Aufsatz 
Entstehung und äußere Form der romantischen Bearbeitung der Sage von "Flore und Blanscheflur" durch Sophie Bernhardi
(geb. Tieck)
Entstehung
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3. Wie Bernhardi hier bloß den regelmäßigen Wechsel von Senkung und Hebung geändert hat, hat sie in einer Reihe von Fällen auch zweisilbige Senkungen eingeschoben und dadurch die reinen Jamben mit Anapästen durchsetzt. Ganz im Gegensatze zur sonstigen Gewohnheit der Dichter, derartige rhythmische Unregelmätigkeiten hauptsächlich im Verseingang zu bringen(vgl. dazu Minor: Metrik S. 249) und den Schluß des fünffüßigen Jambus davon frei zu halten, finden wir in unserem Epos die eigenartige Erscheinung, daß sich im 1. Versfuß kein einziger Anapäst zeigt, während sie in den Füßen der 2. Vershälfte, auch sogar im 5., verhältnismäßig oft auftreten. Am

häufigsten erscheinen sie im 3. Versfuß nach der Hauptzäsur. Meist

sind es Eigennamen oder Wörter, wo die beiden unbetonten Silben von zwei zusammenstoßenden Vokalen gebildet werden, die, da sie unverschleift zu sprechen sind und im Versrhythmus an die Stelle der Senkung zu stehen kommen, dieselbe verdoppeln, z. B. IX 11):Sie

eilt mit Rom eos Dlchp sich zu durchbohren. Elf derartige Fälle lassen sich zählen. Auf die gleiche Art treten uns die beiden Senkungen im 4. Versfuß entgegen; z. B. XII 84:Du weißt, daß ich jetzt

Spaniens K oͤnig bin. Auch im 2. Versfuß sind sie häufig zu finden,

2. B. 8 63 1:Er beugt seine Knep, bricht dann das dumpfe Schweigen. Noch im 5. Fuße kehren sie in etwa sieben Beispielen wieder; z. B. IX 58:Hüllt Unschuld sie in lichter Glofrie Scheinſe. Einmal treten Anapäste sogar in zwei Füßen desselben Verses auf: IX 6 5:Aus ROm 60s Aulgen Juſliàs Hêrz entzünden. Wenn wir all diese Fälle betrachten, muß uns die beständige Wiederkehr der gleichen, zusammenstoßenden Vokale auffallen; es sind bloß die Verbindungeniaeo in Eigennamen undie in den Worten: Glorie, Lilie, Spanien. Vielleicht ließen sich die ersten Vokalgruppen in einen einzigen Laut zusammenziehen, so daß der vorangehende Vokal nur konsonantisch zu sprechen wäre: ia, eo? Dann wäre in diesen Beispielen der reine fünffüßige Jambus ohne Unterbrechung wiederhergestellt. Zwei Momente sprächen für diese Auffassung: a) In IX 127 findet sich der Vers:KRomeo und Julia ruhn sanft beisammen,

wo der 1. Versfuß unbedingt folgende Betonung verlangt: Römé5, einfach versetzter Versakzent mit Zusammenziehung der beiden Vokale

durch Konsonantierung dese vor demo. Dagegen könnte allerdings

gleich in demselben Verse noch die BetonungJuſià angeführt werden, wo die beiden Vokale wieder offenkundig getrennt werden; aber b) unter den von Bernhardi eingeschobenen Anapästen, die nicht auf zwei silbenbildende, zusammenstoßende Vokale zurückgehen, sondern volle, aus Konsonanten und Vokalen bestehende Senkungssilben ent- halten, sind viele Fälle anzutreffen, die nur ihrer Unachtsamkeit ent- sprungen sein können, da sie mit Anwendung von Synkope sofort ver- schwinden, 2z. B.: I 63, 65 6, 163; II, 126; IV 23, 503; V 48 0... Usw.