Wolf und die deutsche Aufklärung, auf Hegel und Schopenhauer eine Anzahl Gelehrter, welche die Grundsätze beider im Leben und in der Wissenschaft weiter verwerteten.
Um die englische Asthetik in noch engere geschichtliche Verbindung mit der englischen Philosophie überhaupt zu setzen, ist noch zu erwähnen, an welche früheren Philosophen sich die beiden Richtungen der englischen Kunstphilosophie anknüpfen. Dadurch werden auch die Gegensätze beider Schulen um so schärfer hervortreten. Der gemeinsame Anknüpfungspunkt der intellektualistischen Richtung ist Cudworth, die Quelle der sensua- listischen Locke. Cudyvorth(† 1688) vertritt die Lehre von den-angeborenen Ideeen«, welche von Locke verworfen wird. Nach letzterem werden ja dem Menschen alle Ideeen durch die Sinne vermittelt. Weisen nun die Vertreter der»-angeborenen Ideeen« dem Geiste eine gewisse höhere Stellung an, so verlegen andererseits die Vertreter der Lockeschen Ansicht den Schwerpunkt in die sinnliche Seite des Menschen. Danach gestalten sich auch die beiden Richtungen der englischen Asthetik grundverschieden. Die Intellektualisten suchen die Quelle des Schönen mehr im denkenden Geiste, die Sensualisten in der Empfindung. Diese Grundanschauung begegnet uns bei


