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Zu dieser Annahme sind wir umsomehr berechtigt, als sich die Dichterin in ihrem Epos der Synkope sonst in weitestgehendem Ausmaße bedient und manchmal sogar ungemein hart klingende Resultate geschaffen hat, z. B.: grauvoll(VII 46 ¹), durchdring'den(VII 7 ⁴)...... Hat sie sie in unserem Falle etwa absichtlich nicht angewendet, um dadurch in den jambischen Rhythmus eine Abwechslung hineinzubringen? Dagegen spricht die äußerst schwerfällige Gestaltung des Verses X 39, die gerade durch eine ungeschickte, doppelte Synkope hervorgerufen wurde: „Wie gerne duld'’t ich die schwerste Pein“, wo der jambische Khyth- mus nicht nur in gezwungener, auffälliger Weise durchbrochen, sondern auch noch ein voller Versfuß eliminiert wird. Schon die Schreibung „duld't“ läßt die Härte der Synkope hier erkennen. Zu welch schönem rein jambischen Fünffüßler hingegen gestaltet sich der Vers mit Anwendung der hier einzig richtigen Elision„duldet'“! Daraus geht deutlich hervor, daß die Auslassung der Synkope in den obigen Fällen ebensowenig auf eine Absicht der Dichterin, einen Wechsel des Rhyth- mus dadurch herbeizuführen, zurückgehen kann, wie hier deren allzu eifrige Anwendung, sondern daß wir es in allen diesen Beispielen einfach mit einem Mangel an Sorgfalt und Aufmerksamkeit von ihrer Seite zu tun haben, z. B.: IV 23 1:„Und dies lebendige Blüfhen, Duften, Rauschen“, oder I 656:„Die Köſnigin bat: ihr mögt sie so begnaden......„Wenn sie demnach durch die sich fast als zwingend ergebende Synkope die doppelten Senkungen hätte verschwinden lassen, wären von regelrechten Anapästen überhaupt keine mehr übrig geblieben mit Ausnahme derer, die bloß durch zwei silbenbildende, zusammen- stoßende Vokale gebildet wurden. Angesichts dieses Umstandes, daß die meisten der regelrechten Anapäste Bernhardi nur unabsichtlich entglitten zu sein scheinen, sie demnach diese Art der rhythmischen Veränderungen nur äußerst spärlich anwandte, liegt die Annahme obiger Auffassung wirklich nahe, daß sie die erwähnten Vokalgruppen als einen einzigen Laut gelesen und so in den betreffenden Versen einen Wechsel des Rhythmus vermieden haben könnte.
4. Sämtliche bisher genannten rhythmischen Abweichungen in den einzelnen Versfüßen ließen sich immer bloß nach einer einzigen, be- stimmten Kichtung erklären. Daneben treffen wir nun auch einige Fälle, wo Bernhardi Typen der verschiedensten Art in den Füßen eines ein- zigen Verses vereinigt hat. Hier kann in gewissem Sinne von wirklichen Unregelmäßigkeiten des Rhythmus gesprochen werden, da seine Mannig- faltigkeit so groß ist, daß fast jeder Versfuß einen anderen rhythmischen Bau zeigt. Fast jedes der im ganzen wohl vereinzelten Beispiele weist andere charakteristische Merkmale auf. Am zahlreichsten ist noch der Typus vertreten, der verschiedene Arten schwebender und versetzter Betonung in derselben Verszeile zusammenzieht. Bemerkenswert für all diese Fälle ist der Umstand, daß sich sämtliche rhythmischen Eigen- tümlichkeiten bloß auf jene kritischen Stellen des Verses erstrecken,


