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bedacht gewesen zu sein. Vom Eingang ihres Gedichtes bis zum dritten Gesang nehmen die reinen Reime beständig zu; die Zahl der Strophen, deren Verse vollständig reinen Reimschluß zeigen, steigt hier von 52·17% bis auf 72·3%; aber von da ab macht sich ein all- mähliches Zurückgehen in der Reinheit der Reime geltend, das bis zum sechsten Gesange anhält, wo diese Strophenformen nur mehr 57·14% betragen; erst von hier ab gegen den Schluß des Epos läßt sich wieder ein langsames Anschwellen im Gebrauch der reinen Reime erkennen, das aber nur sehr wechselnd und schwankend, wie in wellenförmigen Linien, vor sich geht. Der Prozentsatz der Stanzen mit durchweg rein reimenden Zeilen erhebt sich im IX. Gesange bis zu 74·35%, sinkt jedoch dann abermals bis zu 66·66% im XII. Gesange herab.
Obwohl Bernhardi alle möglichen Reimarten verwendet hat, um ihre Stanzen anmutiger zu gestalten, läßt sie doch im ganzen die nötige Sorgfalt vermissen. Reiche Reime finden sich in allen nur erdenkbaren Variationen vertreten; der erweiterte Reim ist ziemlich häufig anzutreffen(etwa zwanzig Beispiele) und auch der rührende Reim kehrt sehr oft wieder, gerade in der Art, die wegen ihrer geist- losen und mühelosen Form nicht erlaubt wird: 87·87% aller Fälle identischen Reimes beziehen sich auf das Zusammenreimen zweier Wörter gleichen Sinnes und gleicher Bedeutung, während sich nur acht Beispiele feststellen lassen, wo die gleichlautenden Reimwörter wirklich verschiedene Bedeutung aufweisen.:
2. Gegenüber den reinen Reimen nehmen, wie schon erwähnt, die unreinen Reime einen gehörigen Prozentsatz ein. Bernhardi ist hier in dieselben Fehler verfallen wie W. Schlegel im Tristan und wie Schiller in seiner Kneis¹). Oft trifft sich der merkwürdige Fall, daß sie gewisse Arten unreiner Reime in denselben Worten und an der gleichen Stelle wiederbringt wie ihre mhd. Vorlage, so daß wir damit einen neuen Beweis erhalten, daß sie trotz aller Freiheiten, die sie sich Fleck gegenüber erlaubt, dessen Werk doch nie aus den Augen verloren hat.
a) Fast nirgends spielt das subjektive Moment eine so große Rolle wie in der Metrik bei der Beurteilung der sinnlichen Wirkung eines Reimes, seiner Reinheit. Wir sehen einen Reim noch als rein an, wenn die Laute nicht als verschiedene empfunden werden, wenn- gleich sie in der Tat schon wirklich verschieden sind. Darum war ja auch die Empfindlichkeit für die Reinheit des Reimes zu den ver- schiedensten Zeiten und in den verschiedensten Gegenden stets eine schwankende. Wir stoßen bei Bernhardi auf eine Reihe von Reimen, wo wir scheinbar kurze Vokale auf lange gereimt sehen und um- gekehrt. So treffen wir etwa 35 Fälle des Reimes a— a oder à— a; 2. B. ein charakteristischer Vertreter dieser Art:„an—— gewann&(IV 30, VI zt,
¹) Vgl. R. Neuhöffer: Progr. a. a. O. S. 6 ff.


