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durch eine richtige Erkenntnis bezüglich der Auffassung und des Verständnisses gewonnen werden kann, das sie dem mhd. Originale entgegenbrachte. Hinsichtlich der Richtigstellung und Festlegung des Textes verweise ich ein für allemal auf die kritische Ausgabe von E. Sommer und den normalisierten, aber ohne kritischen Apparat mit- geteilten Abdruck von W. Golther, wo sich die Entsprechungen zu den jeweilig zitierten Partien, da die Verszählung gegenüber dem Myllerschen Texte nur um wenig cifferiert, leicht auffinden lassen. Daß natürlich bei der nun folgenden Besprechung der äußeren Form unseres nhd. Gedichtes nicht nur die Flecksche Darstellung heran- gezogen werden mufß, sondern daß auch das unmittelbare Vorbild Bernhardis, der Schlegelsche Tristan, seine große Rolle spielt, ist selbstverständlich.
II. Die äußere Form des Gedichtes.
Da Bernhardi der Forderung ihrer Zeitgenossen, ihr Epos zu einer freien, dichterischen Erneuerung der alten Sage im modernen Gewande zu gestalten, nur auf dem Wege wesentlicher Veränderungen gegenüber der mhd. Vorlage in stofflicher Hinsicht gelangen konnte— sie kleidete unter anderem die Erzählung unseres Märchens in eine voll ausgebildete, von echt romantischem Geiste erfüllte Rahmen- erzählung ein— war es ganz natürlich, daß sie dabei auch die äußere Form umgestalten mußte, um die Umwandlung der mittelalterlichen Sage in eine moderne Dichtung vollständig durchzuführen. Schon nach dem Grundsatze W. Schlegels(vgl. Einl. S. X XII):„Der Geist der alten Dichtung müsse, aus einem künstlerischen Sinne wiedergeboren, sich aufs neue in einer sprechenden und einnehmenden Gestalt verkörpern, man müsse die Hülle fahren lassen und sich bloß an das Wesen hal- ten,“ war eine Umgestaltung der äußeren Form notwendig. Daher gab unsere Dichterin, wie sie selbst sagt(Einl. S. X), die ermüdenden kurzen Verse ihres mhd. Vorbildes auf und wählte die italienische Form der Ottave rime, die Stanze. Gegenüber den eintönigen Verspaaren Flecks mit den aufeinander folgenden Reimen ist ihre Wahl der „Königin der Strophen“, wie Schiller die Stanze nennt, eine äußerst glückliche zu nennen. Sie folgte hier ganz den Anschauungen ihres Vorgängers W. Schlegel, der bereits früher, aus demselben Grunde wie sie, bei der UÜbertragung des mhd. Tristan-Gedichtes in ein modernes Gewand, zu dieser Strophenform gegriffen hatte. Noch in der Vorrede zu unserem Epos(S. XX) rechtfertigt er sein und Bernhardis Vor- gehen in treffender Weise: daß die schnelle Folge der Reime den Dichtern oft befremdliche und störende Wendungen abgenötigt und durch solche Einschiebsel eine unüberwindliche Eintönigkeit hervor- gebracht habe, die auch durch das Hinüberschreiten des Sinnes aus einem Reimpaare in das andere nicht verhindert werden konnte, da


