Aufsatz 
Entstehung und äußere Form der romantischen Bearbeitung der Sage von "Flore und Blanscheflur" durch Sophie Bernhardi
(geb. Tieck)
Entstehung
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untereinander verknüpft und der ganze Inhalt in eine feste Form ge- bracht, die sich, einem ununterbrochenen Flusse gleich, von der ersten bis zur letzten Verszeile ergießt. 4

1. Betreffs des Gebrauches der Einschnitte hielt sie sich wieder ganz an ihr Vorbild, an W. Schlegels Tristan. Wie bereits erwähnt, rühmt jener in seiner Vorrede(S. XXXIII) mit Freuden, daß sie auch hierin ganz dasselbe vor Augen gehabt habe wie er. Wie seine Stanzen eine feste Zäsur als Haupteinschnitt bloß nach der 4. Silbe kennen, die übrigen Einschnitte aber vollständig freigegeben sind, so gestaltet sich auch deren Architektonik in unserem Epos. Die Hauptzäsur nach dem 2. Versfuß, die dem Verse einen lyrischen Charakter verleiht, ist ziemlich strenge durchgeführt ¹), dagegen sind aber auch Einschnitte nach fast allen anderen Silben in verhältnismäßig großer Zahl zu treffen. Besonders häufig kehren außer der Hauptzäsur die Einschnitte nach der 5. Silbe wieder, sogar die nach der 3. und 2. Silbe lassen sich noch ziemlich oft feststellen, während die gegen den Schluß des Verses hin befindlichen, also von den Einschnitten nach der 6. Silbe angefangen, gegenüber den übrigen schon spärlich vorkommen und mit dem Vor- rücken nach dem Ende der Zeile immer seltener werden. Allerdings geht Bernhardi hierin doch wieder weiter als W. Schlegel, indem sie die Einschnitte nach der 8. und 9. Silbe, die sonst nur höchst selten und dann meistens bloß in elfsilbigen Versen auftauchen, grötßtenteils in nur zehnsilbigen Verszeilen bietet: z. B. ein Einschnitt nach der 8. Silbe in einem Elfsilber: X 77:Verzweifelnd rief zum Himmel er:] versöhne; ebenso in IV 35*; hingegen in einem Zehnsilber: IX 73 s:Du sandtest mich nach Blanscheflur,] mallein; desgleichen VIII 22*(vgl. Schlegels Tristan: 46 ³, 49). In gleich auffallender Weise zeigen sich auch die Einschnitte nach der 9. Silbe in bloß zehnsilbigen Versen; z. B.: IV 21 5: So leise rühren sie ihn küssend], daß; oder X 497, X 81 1. Die Bei- spiele zeigen uns deutlich, welch inniger Zusammenhang zwischen der Verteilung der Verseinschnitte und der Verknüpfung der einzelnen Verse untereinander in unserem Gedichte besteht.

2. Bernhardi hat das Enjambement in weitestgehendem Umfange zur Verbindung ihrer Verszeilen verwendet und ist darin dem Zuge ihrer Zeitgenossen, vor allem wieder ihrem Vorbilde W. Schlegel, treu gefolgt. Die einzelnen Zeilen erscheinen nicht als abgehackte, kleine Teile, die nach je fünf Takten bloß aneinander gereiht werden, sondern sind durch den Sinn untereinander verbunden und als fortlaufende Takte zu einem größeren Ganzen ausgesponnen, das erst im Schluß der Strophe einen Ruhepunkt und Abschnitt findet. Dazwischen sind natürlich wieder auch solche Zeilen eingeschaltet, deren Gedanken- abschluß mit dem Versende zusammenfällt, so daß beide Arten in hübscher Abwechslung miteinander eine große Lebhaftigkeit und Frische herbeiführen, die die sonst einförmige Monotonie der jambischen Takte

¹) Betreffs des lyrischen Charakters dieses Einschnittes vgl. Minor: Metrik, S. 470.