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Rad, da haben wir unbeſtimmtes Flimmern und bei größerer Schnelligkeit eine ruhende Fläche in der Wahrnehmung, ebenſo wie wir die von dem Blatte geſendeten Lichteindrücke als ruhendes„grün“ wahrnehmen. Der ewig fließende Strom ſagt dagegen nichts. Im Gegenteil! Man verſuche es, einen Punkt in einem merklich bewegten Waſſer zu fixieren. Unbewußt gleitet das Auge ein Stück⸗ chen hinab und ſpringt wieder zurück; wenn wir dagegen angeſtrengt denſelben Punkt fixieren, flirrt es uns vor den Augen; wir haben kein Bild eines Geſchehens mehr. Selbſt wenn wir in der bloßen Erinnerung den Strom vorſtellen, verfolgen wir entweder in Gedanken einzelne Wellen, oder wir ſtellen uns einen Waſſerteil von der Quelle zur Mündung hinabbewegt vor.
2. Wenn es aber nun relativ leicht iſt, auf einem ſonſt ſcheinbar ruhenden Untergrund ein einfaches zuſammenhängendes Geſchehen, oder mit dem Ohr eine einfach gegliederte Erzählung wahrzunehmen, ſo iſt es ungemein ſchwer, oft unmöglich, ein Gewirre ſich kreuzenden Geſchehens zu faſſen und feſtzuhalten. Erſt lange Übung in abſtrahierender Thätigkeit macht es möglich, aus einem Tongewirre eine einzelne Tonfolge, aus einem Gewirr von Begebenheiten ein einzelnes zuſammenhängendes Ereignis herauszulöſen. Kinder und Ungeübte laſſen ſich durch das geringſte zwiſchen ihre Beobachtungskette tretende Ereignis ablenken. Hier gilt es darum einerſeits die Fähigkeit des Abſtrahierens(Aufmerkſamkeit) zu üben, andererſeits aber dem noch Ungeübten ein⸗ fache, ſtark hervortretende, zuſammenhängende Reihen zu bieten, und dieſe, ſobald ſie umfangreicher werden, ſyſtematiſch zu gliedern. Die Raumſyſtematik hat alſo auch hier ihr Analogon.
3. Die raumzeitliche oder kanſale Fyntheſe.
Indeſſen mit räumlicher und zeitlicher Fixierung begnügen wir uns nicht. Wenn ich dort über dem Damm Rauch aufſteigen ſehe, ſo verfolge ich eine Wolke desſelben mit dem Auge. Sie iſt am Punkte a, am Punkte b, an c;— jetzt verbreitert, verdünnt ſie ſich, verſchwindet. Was habe ich da gethan? Ich habe die Wahrnehmung von a, von b ac. auf dieſelbe Rauchwolke, alſo identiſch bezogen, das zu verſchiedenen Zeitpunkten an verſchiedenen Stellen befindliche doch als das Nämliche vorgeſtellt. Aber nun iſt ſie verändert, verſchwunden. Wo bleibt da die identiſche Beziehung? Wir nehmen nun wahr, daß der Wind bläſt und bei jedem Stoße die Rauchwolke auseinanderwirbelt, bis ſie unſichtbar wird. Alſo ein anderes Ereignis tritt zum erſten in Be⸗ ziehung, gerade an dem beſtimmten Ort, wo die Wahrnehmung anders wurde. Die Identität iſt wieder hergeſtellt, der Widerſpruch aufgelöſt, indem ich Wind und veränderte Wahrnehmung in identiſchen raumzeitlichen Zuſammenhang bringe. Indem ich dieſe verſchiedenen Reihen identiſch auf einen einheitlichen raumzeitlichen Zuſammenhang beziehe, habe ich die Veränderung erklärt. Statt des bloßen Aufeinanderfolgen wird jetzt ein Auseinanderfolgen vorgeſtellt.
Dabei kommen denn auch Umordnungen der zeitlichen Wahrnehmungsfolge vor, die, wie wir geſehen haben, in der Wahrnehmung ſelbſt unmöglich ſind. Blitz und Donner, die, auf den Ort des
Beobachters bezogen, zeitlich ſich folgen, werden, auf den Ort ihres Urſprungs bezogen, als gleich⸗
zeitige Folgen desſelben Geſchehens vorgeſtellt. Dieſe Umordnung iſt nicht mit einer anderen zu ver⸗ wechſeln, die etwa in folgendem Satze zum Ausdruck gelangt:„Ich bemerke erſt, daß der Stein warm iſt, und bemerke dann erſt die Urſache, daß die eben erſt verſchwundene Sonne darauf geſchienen hat.“ Hier wird nicht die objektive, ſondern die ſubjektive Wahrnehmungsfolge umgeordnet. Die Erwärmung des Steines und das Erſcheinen der Sonne werden nicht als zwei folgende Ereigniſſe wahr⸗ genommen, ſondern wie ſtellen mit Hilfe der Erinnerung die jetzige Wärme des Steines als Veränderung eines früheren Zuſtandes desſelben vor; und auf Grund hiervon können wir nach dem urſächlichen Zuſammenhange fragen. Wenn wir in dieſer Weiſe alles Ruhende JalssVeränder⸗ ung früher anders geſtalteten Daſeins denken, ſo können wir allenthalben nach urſächlichen Zuſammen⸗
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