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Schülern kommen die wenigſten in die Lage ſprechen zu müſſen, und die müſſen es in ſolchem Falle doch wieder lernen; die meiſten aber kommen im Leben öfters in die Lage, neuſprachliche Schriftſtücke leſen zu wollen, ohne das Lexikon lange wälzen zu müſſen.— Wer aber tüchtig Grammatik weiß und gewandt leſen kann, lernt, wie mich auch intelligente Kaufleute verſicherten, die Sprache im fremden Lande noch einmal ſo raſch und richtig, als der, welcher ſchon etwas reden kann, aber jenes entbehrt. Da wir aber nicht alles treiben können, wollen wir lieber das Wichtigere gründlich treiben, uns aber nicht zu viel mit Sprechübung, Kombinierverſuchen und katechetiſchen Fineſſen aufhalten.
15. Die Katecheſe muß freilich ſein. Wir müſſen fragen, um uns zu überzeugen, ob die Sachen gelernt und verſtanden ſind, wir müſſen auch öfters fragen, um eine ſchlummernde Erkeuntnis zu wecken. Allein wir können nicht hoffen, die Erkenntniſſe wie Kokonfäden aus dem Geiſte der Schüler zu haſpeln; das Katechiſieren muß maßvoll am geeigneten Orte betrieben wer⸗ den; es koſtet ſonſt viel— verlorene— Zeit. Sokrates war gewiß ein guter Pädagog; aber nicht minder war es ein Anderer, der ſeine Pädagogik in jene Parabel zuſammenfaßte, die mit den Worten beginnt:„Es ging ein Säemann aus zu ſäen.“ Er wußte, daß nicht jeder Samen aufgeht, und nicht bei allen, wo er aufgeht, die Wirkung gleich iſt; er ſäete. Und ſo müſſen wir ſäen, d. h. mitteilen. Das Grundgerippe des Wiſſens freilich muß feſt geübt werden, feſt allerdings nicht als totes Gerippe, ſondern als lebendiges Apperzeptionsgefüge. In dieſe fügt ſich, wenn und ſoweit ſie lebendig iſt, ohne des Lehrers beſonderes Zuthun vieles ein, was gar nicht ſchematiſiert, nicht zur Gruppen⸗ und Reihenbildung verwandt wird, was einfach belebende Nahrung für die bildet, die ſie ſich aneignen mögen. Oft haftet ja ein zufälliges Wort beſſer, als mühſam Gelerntes, weil es eben die lebendige Apperzeptionsgrundlage vorfindet. Dieſe bauen helfen, iſt unſere Hauptaufgabe; dagegen laſſe der Lehrer den Dünkel fahren, als ſei er der alleinige oder auch nur weſentliche Erbauer des Inhalts. Private Intereſſen in Haus und Leben ſind auch da, wirken oft ſchlimm wider uns, bieten aber auch nicht ſelten ein heilſames Gegengewicht und eine heilſame Ergänzung.
Gegen den Subjektivismus mancher neueren Methodiker habe ich mich im Vor⸗ ſtehenden gewendet, nicht gegen die neuere Methode in ihrem ganzen Umfange. Ich erkenne gern an, daß ſie viel wertvolles gibt, und bin ihr für manches, worauf ſie mich geführt hat, dankbar. Aber ihre Tendenz, die alten Kategorien in ſubjektiv hingeworfene, wechſelnde Gebilde aufzulöſen, muß denn doch abgewieſen werden. A. Brunswick ſagt ganz mit Recht*)„Das Geheimnis der Neuerer liegt in einer Inbewegungſetzung des Stoffes.“ Darin liegt ihr Geheimnis in der That, und zwar ſowohl ihr Vorzug wie ihr Mangel. Ihr Vorzug iſt, daß ſie an Stelle toter Begriffsſyſtematik lebendige Entwickelung geben will; ihr Mangel, daß ſie oft nach ganz willkürlichen, bunt durcheinanderwirbelnden, der feſten Grundlagen entbehrenden Geſichtspunkten ſyſtematiſiert, die Stoffe nach dieſen Geſichtspunkten auseinanderreißt, in wirr ſich kreuzenden Ordnungen verbindet, und ſich dadurch das, was ſie ſo himmelſtürmend erſtrebt, die Erzielung eines reichen, einheitlichen Apperzeptionsgefüges ſelber unmöglich macht.
Darauf möchte ich aufmerkſam machen, und gerade die eifrigen unter den„neueren“ Herrn Kollegen im Intereſſe unſeres gemeinſamen Zieles um unbefangene Prüfung der hier dar⸗ gelegten objektiven Geſichtspunkte freundlich bitten.
*) In einem Auſſatze für„die alte Methode des Sprachunterrichtes,“ in der Zeitſchrift„Die Lehrerin“ 1896/97, Heft 8 f. Der Aufſatz iſt ſehr beachtenswert, wenn auch Verfaſſer leider die gute Seite der neueren Methode nicht anerkennt.


