Aufsatz 
Die objektive Apperzeption und ihre pädagogische Bedeutung
Entstehung
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hängen fragen, von der ſog. Anziehungskraft, die die Weltkörper zuſammenbindet, bis zu den ſog. Affinitätsverhältniſſen der Atome und Moleküle. Und erſt in dem Maße, als es geglückt iſt, dieſe alles Geſchehen zuſammenbindenden inneren Zuſammenhänge zu entdecken, reden wir von eigentlicher Wiſſen⸗ ſchaft. Die ſyſtematiſchen Gruppenſyntheſen des Raumes wie die Reihenſyntheſen der Zeit ſind nur einſtweilige Surrogate, vorläufige überſichtliche Ordnungen und äußerliche Einheiten, auf Grund deren das höchſte, was Erkenntnis leiſten kann, der innere kauſale, d. i. mathematiſch⸗identiſche Zuſammen⸗ hang alles Seienden, die wahre Einheit der Apperzeption desſelben allmählich hergeſtellt werden kann. 4. Die geiſtigen Fyntheſen.

1. Bei der räumlichen Syntheſe mußten wir bereits eine Art innerer, geiſtiger Syntheſe be⸗ trachten, wonach ver ſchiedene Vorſtellungen unter ſich in Beziehung treten müſſen, um identiſch auf äußere Orte bezogen zu werden. Dieſe innere Syntheſe bildet den erſten Keim des Begriffs.

2. Neben derſelben tritt aber noch eine zweite innere Beziehung auf. Inhaltsgleiche und ähnliche, auf verſchiedene äußere Orte bezogene Dingvorſtellungen treten zuſammen und bilden innere Einheiten. Dies ſind die Klaſſenbegriffe(Baum, Blume). Deren Entwickelung geht ganz nach Analogie der Entwickelung der räumlichen Gruppenbildungen vor ſich. Es werden nicht, wie man es künſtlich erdacht hat*), erſt mehrere Unterbegriffe gebildet, von deren Verſchiedenheiten dann abſtrahiert würde, um aus den gemeinſamen Merkmalen den Oberbegriff zu bilden; die unbeſtimmtere Obergruppe bildet ſich vielmehr, von zeitlich bedingten Ausnahmen abgeſehen, zuerſt. Das Kind nennt die ſämtlichen kleineren Vögel etwa Spatz oder dergl., die ſämtlichen größeren Thiere etwa Muh ꝛc. Erſt wenn ſich die Analyſe der räumlichen Objekte weiter entwickelt, alſo die Differenzen zum Bewußtſein kommen, treten untere Klaſſenbegriffe hervor. Die Oberbegriffe verblaſſen dann mehr und mehr, bis ſie endlich unter Umſtänden zu einem, in ſeinen ſpeziſchen Merkmalen kaum angeb⸗ baren, nur durch die Wortbezeichnung feſtgehaltenen Gruppenzuſammenhang werden.

Auf dieſe Art gewinnt das Bewußtſein, ebenſo wie bei den räumlichen Typen⸗ und Gruppenbildungen, ſyſtematiſche Überſicht über die räumlich auseinanderliegenden Erſcheinungen, und ermöglicht dadurch, rückwirkend, raſche Erfaſſung vieler an einem Orte neu hervortretender Erſchein⸗ ungen, die von anderen Orten her bekannt ſind. Welche Wichtigkeit die Einheitlichkeit und Be⸗ ſtimmtheit auch dieſer Syſtematik hat, davon in dem dritten Kapitel.

3. Neben dieſer Syntheſe ſteht eine andere, die auf urſprünglicherer Abſtraktion ruht. Nicht nur ſinnliche Gruppen, von deren beſtimmten Beziehungsorten abgeſehen wird, ſondern auch Vorſtellungen, die von den Gegenſtänden dieſer Gruppen, den Dingen abſtrahieren, verbinden ſich zu Begriffen. Dies ſind teils Eigenſchaften(hart, blau, kalt), teils Formen des Geſchehens, (fliegen, tragen), teils bloße Beziehungen(zwiſchen, vor, vermittelſt).

Beiläufig nur ſei bemerkt, daß die bei den letztbeſprochenen Syntheſen zwar nicht Be⸗ ziehung an beſtimmte äußere Orte, aber doch die allgemeine Beſtimmung, daß ſie nach außen zu beziehen ſind, noch mit ſich führen. Daraus, ſowie aus der mannichfaltigen Kombinations⸗ möglichkeit dieſer Vorſtellungen, ergibt ſich das Verſtändnis für die Thatſache, daß oft Verbindungen hergeſtellt werden, die gar keinen giltigen Beziehungsort in der Außenwelt haben(Geſtalten der Phantaſie, des Aberglaubens) oder ſolche, die ihn erſt durch unſere Einwirkung auf die Dinge ge⸗ winnen(Geſtaltungen der Technik, der Kunſt).

4. Weiterhin werden aber nicht bloß äußere Dinge und Ereigniſſe, ſowie deren Bezieh⸗ ungen zu Begriffen verbunden, ſondern die inneren Vorgänge ſelbſt, die mit den mannichfaltigen

*) Vergl. Willmann Didaktik II, S. 240, der z. B. dieſe falſche Auffaſſung von Analyſe und Syntheſe gibt. Dagegen in der Sache richtig: Lange a. a. O., S. 44 ff., obwohl da ſtattgebundene Apperzeption einfachunentwickeltere Fähigkeit der Analyſe ſtehen dürfte.