genossen notwendig schienen ¹). Die äußere Form wurde ganz in ein romantisches Gewand gehüllt, an Stelle der fortlaufenden Reimpaare die Stanzenform und eine durchgehend strophische Gliederung ein- geführt²). So herrlich und trefflich der erste Versuch glückte, kam doch bald eine Stockung in die Arbeit hinein; äußere Vorfälle zwangen ihn, die angefangene Dichtung zu unterbrechen, und damit war es auch um die ganze Ausführung seiner diesbezüglichen Pläne und Ab- sichten geschehen. Die Dichtung, die Schlegel bis zu 91 Strophen, dem Ende des ersten Gesanges, geführt hatte, blieb in dieser Abgren- zung stehen und als kleiner Jorso eines vielleicht großen Ganzen wurde sie der Öffentlichkeit mitgeteilt ³).
Welche Befriedigung und welche Freude gewährte es daher unserem Meister, als er das, was er sich zu leisten bemüht hatte, an einer anderen Lieblingsdichtung des Mittelalters, wie er sagt(Einl. S. XXV), mit zartem Sinne, mit leichter und glücklicher Hand, aus- geführt sehen konnte! Sophie Bernhardi, die Schwester seines Freundes Ludwig Tieck, hatte ganz seinen Grundsätzen und Anschauungen ge- treu, die liebliche Sage von der zarten Liebe zwischen Flore und Blanscheflur in derselben Art behandelt, wie er seinen Tristan; er selbst übernahm daher auch mit inniger Freude das Amt des Heraus- gebers und ließ diese anmutige Kinder-Idylle, mit einer Vorrede Sophiens versehen, und sie noch mit einem eigenen Vorworte beglei- tend, 1822, etwa um die Mitte des Jahres, zu Berlin erscheinen ⁴).
Die erste Nachricht von der Bearbeitung dieser Sage durch Sophie Bernhardi lesen wir in einem Schreiben, das W. Schlegel im Sommer 1805 an Goethe sandte?) und worin er über einige Arbeiten in Rom lebender Künstler berichtete. Dort heißt es gegen Schluß: „Zu Anfange des Frühlings kam Madame Sophie Bernhardi, geb. Tieck, in Rom an, seitdem ist auch ihr älterer Bruder, der Dichter, ein- getroffen;.... Ein rührendes romantisches Schauspiel, Egidio, und Isabella, hat sie noch in Deutschland vollendet, und es wird nächstens im Drucke erscheinen. Ein angefangenes, erzählendes Gedicht aber in Oktaven, welches zehn bis zwölf Gesänge haben wird: Flore und Blanscheflur, wollte sie in Rom vollenden.“ Der Beginn dieses Epos muß demnach noch in die letzten Jahre ihres Aufenthaltes in Deutsch- land fallen, jedenfalls noch in die Jahre ihres Herumreisens mit ihrem
¹) Siehe Golther, a. a. O. S. 266— 267.
*) A. a. O. S. 263..
³) Siehe Einl. unseres Gedichtes S. XXIV.
⁴) Flore und Blanscheflur, ein episches Gedicht in 12 Gesängen von Sophie von Knorring, geb. Tieck. Herausg. von A. W. Schlegel, Berlin 1822; bei G. Reimer.— Da nur dieser eine Druck existiert, liegt er auch allein der folgenden Untersuchung zugrunde. Zitate sind in der Form gebracht, daß die römische Ziffer den betreffenden Gesang angibt, die arabische die daraus zu nennende Strophe, die hinter der Strophenziffer hochgestellte, kleine arabische Ziffer den Vers: z. B. I 76= I. Ges., 7. Strophe, 6. Vers.
3) Vgl. Ed. Böcking: A. W. Schlegels sämtliche Werke, 1846, B. IX, S. 231— 266.
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