Aufsatz 
Die objektive Apperzeption und ihre pädagogische Bedeutung
Entstehung
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äußeren oder anderen inneren Vorſtellungen in Beziehung ſtehen. So gewinnen wir, wenn wir, von den äußeren Reizen und den Empfindungsinhalten ec. abſehend, bloß die ſie begleitenden inneren Stimm⸗ ungen betrachten, eine Gruppierung unſerer Gefühle; wenn wir von den objektiven Zwecken und Zweck⸗ ordnungen abſehen, und nur unſeren darauf gerichteten Willen ins Auge faſſen, ſo ergibt ſich eine Syſte⸗ matik ſittlicher und unſittlicher Willensbeſtimmungen u. ſ. w. Freilich iſt es hier ſchwieriger als bei den Außendingen, ſowohl die ſyſtematiſchen Gruppierungen ſtrenge feſtzuhalten, als auch vor allem ſich mit anderen Menſchen über gemeinſame Geſichtspunkte zu einigen. Denn die verſchiedenen Gruppierungen in verſchiedenen Menſchen gehen aus thatſächlich verſchiedenem inneren Erleben hervor und erzeugen thatſächlich verſchiedene Gefühls⸗ und Willensverbindungen. Wenn die Menſchen über derartige Begriffe ſtreiten, ſo macht es darum meiſt denſelben Eindruck, als wenn mehrere Menſchen von verſchiedenen Standorten aus ihre perſpektiviſche Anſchauung einer Gegend für die objektivrichtige ausgeben wollten. Die ſubjektiven Verſchiedenheiten in der Auffaſſung der Außenwelt auf eine objektiv allgemeingiltige Ordnung zurückzuführen, das iſt uns bereits in leidlichem Umfang gelungen; in Bezug auf objektiv giltige Ordnung der genannten inneren Syntheſen iſt dagegen noch wenig erreicht.

5. Weit ſchärfer und beſtimmter als die genannten Abſtraktionen und deren Syntheſen ſind diejenigen, durch die wir das Verfahren ſelber loslöſen und in Begriffe binden, vermittelſt deſſen wir alle die genannten inneren und äußeren Beziehnngsorte erfaſſen und vorſtellen. Wenn wir von dem Verfahren, nach welchem wir unſere ſinnlichen Vorſtellungen auf Dinge außer uns beziehen, bloß die eine Thatſache abſtrakt herausheben, daß wir etwas Beharrendes außer uns zum Beziehungsort nehmen, ſo erhalten wir den BegriffSubſtanz. In der raunzeitlichen Aufein⸗ anderfolge waren wir darauf geſtoßen, daß wir eine beſtimmte Identität in dem Wechſel, ein Auseinander er folgen, ſtatt eines bloßen Aufeinander folgens, vorſtellen. Dieſes Verfahren, abſtrakt vorgeſtellt, ergibt den Begriff derKauſalität. Wir verbinden ferner gewiſſe Gruppen von Vorſtellungen räumlich auf dasſelbe Ding. Abſtrahieren wir von all dieſen ſinnlichen Qualitäten und heben bloß den Umſtand heraus, daß das Nämliche der Beziehungsort iſt, ſo erhalten wir den Begriff derEinheit; wenn wir mehrere Einheiten ſynthetiſch verbinden, erſcheint der Begriff derZahl; wenn wir die ſinnlichen Einheiten gegeneinander abſcheiden, ſo entſtehen aus der Abſtraktion der Grenzgebilde die geometriſchen Gebilde und Begriffe.

6. Dieſe Analyſen finden wir nun freilich an den fertigen Dingvorſtellungen ſelber wieder. Sie müſſen ſich an den Dingen finden, weil wir die Vorſtellungen der Dinge durch ſie bezogen und verknüpft haben. Dennoch zeigt uns eine genauere Beſinnung leicht, daß wir Subſtanz und Cauſalität nicht ſinnlich an den Gegenſtänden wahrnehmen, daß alſo im letzten Grunde nicht Abſtraktionen von den Dingen, ſondern abſtrakte, begriffliche Behandlung des lebendigen, geiſtigen Verfahrens vorliegt, durch das wir Dinge vorſtellen. Dies meint auch Kant, wenn er ſagt, die transzendentale Logik lehre, nicht die Vorſtellungen, ſondern die reine Syntheſis der Vorſtellungen auf Begriffe zu bringen.*) Freilich redet Kant nachher von Verſtandes begriffen, die der Erfahrung zu Grunde liegen; das iſt ein ſchwer zu beſeitigender Mangel der Ausdrucksweiſe; aber es iſt denn doch, angeſichts obiger und manch anderer deutlicher Erklärungen etwas plump, zu glauben, daß Kant die fertigen Begriffe als Grundlagen der Erfahrung denke.**)

*) Kritik der reinen Vernunft, ed. Kehrbach, S. 95. **) Auf einem ganz anderen Brette liegt die Frage, ob jenes geiſtige Verfahren, mittelſt