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das Schwein auf die Weide. Der Hund diente zur Bewachung der Herde. Auch das Pferd war ihnen bekannt, doch ist es fraglich, ob bereits in gezühmtem Zustande.*)
Wie aus dem Verzeichnis der Wurzeln die Civilisationsform und damit die intellektuelle Bega- pung eines Urvolkes ergründet werden konnte, das nur noch in seinen Abzweigungen weiterlebt, so können wir uns aus dem Wörterbuche einer Nation, die uns anderweitig hinreichend bekannt ist, ein um so treueres Bild entwerfen, als wir stets prüfende Blicke von der Sprache auf die Eth- nographie des betreffenden Volkes werfen können. Wir werden dann erkennen, wie eng sich Sprache und Civilisation an einander anlehnen, wie ferner nicht nur der Grad des nationalen Scharfsinns, sondern auch die specielle nationale Beanlagung für diese oder jene Bethätigung aus der Sprache ersichtlich wird. Vergleichen wir die Wörterbücher mehrerer Nationen mit einander; prüfen wir namentlich, was begrifflich gemeinsam, international, und scheiden wir aus, was rein national ist. Untersuchen wir ferner, was in einer einzelnen Sprache Lehnwort, und wo die Herkunftsstütte jedes Lehnworts ist. Es wird sich dann für jede Nationalsprache, oder auch für eine Gruppe von Na- tionalsprachen, wenn die sie redenden Völker das Band gemeinsamer Abkunft umschliesst(Germanen, Slaven), eine Anzahl von Wörtern herausstellen, die einer bestimmten Lebenssphäre angehören, in welcher das petreffende Volk vermöge besonderer Beanlagung Eigenartiges geleistet. Die Namen für nationale Erfindungen gehen oft unmittelbar aus der Sprache der Erfinder in die Sprachen an- derer Völker über, und sind es diese Namen nicht selbst, so sind es UÜbersetzungen, in denen der Sprachforscher mühelos das Urwort wiedererkennt. Hier einige Beispiele.
Der Engländer ist der systematische Ausbilder des Sports. Sportsman durch und durch, hat er die Liebhaberei für Hunde und Pferde, Jagen, Rennen und Reiten zu einer Art von Wissen- schaft ausgebildet. Ein Squire von echtem Schrot und Korn lüsst vielleicht sein Herrenhaus ver- fallen, die Sandwege seines Parkes vom Unkraut überwuchern, aber die boxes seines Marstalls sind sauber wie ein Schmuckkästchen— darauf halten seine grooms— in seinem paddock grasen mehrere treffliche Vollblutrenner, sein Kennel enthält eine hübsche Auswahl gut dressierter setters und pointers. Englands Eigentümlichkeit forderte das Festland zur Nachahmung heraus; mit der Gewohnheit drangen auch die englischen Wörter über den Kanal und leben in dem Munde deut- scher und französischer Sportsmen. Unsere festländischen Nachbildungen der Rennen in Derby, Epsom und New-Market bringen durch die Rennprogramme und Rennberichte in die weitesten Kreise des Volkes eine Menge Sportausdrücke, die entweder ihre englische Form beibehielten, oder deren englische Herkunft, selbst wenn sie verdeutscht sind, zweifellos ist. In solchen Programmen und Berichten spricht man von dem meeting da und da, dann und dann, vom Hürden-Rennen, Churdle-race), steeple-chase, turf, handicap, vom pedigree dieses oder jenes Pferdes, von„qualifizierten“ und„disqualifizierten“ Pferden, von den Jockeys, von den Wetten am totalisator.— Die charakteristische Beschäftigung der Germanenstämme, welche um die Zeit der Völkerwanderung in das römische Reich einfielen, war das Kriegshandwerk; durch innere Beanlagung in diesem Lebenskreise thätig, waren sie hier vornehmlich selbstschöpferisch. So drangen mit ihnen ihre eigenen Ausdrücke für Krieg und die verschiedenen Waffenarten in die Sprachen derjenigen Völker, mit denen sie in engere Be- rührung traten. Da nun in jenen unruhigen Zeiten keine Nation romanischer Zunge dem Ansturme der Deutschen mehr ausgesetzt war, als die Galloromanen, hat gerade deren Sprache eine ganze
*) Lesenswerter Aufsatz in„Nord und Süd“. Band 15. Heft 45.(Dec. 1880).„Aus der Geschichte der Hausthiere“. Eine linguistische Studie von O. Schrader. Jena. Daselbst auch Angabe der wichtigsten hier ein- schlagenden Quellenwerke.


