Aufsatz 
Die objektive Apperzeption und ihre pädagogische Bedeutung
Entstehung
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Bote kommt nach. Sobald das Material größer wird und nicht mehr alle paar Stunden zuſammen⸗ gefaßt werden kann, wirrt ſich das Gelernte nur zu leicht durcheinander, und da hierbei feſte Repetitionsunterlagen fehlen, ſitzt bald nichts mehr feſt; die Schüler erhalten kein ſolides Gefüge in den Kopf; oder aber: man kommt nicht vom Fleck, und der Unterricht verarmt.

13. Dieſes Ergebnis tritt aber auch dann ein, wenn zu viel geſprochen, variiert, kom⸗ biniert, grammatiſiert und zu wenig Lektüre getrieben wird. Welchen Wert für das Sprach⸗ gefühl dieſe hat, können wir ſchon am Deutſchen ſehen, das doch gewiß genügend mündlich geübt wird. Einen gewandten Stil im Aufſatz zeigen doch faſt nur die, die viel geleſen haben. Darum ſollte der Lektüre, und zwar der zunächſt bloß auf Erzielung gewandten Leſens, Überſetzens und Erfaſſens leichten Inhalts gerichteten Lektüre ſchon von den Unterklaſſen ab ein breiter Raum gewährt werden; nach dem vierten Jahreskurs ſollte eine kleinere Chreſtomatie bereits ziemlich durch über⸗ ſetzt ſein. Der Inhalt muß dabei freilich leicht ſein und ohne lange Sacherklärungen durch kurze Bemerkungen, Zuſammenfaſſungen und häufige lebendige Nachüberſetzung des Lehrers bewältigt werden können. Dabei muß auf richtiges Deutſch gehalten und charakteriſtiſche Wend⸗ ungen und Wortſtellungen müſſen feſt eingeübt werden. Alle ſonſtigen Kunſtſtückchen aber müſſen unterbleiben. Beleben kann der Lehrer doch, wenn er dem Ding die richtige Seite abgewinnt und da und dort eine Frage oder Bemerkung in nicht ſchulmeiſterlichem Tone einflicht. Aber es muß vorwärts gehen können, und muß wirklich vorwärts gehen. So halbſeitenweiſe in Mittelklaſſen mit ſprachlich, wie inhaltlich ſchwierigem Stoffe fortzuackern, iſt für Schüler wie Lehrer gleich unerfreulich; die Schüler bekommen kein Kraftbewußtſein, und das Korn wird auf dem Halm verzehrt. Denn ſpäter fehlt die ſprachliche Gewandtheit, die allein in Oberklaſſen genußreiche Lektüre nach ſachlichen Geſichtspunkten ermöglicht. So lange die Schüler nicht in einem leichteren franzöſiſchen oder engliſchen Schriftſteller mühelos 34 Seiten aus den Renger'ſchen oder Weid⸗ mann'ſchen bezw. 57 Seiten aus den Velhagen⸗Klaſing'ſchen oder Simion'ſchen Ausgaben mit wenig Hilfe des Lehrers unpräpariert in der Stunde überſetzen können, bleibe man mit Lanfrey und Mignet, mit Montesquieu und Mirabeau zu hauſe. Zu ſolcher Fertigkeit kommt man aber nicht, wenn nicht von frühe ab, und reichlich geleſen wird.

14. Lektüre und Grammatik bilden nach wie vor die beiden Säulen des SprachlernensD; ſie beſchneiden heißt das Ergebnis vermindern. Das Sprechen iſt nur ſoweit zu empfehlen, als es zur Verſelbſtändigung und Belebung des Geleſenen dient, wie es auch W. Münch(zur Förderung des franzöſiſchen Unterrichts 2. Aufl., Leipzig 1894 S. 110 f.), frühere Forderungen etwas einſchränkend, nur als Vorſchulung und in Anlehnung an die Lektüre fordert. Gut ſprechen lehren wir doch kaum, und wenn auch, ſo verweht das nach kurzer Friſt der Wind, wenn die ſtrengen Grundlagen und fernere Übung fehlen. Dagegen werden grammatiſche Feſtigkeit und Fertigkeit im Überſetzen nicht ſo raſch vergeſſen; und was geiſtbildender iſt, darüber brauchen wir wohl nicht zu ſtreiten. Aber auch vom praktiſchen Geſichtspunkte aus iſt es ſolider. Von unſeren

Gegeuſtänden ohne Buch erteilten Unterricht aufweiſt, könnten da allerdings ſtutzig machen. Allein es fragt ſich, ob das dort Mitgeteilte wirklich frei verwendbares Sprachmaterial, alſo Bildungsinhalt geworden iſt, oder ob es bloß äußerlich an den beſtimmten Anſchauungsbildern haftet; und es fragt ſich weiter, ob die im Anfang derart geübten Schüler in dieſem Tempo weiter gehen können. Ich habe Beiſpiele von Primanern, die ſchon in ihrer Jugend franzöſiſch ſprechen gelernt hatten, und doch nicht mehr franzöſiſch verſtanden als andere. Und endlich, wenn ſelbſt ein einzelner genialer Lehrer bei genialen Schülern, etwa zukünftigen Schliemann; nach dieſer Sprachmeiſtermethode nicht bloß äußerliche Sprachfertigkeit, ſondern wirklich einen durch die Sprache vermittelten Zuwachs an Bildung erzielte: würde dieſelbe als Schulmethode zu empfehlen ſein?

Ich zweifle ſehr.