werden nunmehr aber nur indirekt auf den urſprünglichen Beziehungsort, direkt dagegen auf den engeren Ort bezogen. Ich ſage und denke nicht:„Dieſe Muſchel iſt am Haus“, ſondern:„dieſe Muſchel iſt in jenem Stein in dem Sockel des Hauſes. Es bildet ſich ſo eine Hierarchie von Beziehungen, bezw. Beziehungsorten(Typen), deren letztgiltiger, das allgemeine„Außer uns“ der Raum, bezw. die Welt, ſich in immer kleinere Gruppen zerlegt, bis zu den Einzeldingen und den Teilen derſelben.
Aber da andererſeits in jeder der betreffenden Gruppen eine größere oder geringere Fülle von Beziehungsorten beſtimmt wird, treten die in Bezug auf den Geſamtort identiſch bezogenen Gruppen unter ſich in Verbindung als zuſammengehörige Inhalte des Geſamtorts. Jeder Geſamt⸗ ort enthält eine größere oder geringere Anzahl analytiſch gleichwertiger beſonderer Inhalte, die nun ihrerſeits ſich nicht hierarchiſch gliedern, ſondern nebeneinander gruppieren. Himmel, Erde,— am Himmel Sonne, Mond, Sterne, auf der Erde, die Weltteile; für den Kinderblick freilich zunächſt Berge, Thäler, Ebenen, Häuſer, Gärten, Aecker ꝛc.
Durch dieſe natürliche Unterordnung und Nebenordnung, die freilich, wie das letzte Beiſpiel zeigt, nicht von vorn herein ganz einheitlichen Einteilungsgründen folgen, ſondern individuell ſehr verſchieden ſind, bildet ſich eine natürliche Syſtematik, durch die in die ſonſt unüberſehbare Maſſe von auseinanderfallenden Einzelheiten Ordnung und Überſicht gebracht wird. Dieſe ſich natürlich wild auswachſende Syſtematik nach beſtimmt geordneten Typen⸗ und Gruppen⸗ bildungen ſich aufbauen zu laſſen, iſt Aufgabe der Erziehung.
2. Die zeitliche Suntheſe.
Alle Vorſtellungen folgen einander in der Zeit. Aber nicht dieſe ſubjektive Zeitfolge geht uns hier an, ſondern die objektive Zeitfolge eines äußeren Geſchehens. Dieſe ſetzt, wie wir ſagten, den Raum voraus, kann nur in ihm vorgeſtellt werden. Aber dennoch zeigen die Zeitwahrnehmungen einen tiefgehenden Unterſchied von den bloß räumlichen Wahrnehmungen. Sie ſind von vorn herein ſynthetiſch und laſſen ſich in der Wahrnehmung nicht umordnen. Ein Sternmuſter meiner Tapete kann ich in ſich kreuzenden Reihen, in Dreiecken, in Rhomben ꝛc. wahrnehmen; die Zeitfolge kann ich wohl umdenken, aber nie in anderer Ordnung wahrnehmen, als ſie gegeben iſt. Ja, wenn Raum und Zeit zugleich in Betracht zu ziehen ſind, iſt dieſer Unterſchied leicht bemerklich. Wenn ein Bahnzug langſam an dem ruhenden, in dem ich ſitze, vorbeifährt, ſo kann ich bei einiger Uebung die Wahrnehmung fortwährend ſo ändern, daß ich einmal meinen, einmal den anderen, einmal beide Züge als bewegt wahrnehme, thatſächlich den Eindruck habe, es ſei ſo; aber keine Macht des Willens bringt es fertig, den Viehwagen, der eben hinter dem Perſonenwagen herkam, vor dem⸗ ſelben wahrzunehmen.— Dieſe Thatſache, daß die ſubjektive Zeitwahrnehmung eines Geſchehens unveränderlich der objektiven Folge des Geſchehens entſpricht,(Blitz und Donner beweiſen nichts dagegen, denn die Lichtwellen ſind objektiv eher hier, als die Schallwellen) macht es begreiflich, daß wir Zeitfolgen ſo viel leichter im Gedächtnis behalten, als die oft erſt mühſelig geordneten Raum⸗ ſyntheſen. Die Pädagogik wird daher, wo ſie räumliches Nebeneinander ungekünſtelt in eine Zeit⸗ reihe verwandeln kann, die Leſſing'ſche Kunſtregel befolgen.
1. Eine andere hier zu beachtende Eigentümlichkeit der Zeitfolge von Ereigniſſen iſt ihre Abgeſchloſſenheit. Jedes Ereignis muß Anfang, Fortgang und Ende haben, wenn es überſchaubar bleiben ſoll; größere Zeitfolgen müſſen ſich in kleinere Reihen auflöſen, gleichmäßig wiederkehrende müſſen ſich rhythmiſch gliedern. Wo dies nicht der Fall ſein kann, wie bei einem raſch bewegten


