Aufsatz 
Entstehung und äußere Form der romantischen Bearbeitung der Sage von "Flore und Blanscheflur" durch Sophie Bernhardi
(geb. Tieck)
Entstehung
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in der Manier des Ariosto, die sich aus acht fünffüßigen Jamben zu- sammensetzt mit der Reimstellung ab ab ab cc, d. i. je dreimal wieder- kehrenden Reimzeilen und einem abschließenden Reimpaar. Die Forde- rung nach 5 Akzenten ist in der Regel streng durchgeführt, die Verse selbst sind entweder reine Zehnsilber oder hyperkatalektisch mit einer überzähligen unbetonten Silbe. Unsere Dichterin folgte hierin wieder ganz ihrer Zeitströmung, der Tendenz der älteren Romantiker, die italienischen Verse bis in die kleinsten Details nachzuahmen ¹), wie wir es in dem Fragmente der Schlegelschen Tristanübersetzung sehen ²). Dadurch setzte sie sich aber in geraden Gegensatz zu der Stanzenform, wie sie uns Schiller in seiner Kneis bot; was bei diesem Gesetz und Regel ist, erscheint bei ihr bloß als vereinzelte Ausnahme, da dessen Stanzen alle Freiheiten zeigen, die ihre Architektur nach dem Muster Wielands nur zulassen konnte ³). So schwankt bei jenem die Zahl der Versfüße in den einzelnen Strophenzeilen beständig zwischen 6, 5 und a, ja selbst die korrespondierenden Verse weisen nicht immer die gleiche Fußzahl auf. Bei Bernhardi dagegen ist die Zahl der 5 Versfüße so strenge durchgeführt wie in Schlegels Tristan und in den ganzen 852 Strophen finden sich davon bloß vier Aus- nahmen. Einmal erscheint ein vierhebiger Vers mit überzähliger Sen- kung:Du schlägst die Augen ängstlich nieder(XI 45 3), mit zwei gleichartigen, aber nach der sonstigen Regel fünffüßig gebauten, durch den Reim gebunden(XI 45 5), während alle drei übrigen Ausnahms- fälle sechsfüßige Verszeilen betreffen, die wieder mit bloß fünffüßigen korrespondieren. In VI 571 und X 600 endigen die Verszeilen mit der Hebung im sechsten Fuße, der in den korrespondierenden der Endton des fünften Fußes entspricht(VI 57 ², 5 und X 60*,):Die von der Schattenkönigin empfangen muß(VI 57 ³),, undDaß er mit lauter Stimme rufend es gebot(X 60 6), wogegen der letzte Fall einen sechs- füßigen, hyperkatalektischen Vers bringt(III 45), gebunden mit einer ebenso endigenden, aber bloß fünfhebigen Zeile(III 45):Vergeblich Hoffen laßt nicht euer Herz betören(III 457); mit dem korrespondie- renden Verse(III 45 ³) stellt er das die Strophe abschließende Reim- paar dar. Das sind die einzigen Fälle, die hier an die freie Architek- tonik der Stanzen von Schiller und Wieland anklingen; sonst ist die Symmetrie im äußeren Bau der Strophen durchwegs in trefflicher Weise gewahrt. In Schlegels Tristan findet sich in dieser Beziehung überhaupt keine Ausnahme.

¹) Vgl. Minor: Metrik, Straßburg 1902, S. 255, 470.

2) Vgl. W. Golther: Tristan und Isolde in den Dichtungen des Mittelalters und der neuen Zeit, Leipzig 1907, S. 263.

³) Vgl. Minor: Metrik, S. 468 469. Schiller: Säkularausg. B. X, Einl. S. XVI bis XVII. Neuhöffer: Progr. a. a. O. S. 5 ff.; Boltenstern: Progr. a. a. O. S. 16. Dettmer: Progr. a. a. O. S. 6 ff. Dazu: Jahresberichte f. n. d. Literaturgeschichte 1899, B. 10, IV 9, S. 167. Schnorrs Archiv, Leipzig 1878, B. VII, S. 201. Neue Bibliothek der schönen Wissenschaften und freien Künste, Leipzig 1792, B. XLVII, I. Stück, S. 238 ff.