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anzutreffen sind. Zu den letzteren gehören in Europa und Asien vornehmlich die finnisch-mongoli- schen Stämme(die Nomaden Sibiriens, die Chinesen, die Tataren, die Finnen, die Esthen, die Os- manen, die Magyaren). Der Einwand, dass sich verschiedene dieser Nationen europäische Kultur mit Erfolg aneigneten und darum wohl eine günstigere Beurteilung verdienten, ist früher schon durch die Bemerkung zurückgewiesen worden, dass blosse Empfänglichkeit und Bildsamkeit eine Nation noch nicht als eine höchst begabte charakterisiere. Man halte darum auch meiner Behaup- tung nicht die Ungarn entgegen, darauf hinweisend, wie diese vor etwa tausend Jahren als wildes Steppenvolk in die Donauniederung kamen und durch Annahme westländischer Gesittung sich- im Laufe der Jahrhunderte eine Stellung in der politischen Welt Europas errangen.
Mit grösserem Rechte dürfte durch Hinweis auf die Chinesen ein Einwand gegen meine Be- hauptung gemacht werden. Bekanntlich besitzt ja dieses der gelben Rasse angehörige Volk eine eigene, wahrscheinlich selbsterzeugte Kultur. Den Kompass, den Druck und das Pulver kannten die Chinesen früher als die Europäer. Sie sind tüchtige, umsichtige Ackerbauer und wissen durch rationelle Bewirtschaftung dem übervölkerten Lande die nötige Nahrung abzuringen. Gewandt als Geschäftsleute, geschickt als Arbeiter, machen sie dem weissen Mann in den Westgebieten der„Ver- einigten Staaten“ bedenkliche Konkurrenz. Die Oberfläche ihres Landes giebt Zeugnis von der hohen Kultur des Volkes. Ein Netz von Strassen und Kanälen überzieht dasselbe; wohlgepflegte Reisfelder bedecken die PFlächen. Ein geregelter Waldbau verhütet das planlose Niederhauen der Holzungen. Dabei regiert dieses Land ein vom Kaiser bis zum geringsten Mandarinen wohlgegliedertes Beamten- heer, und, damit kein Merkmal vorgeschrittener Civilisation fehle, hat China auch eine reichhaltige wissenschaftliche und Unterhaltungslitteratur hervorgebracht.
Mit dieser hohen Kultur pildet aber die chinesische Sprache einen auffallenden Kontrast. Ver- gegenwärtigen wir uns zunächst die Hauptcharakterzüge dieser Sprache. Es wird dann zu unter- suchen sein, wie diese, trotz seiner hohen Kultur, dennoch ein Abbild der geistigen Begabung des Chinesen ist.
Das Chinesische gehört der Gruppe der isolierenden oder einsilbigen Sprachen zu. Wie das Siamesische, von den einsilbigen Idiomen das am niedrigsten organisierte, macht es Gebrauch von der Betonung, um lautlich ganz gleiche, dèr Bedeutung nach aber verschiedene Wörter zu unter- scheiden. Streng genommen kann man überhaupt nicht einmal von Wörtern im Chinesischen reden, denn seine Sprachentwickelung ist nicht bis zur Wortbildung, sondern nur bis zur Wurzelbildung gelangt. Flexion in unserem Sinne kennt das Chinesische nicht, ebensowenig den Unterschied zwischen Haupt- und Zeitwort. Beide missen aus dem Sinn erkannt werden. Gewisse Wurzeln verwendet man zur Andeutung der Beziehungen. Ausser dem Tone haben die Chinesen noch ein anderes, ziemlich mechanisches Mittel, um Wortverwechslungen zu vermeiden. Die Wurzel tscheu hat gegen 50 verschiedene Bedeutungen, die unter sich in gar keinem Zusammenhange stehen, 2 B. Vogelgezwitscher, Wasserbecken, Antwort, Zank, Insel, Umschliessen, ein mythologisches Pferd, Eselin, eine Weinart etc. Braucht nun der Chinese tscheu in der Bedeutung Wasserbecken, so muss er das Wort für Wasser hinzufügen, wie er in seiner Schrift dem Zeichen für tscheu das Zeichen für Wasser beizusetzen hat. Aus allem dem erkennen wir das Ungelenke des Chinesischen verglichen mit den formvollen Sprachen des indogermanischen Stammes.
Wie löst sich nun der sonderbare Widerspruch zwischen der chinesischen Kultur und dieser niedrigentwickelten Sprache, einer Sprache, deren Form vielleicht den Idiomen jener vorhistorischen


