Aufsatz 
Entstehung und äußere Form der romantischen Bearbeitung der Sage von "Flore und Blanscheflur" durch Sophie Bernhardi
(geb. Tieck)
Entstehung
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geben, die dem mitgeteilten Gedankeninhalte nicht nur keine Härten auferlegte, sondern sich ihm bis in die feinsten Details anschmiegte und ihn nur noch kräftiger und schöner zur Geltung brachte. In kleinen, nach außen und innen harmonisch gebauten Ganzen fließt ihre Er- zählung sanft und lieblich dahin.

Einen großen Schmuck verlieh Bernhardi ihren Stanzen durch die gewandte und kunstvolle Bindung ihrer Reime, in denen sich trotz der Mannigfaltigkeit der Verschlingungen eine schöne Regelmäßigkeit erkennen läßt. Nachdem sie sich in bezug auf die Reimzeilen und die Zahl der Versfüße an den festen Stanzentypus von W. Schlegel gehalten hatte, folgte sie ihm auch hinsichtlich der Stellung und des Geschlechtes der Reime. Wie er, gebraucht sie in den acht Verszeilen nur drei Arten von Reimgruppen, von denen die ersten zwei stets gekreuzte Reime bilden, das letzte Paar aber, wie schon früher erwähnt, als Abschluß der Strophe dient: abababcc. Innerhalb dieses Typus nimmt sie nun, wie ihr Vorbild, alle hinsichtlich des Reimgeschlechtes und seiner Stellung möglichen Variationen vor, soweit sie nicht die feste Grundform verletzen. Deshalb finden wir auch in ihrem Epos, wie in Schlegels Tristan, alle acht verschiedenen Möglichkeiten ver- treten, die sich hier aus dem Wechsel des Reimgeschlechtes ergeben: die entgegengesetzte Form mit durchaus stumpfen Reimen ¹); 3. abab abec, wo a und c klingend sind, b stumpf ist, die eigentliche reife Stanzenform, wie sie nach Heinse und Goethe Regel wurde ²); 4. abab abccC, wo zu den stumpfen b-Reimen auch noch die ce-Reime hinzu- treten, während a klingend bleibt; 5. abababcc, das Gegenbild zur gewöhnlichen Stanzenform, wo statt a- die b-Reime mit c klingend sind, a dagegen stumpf; 6. abababcc, wieder das Gegenbild zu Form 5, wo außer den a- noch die c-Reime stumpf werden, b sich aber klingend hält; 7. abababcc, eine Abart der ersten Form mit des zweiten Bildes, wo von den dort durchweg stumpfen Reimpaaren das Schlußpaar klingend geworden ist. Mit dem sorgsamen Festhalten und der Beschränkung auf diese genannten acht festen Typen steht Bernhardi hier wieder in geradem Gegensatz zu der Bauart der Stanzen in Schillers Xneis). Nachdem dort, wie berichtet, sogar die Zahl der Reime freigegeben war, konnten mit dem Wechsel der Stellung und des Reimgeschlechtes eine Menge von immer neuen und voneinander vollständig abweichenden Variationen gebildet werden. Dazu kam noch, daß auch die Zahl der Verszeilen nicht durchgehends festgehalten wurde. Stellungen des Reimgeschlechtes, die sich in unserem Epos als ver-

¹) Die stumpfen Reime sollen durch einen Strich unter dem Buchstaben bezeichnet werden, z. B. ab= a stumpf, b klingend.

) Siehe Minor: Metrik, S. 470.

³) Vgl. H. Dettmer: Progr. a. a. O. S. 8 ff. R. Neuhöffer: Progr. a. a. O. S. 6.