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halb desſelben, bei unſeren räumlichen Vorſtellungen ſogar als außerhalb jedes Bewußt⸗ ſeins befindlich vorgeſtellt und bloß durch die Vorſtellung bezeichnet oder beſtimmt.
Freilich ſcheinen uns da die Vorſtellungsinhalte mit den Dingen ſelber zuſammenzufallen, die dadurch beſtimmt werden. Dauernde Wirkungen der Dinge auf uns faſſen wir als Eigenſchaften derſelben auf und wandeln ſo eiu ſtetes lebendiges Geſchehen in ein ruhendes Sein. Statt zu ſagen:„Der Baum ſendet Strahlen in mein Auge, die die Lichterſcheinungen braun, grün ꝛc. hervorrufen,“ ſagen wir:„der Baum iſt braun“,„iſt grün“. Hier hat die Kritik Korrekturen vor⸗ zunehmen; das gewöhnliche Bewußtſein kommt auch ohne dieſelben aus, und wird weiterhin die alte Vorſtellungsweiſe und Sprechweiſe hier ebenſo feſthalten dürfen, wie die vom Aufgang und Unter⸗ gang der Sonne. Die objektive Giltigkeit der Beziehung ſelbſt wird dadurch nicht einmal berührt, denn wir müſſen es thatſächlich als Eigenſchaft des Baumes auffaſſen, daß er uns Strahlen ſendet, die in uns die Empfindungen von„braun“ und„grün“ erregen.
4. Untrennbar verbunden mit der Beziehung auf den Beziehungsort iſt die Verknüpfung verſchiedener Vorſtellungen in Bezug auf denſelben. Ich betone das„verſchieden“; denn als Vorſtellungen ſind ſie immer verſchieden, ob auch ihre Inhalte gleich ſeien; das„grün“, das ich in zehn verſchiedenen Zeitmomenten auf dasſelbe Blatt beziehe, iſt zwar inhaltsgleich; aber es waren zehn verſchiedene Vorſtellungen da, die auf das nämliche Blatt gingen. Die Verſchiedenheit der Vorſtellungen als ſolcher iſt hier alſo ebenſo vorhanden, wie wenn die Inhalte ſelber verſchieden, ja disparat ſind(wie wenn ich alſo die Vorſtellungen oval, gerippt, glänzend, glatt, weich ꝛc. auf das⸗ ſelbe Blatt richte). Ich muß alle dieſe Vorſtellungen als zu demſelben Blatt gehörig zuſammenfaſſen, mit einander verknüpfen. Das heißt aber, da ich im gegebenen Augenblicke immer nur gegenwärtige Vorſtellungen, nie die vergangenen Vorſtellungen im Bewußtſein habe, daß ich mich im gegenwärtigen Bewußtſein zugleich auch auf vergangene Vorſtellungen beziehe, daß alſo mit der Beziehung nach außen eine innere Beziehung Hand in Hand geht. Die Beziehung ver⸗ ſchiedener Vorſtellungen auf den nämlichen Gegenſtand iſt ſomit bereits eine Art begrifflicher Zuſammenfaſſung. Weſentlich bei dieſem Verfahren iſt aber für uns die Thatſache, daß verſchie⸗ dene Vorſtellungen auf den nämlichen Gegenſtand gehen. Dieſe lebendige Bezieh⸗ ungsform und nicht das inhaltleere a= a iſt die Grundlage des Identitätsbegriffs*). Vermöge derſelben wird Ruhe in den Wandel der Vorſtellungen gebracht. Der Gegenſtand erſcheint deren ungeheurem Wechſel gegenüber als das Bleibende, relativ Unwandelbare. Selbſt die Vorſtellung eines zeitlichen Geſchehens wird ſo in der Erinnerung zur Vorſtellung einer ſtarren, unwandelbaren Kette. Und wenn wir auch kritiſch die Starrheit wieder auflöſen müſſen: für das Vorſtellen brauchen wir ſie praktiſch notwendig; ſonſt könnten wir die Maſſe der uns durchflutenden Vor⸗ ſtellungen nicht geordnet überblicken und feſthalten.**) Dieſen, auch für die pädagogiſche Praxis grundlegenden Geſichtspunkt möchte ich ganz beſonders betonen.
5. Die räumliche Identitätsbeziehung entfaltet ſich nun in zweierlei Weiſe. Einerſeits treten in der angegebenen Weiſe innerhalb der umfaſſenderen Beziehungsorte neue, engere Beziehungs⸗ orte analytiſch hervor, auf die innerhalb der größeren Beziehungsorte bezogen wird. Dieſe Analyſe kennt praktiſch keine Grenze; jede Vorſtellung, auch die durchs feinſte Mikroſkop gegebene, enthält ein Mannigfaltiges, das noch weiter analyſierbar iſt. Die Analyſen zweiter, dritter Ordnung
*) In dieſem, aus Gegenwärtigem auf Vergangenes„übergreifenden“ Bewußtſein liegt das Ich⸗ bewußtſein, ſowohl das immanente Ichbewußtſein, als der Keim der objektiven auch ſich ſelbſt als Gegenſtand ins Auge faſſenden Ichvorſtellung. Vergl. Natorp. Einl., in der Pſychologie, Freiburg 1888, S. 32.
**) Betr. dieſes wichtigen Begriffes, auf den wir hier nicht näher eingehen können, verweiſe ich auf m. Aufſätze„Identität und A priori“ in Vierteljahresſchr. f. wiſſenſch. Philoſophie 1889.


