Aufsatz 
Entstehung und äußere Form der romantischen Bearbeitung der Sage von "Flore und Blanscheflur" durch Sophie Bernhardi
(geb. Tieck)
Entstehung
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Bruder(seit 1802) in den süddeutschen Gegenden, Thüringen bis München, bis sie sich nach Rom wandte, wo sie, wie wir oben er- fahren, im Frühjahr 1805 ankam ¹). Innerhalb dieses Zeitraumes dürften wir die Anfänge unserer treuherzigen Blumengeschichte annehmen können. Ihre Vollendung scheint wohl, wie Schlegel andeutet, noch während des römischen Aufenthaltes 18051807 vor sich gegangen zu sein; aber Belegstellen in den schriftlichen Nachrichten ihrer nächsten Freunde und Zeitgenossen lassen sich dafür nicht finden. Ein leises Hervortreten des römischen Einflusses in italienischen Reminis- zenzen, die in den letzten Partien des Gedichtes wiederkehren, würden wohl darauf hinweisen(Petrarkas wird gedacht und seiner Liebes- idyllen, Wilhelm von Orlens wird jedenfalls nach einer römischen Handschrift erzählt,....), aber diese Merkmale können ebensogut auch bloße Folgeerscheinungen sein, ein einfaches Nachwirken des italienischen Aufenthaltes auf unsere Dichterin, während sie in Wirk- lichkeit Italien schon verlassen hatte. In Rom hatte sie auch ihrem zweiten Gatten, Herrn v. Knorring aus Estland, die Hand zum ewigen Bunde gereicht und reiste mit ihm nun 1807 aus Rom ab, hielt sich in den folgenden Jahren wieder in Wien und München auf, bis sie endlich 1812 nach dem Norden, nach Estland, übersiedelte, wohin der Gatte bereits 1811 hatte vorausreisen müssen ²). Das Stilleben auf dem nordischen, einsamen Gute dauerte bis etwa 1820, wo Sophie mit ihrem Gatten nach Heidelberg ging, aber beide bald wieder zurück- kehren mußten, um ein neu geerbtes Familiengut zu übernehmen). Während dieser kurzen Zeit eines Aufenthaltes in Deutschland scheint sie nun auch unser bereits fertiges Gedicht wieder aufgegriffen und zur Drucklegung bereitgestellt zu haben; wenigstens deuten die Ein- gangsworte ihrer Vorrede auf diesen Umstand hin(S. D), wo sie er- wähnt, daß sie sich schon vor mehreren Jahren mit seiner Bearbeitung beschäftigt habe, aber durch verschiedene Umstände, vor allem jedoch durch ihre lange Abwesenheit aus Deutschland, verhindert worden sei, es dem Drucke zu übergeben. Das dürfte nun jetzt, im Jahre 1820, ge- schehen sein, da die Familie Knorring von da ab nicht mehr nach Deutsch- land kam, sondern auf ihrem estländischen Besitze im Norden verblieb.

In der Art ihrer Bearbeitung des lieblich zarten Stoffes hat sich S. Bernhardi die Schlegelsche Tristandichtung vollständig zum Vorbild genommen; noch in dem gleichen Schreiben an Goethe(1805) rühmt jener voll Freuden), daß die Wiederbelebung der alten Dichtungen in

¹) Siehe Aus dem Leben Theodor v. Bernhardis: I. Jugenderinnerungen, Leipzig 1893, Einl. S. XIII.

) Siehe Theodor v. Bernhardi, a. a. O. S. 23 ff., 36 ff., 59 ff.

³) Theodor v. Bernhardi, S. 190 ff. Vgl. dazu: Napierskys Schriftstellerlexikon, B. II, S. 467 ff., und K. W. O. Aug. v. Schindel: Die deutschen Schriftstellerinnen des 19. Jahr- hunderts, Leipzig 1823 1825, B. I, S. 257.

) Vel. Böcking: Schlegels Werke, B. IX, S. 265.