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Nationen eigen war, von deren noch sehr geringen Kultur die Funde in den Pfahlbaustationen und Kjoekkenmoeddinger Kunde geben?*)
Die chinesische Gesittung blieb seit Jahrhunderten auf dem gleichen Standpunkte stehen und zeigte keine Fähigkeit zur Fortentwickelung. Da aber die Kultur eines Volkes sein Werk ist und es an ihm selbst liegt, wenn dieselbe nicht fortschreitet, so schliessen wir, dass dem Chinesen jene geistige Geschmeidigkeit und Entwickelungsfähigkeit abgeht, welche wir als das Merkmal der höchstbegabten Nationen erkannten, diesen einen Fortschritt beinahe ins Unbegrenzte ermöglicht, mindestens aber ein Petrifizieren auf einmal erreichter Stufe verhindert. Seit Jahrhunderten bannte also geistige Ungelenkheit den Chinesen in die enggezogenen Grenzen seiner einmal erreichten Ge- sittung. Bedarf es noch weiterer Beweise seiner geistigen Beschränktheit, so bemerke ich, dass seine zahlreichen religions-philosophischen Schriften jedes höheren Schwunges entbehren und sich kaum über den Standpunkt einer ziemlich hausbackenen Moral erheben. Ferner kannte der Chinese die Magnetnadel zwar früher als die Europäer, aber er verstand nicht, wie diese, sie zur Entdeckung neuer Länder jenseits des Weltmeers und zur Begründung des Welthandels zu verwerten. Das Pul- ver war ihm früher als den Nationen unseres Erdteils bekannt, aber erst seine Kriege mit den Euro- päern veranlassten ihn, Bogen und Pfeile mit einer zeitgemässeren Bewaffnung zu vertauschen. So deckt sich denn thatsächlich die primitive chinesische Sprache mit dem Geiste dieses Volkes, der nicht beweglich genug war, die Fesseln einer veralteten Kultur aus eigener Initiative abzustreifen. Ob der Verkehr mit Europa eine Weiterentwickelung der chinesischen Kultur erzeugen wird, ist eine Frage der Zeit. Auf praktisch-realistischem Gebiete, wenn auch nicht in gleichem Masse wie die Japaner, hat sich der Chinese der europäischen Bildung zugänglich gezeigt. Zweifelhaft scheint es aber, ob er jemals den Europäern auf wissenschaftlich-idealistischem Gebiete folgen wird, weil hier der Kontrast zwischen ihm und dem Arier am grellsten hervortritt. Wir haben später noch einmal auf die Chinesen zurückzukommen und werden dann zu ergründen suchen, welche inneren Ursachen die geistige und sprachliche Erstarrung dieses Volkes gehabt.
Ein Analogon zu den Chinesen bieten im Altertum die Agypter. Auch hier Widerspruch zwischen hochentwickelter Kultur und ziemlich niedrig organisierter Sprache, auch hier Analogien im beiderseitigen Nationalcharakter, welche dieses Missverhältnis erklären.*)
Welches andere Bild entrollt sich aber vor uns, wenn wir die Blicke von diesen petrefakten Nationen, von diesen Völkerfossilen zu den arischen Stämmen wenden, die uns die Sprach- und Geistesbildung in ihrer höchsten Vollendung zeigen. Unter den Flexionssprachen steht die Spräche der Hellenen dem Sanskrit an Vollkommenheit wenig nach. Geschmeidig vermag das Griechische jede noch so feine Schattierung des flüchtigen Gedankens wiederzugeben. Reich an Formen, in logischer Hinsicht überaus zart organisiert, konnte diese Sprache nur jenem scharfsinnigen Volke des Altertums gehören, dessen wissenschaftliche Erzeugnisse die Wissenschaft aller Zeiten begründet haben. Das Altrömische, minder fein gebaut als das Griechische, einfacher organisiert als dieses, wird' durchweht von jenem schneidigen Zuge logischer Konsequenz, welcher dem römischen Verstande eigen war. Diesen Grundzug hat das Lateinische seinen romanischen Tochtersprachen vererbt,
*) Vergl. N. Joly,„L'homme avant les métaux.“ Paris 1880 2me. 6d.(Biblioth. scientif. intern. publiée par Bailliére) chap. VI. I. II.
*) Siehe Pott„Die Ungleichheit menschlicher Rassen“ pag. 87. Lesenswert auch die Charakteristik des Kgyptischen bei Hovelacque„La linguistique.“ Paris 1876.(Bibl. des sciences contemporaines II, Verlag von Reinwald.) pag. 192.


