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mit deren Behandlung die der in Frage kommenden völkerpsychologischen Momente zu verbinden sein wird. Alsdann werden wir zu den kulturgeschichtlichen Vorbedingungen übergehen und uns am Schluss mit den philosophiegeschichtlichen zu beschäftigen haben.
Weltgeschichtliche Vorbedingungen.
Einfluss der Reformation auf das philosophische Leben Europas. Gründe, aus welchen die protestantischen Germanen auf dem Gebiete der Philosophie leistungsfähiger waren, als die katholischen Romanen.
Die letzte Geschichtsperiode wurde durch ein Ereignis eingeleitet, welches, bedeutungsvoll für die Wissenschaft im allgemeinen, vor allem zu philosophischen Bestrebungen die grossartigste Anregung gegeben hat, die Reformation. Dadurch, dass Luther und gleichstrebende Männer sich von der Bevormundung der römischen Kirche lossagten, befreiten sie die Wissenschaft von einem Drucke, welcher bisher ihren Fortschritt gehemmt; denn als Kern des Reformationsgeistes haben wir den Widerspruch des sich frei fühlenden, individuellen Menschengeistes gegen die Fesseln der ihm zu eng gewordenen Überlieferung zu betrachten. Machte sich dieses Gefühl des beengenden Druckes zuerst auf religiösem Gebiete in den Glaubens- und Gewissenskämpfen des Augustinermönches Martin Luther geltend, so sollte es doch auch bald auf anderen Gebieten, namentlich dem wissenschaftlichen, erwachen und hier den Kampf gegen die mittelalterliche Scholastik heraufbeschwören. Darum der Aufschwung der neueren Philosophie, dieses Brennpunktes aller modernen Wissenschaft, als die Ergebnisse der Reformation den YVölkern in Fleisch und Blut überzugehen begannen.
Nun zeigt aber die Geschichte der Philosophie, dass an den philosophischen Bestrebungen der Neuzeit nur diejenigen Nationen den thätigsten Anteil nahmen, welche sich der Reformation gegenüber nicht ablehnend verhielten. Darum das geringste philosophische Streben bei den Südromanen, mehr bei den Franzosen, am meisten aber bei den Germanen. Unter den letzteren thaten sich nächst den Deutschen die Engländer hervor, und es ergiebt sich so als erste und allgemeinste geschichtliche Vorbedingung der englischen Asthetik, dass der durch die Reformation tief angeregte Eifer für philosophische Forschungen die Engländer auch zu Untersuchungen auf ästhetischem Gebiete veranlasste. Wollen wir nun die tiefinnnersten Gründe wissen, aus welchen die Romanen auf allen Gebieten der Philosophie Geringeres leisteten als die Germanen, wollen wir gleichzeitig eine Erklärung dafür, dass die Romanen sich ablehnend gegen die Reformation verhielten, so gäbe uns eine eingehendere völkerpsychologische Untersuchung Antwort auf unsere Frage. Diese Untersuchung bis ins Einzelne zu führen würde aber bei weitem die Grenzen vorliegender Abhandlung überschreiten. Wir beschränken uns darum auf die kurze Mitteilung einiger Ergebnisse.
Ein hauptsächlicher Charakterzug der romanischen Völker ist ihr vorwiegender Sinn für das Ausserliche, Formale. Weniger geneigt zu denkender Einkehr in sich selbst, sind sie schon darum an und für sich zu philosophischem Nachdenken weniger beanlagt. Aus diesem Grunde ist ihnen die katholische Konfession so sehr ans Herz gewachsen, deren gottesdienstliche Gebräuche Sinne und Phantasie ganz vorzugsweise beschäftigen. Der Protestantismus sagt ihnen nicht in


