Aufsatz 
Die geschichtlichen Vorbedingungen der englischen Kunstphilosophie des vorigen Jahrhunderts / von Friedrich Stehlich
Entstehung
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Home und etwas roher ausgeprägt bei Burke, ebenso bei Hogarth, an dem auch eine gewisse Neigung zu formalistischer Einseitigkeit zu bemerken ist. Um so wunderbarer ist es, dass gerade der letztere auf eine Ansicht hindeutet, welche man als die Vereinigung jener beiden Einseitigkeiten»das Schöne ist geistig« und»das Schöne ist sinnlich« betrachten kann. Ich meine die Ansicht über die dem Kunstwerke zu Grunde liegende-Idee-, welche Hogarth, wenn auch nur unbewusst, vorschwebte, wo er in seiner»Analysis of Beauty« vom»Grunde des Reizes- im Schönen und der Einheit in der Mannigfaltigkeit im Kunstwerk redet. Mit dieser Ansicht näherte er sich, wie wir früher anzudeuten Gelegenheit hatten, der neuzeitlichen Kunstphilosophie und bildet das vermittelnde Glied zwischen der englischen und der deutschen Asthetik. Aber Hogarth hat diesen Grundsatz bloss geahnt, nicht methodisch durchgeführt. Wie wenig er sich von dem in seiner Zeit herrschenden Kunstgeschmack loszumachen vermochte, dürfte daraus zu folgern sein, dass er die Schlangenlinie als die wahre Schönheitslinie betrachtet. Damit steht er aber noch auf dem Standpunkte des Barockstils und redet dem Rokokoschnörkel das Wort.

Noch eine weitere geschichtliche Bedingung für das Entstehen der englischen Kunstphilosophie sowohl, wie der teilweise so eng damit verbundenen englischen Moralphilosophie ergiebt sich aus dem Entwicklungsgang der englischen Weltweisheit. Lockes epochemachendes Werk, entstanden aus dem rationalistischen Geiste seiner Zeit, nennt sich-Versuch über den menschlichen Verstand-; dadurch beschränkt es sich auf den durch die natürlichen Denkgesetze geordneten Bereich des menschlichen Geistes, in welchem die reine Logik alle Thätigkeiten regelt. Es betrachtet nicht jenes Gebiet unseres Seelenlebens, wo das Gesetz der individuellen Freiheit massgebend ist, das Gefühl und den Willen. Nur gelegentliche Bemerkungen finden sich darüber in Lockes Schriften. Da nun Ethik sowohl, wie Asthetik gerade jene zweite Seite bei ihren psychologischen Vor- bedingungen vor Augen haben müssen, so erweisen sich die Systeme der englischen Moral- und Kunstphilosophen als die notwendige Ergänzung der Lockeschen Philosophie. Was die Asthetiker insbesondere anbetrifft, so hat unter ihnen Shaftsbury geahnt, dass sich in der Gefühlsseite des Menschen die Erkenntnisquelle des Schönen befindet, Burke dies aber begriffen.

Schluss.

Die hohe Bedeutung der englischen Kunstphilosophie. Ihre Weiterführung durch die Deutschen. Warum sie in Frankreich schwieriger Eingang fand.

Wir sind am Ende unserer Untersuchungen angekommen. Wir haben gesehen, wie die englische Kunstphilosophie eine Frucht jenes grossen Umschwungs auf wissenschaftlichem Gebiete war, der auf die Reformation zurückzuführen ist und ohne diese schwerlich möglich geworden wäre. Wir haben erkannt, wie die englische Kunstphilosophie ihre Wurzeln hineinschlägt in den Boden der Kunstgeschichte und damit in engsten Zusammenhang mit der Bildungsentwicklung der Zeit tritt. Dadurch haben wir zugleich an einem augenfälligen Beispiele erfahren, dass die Philosophie nichts weiter ist, als das in abgezogene Begriffe umgesetzte Spiegelbild ihrer Zeit. Wir haben schliesslich noch die englische Kunstphilosophie als ein notwendiges Erzeugnis des gesamten Entwicklungsganges der englischen Nationalphilosophie dargestellt und ihre Erscheinungen in die geschichtliche Entwicklungsreihe derselben gebracht. So nach rückwärts die Fäden verfolgend,