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Wurzel geschlagen. Namentlich hatte Pierre Bayles ⸗Dictionnaire historique et critique-, damals ein beliebtes Auskunftsbuch bei den Gebildeten Englands, viel zu deren Verbreitung beigetragen. Von nicht minder hoher Bedeutung war John Lockes, des Verfassers von dem»Essay on the Human Understanding«, persönlicher Verkehr mit Pierre Bayle während seines Aufenthalts in den Niederlanden. Diese französischen Einflüsse, sowohl die litterarischen auf die gebildeten Kreise Englands, als auch die persönlichen auf einen der scharfsinnigsten und berühmtesten philosophischen Köpfe des 18. Jahrhunderts, wurden um so fruchtbringender, als sich seit der Reformation eine englische National- philosophie vorbereitete, gefördert besonders durch die seit Hooker und Chillingworth immer ent- schiedener hervortretende rationalistisch-deistische Richtung. Die hervorragendsten Erscheinungen der Vorbereitungszeit sind Hobbes und Baco von Verulam. Letzterer ist darum von dauernder Bedeutung für die englische Philosophie geworden, weil er derselben durch sein empiristisches Princip ein für alle Zeiten eigentümliches Gepräge aufgedrückt. Der bis heute in Kraft gebliebene Empirismus der Engländer hat aber im vorigen Jahrhundert ebensowohl den Auf- schwung ihrer Philosophie, wie deren Niedergang und Verflachung verursacht. Im weiteren Verlauf unserer Untersuchung wird sich nun ergeben, wie die Einseitigkeit des Empirismus den Fall der theoretischen Philosophie der Engländer veranlasst undso die mittelbare Ursache für das Entstehen ihrer Ethik und Asthetikgeworden ist.
In den Kämpfen des 17. Jahrhunderts teils gegen katholisierende Bestrebungen, teils gegen die absolute Königsgewalt herangereift, erzeugte der kritische Geist des englischen Freidenkertums das empiristische System John Lockes mit seinen beiden Grundbegriffen»reflexion« und»sensation«. Lockes Grundsätze waren von grösstem Einfluss auf jene Zeit. Auf dem Gebiete der reinen Philosophie sind die Lehren Berkeleys und Humes von ihm herzuleiten. Berkeley, der Fühlung mit dem Cartesianismus hatte und eine Zurückführung der sensation« auf die-reflexion« anstrebte, geht von folgendem Erfahrungssatze aus: In unserem Geiste haben die Dinge nicht gleiche Beschaffenheit wie in der Körperwelt; sie sind daselbst ihrer Stofflichkeit entkleidet und haben sich zu Vorstellungen verflüchtigt. Dieser an und für sich richtige Satz führte nun aber zu der spiritualistischen UÜberspanntheit der Berkeleyschen Philosophie, deren Hauptgrundsatz war: Weil uns die Erfahrung lehrt, dass wir die Dinge in unserem Geiste nur als Vorstellungen erfassen, Vorstellungen aber immateriell sind, so ist auch die Summe der Vorstellungen, die Welt, immateriell. Da unter solchen Umständen die ganze Welt als nur in den Geistern vorhanden gedacht wurde, Geister aber Subjekte sind, wurde für die Berkeleysche Philosophie die ganze Welt nur eine Menge subjektiver Vorstellungen. Sie wusste indes dadurch die objektive Sicherheit ihrer-Ideeenwelt- zu wahren, dass sie im Anschluss an die Cartesianer die einzelnen-Ideeen- von Gott dem Menschen- geiste zuführen liess.*)
Der unleugbare Subjektivismus der Berkeleyschen Philosophie bereitete den Skepticismus Humes vor, welcher den Gottesbegriff leugnet. Ist alles subjektiv, wie kann es da noch ein über der subjektiven Willkür stehendes, objektives allgemeines geben? Eine Einzelbetrachtung der Humeschen Philosophie würde den Skepticismus oder die Selbstzersetzung der Philosophie noch genauer
*) Wenige Jahre nach Berkeleys„Principles of the Human Knowledge“ 1710, erschien Arthur Colliers „Clavis Universalis or New Inquiry after Truth, being a Demonstration of the Non-existence or Impossibility of an External World,“ London 1713. Berkeley stand also nicht allein, und etwas wie seine Philosophie oder dem Ahnliches lag damals in der Luft der philosophischen Welt Englands.


