Aufsatz 
Die objektive Apperzeption und ihre pädagogische Bedeutung
Entstehung
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Alle dieſe Fragen und Antworten, die noch zu weit komplizierteren wiſſenſchaftlichen Fragen weiter gehen können, bezeichnen ebenſoviele Stufen der Apperzeption. Dieſe bleibt als Erkenntnis⸗ verfahren alſo zwar ſtets ſubjektiv, aber auf jeder Stufe kommt ein neues objektives Er⸗ kenntnis element hinzu.

8. Der objektiv giltige Apperzeptionsinhalt iſt aber nicht, oder doch nur zum Teil individuelles Eigentum des Einzelnen. Die Menſchheit als Ganzes genommen, hat ſich bereits eine leidliche Gruppe eindeutiger einheitlich verknüpfter Erkenntniſſe erworben. Deren Inbegriff nennen wir Wiſſenſchaft. Die Wiſſenſchaft ſelber zeigt ganz analoge Stufen der Entwickelung, wie das individuelle Erkennen. Auch ſie hat fortwährend neue Vorſtellungen zu ordnen, alte Beziehungen als irrig aufzulöſen und ihre Vorſtellungsverknüpfungen zuweilen in weitem Umfang umzuordnen, ſobald ſie ſieht, daß eine eindeutige Beziehung auf den bisherigen Verknüpfungsgrundlagen nicht mehr möglich iſt. Aber trotz alledem bleibt ihr jeweiliger Beſtand einerſeits der Ausgangspunkt zu aller weiteren Nachforſchung und Verbeſſerung, andererſeits das Objekt aller Erziehung zur Erkenntnis, d. i. alles eigentlichen Unterrichts.

Auf dieſen Geſichtspunkt des Erkennens wollen wir uns hier beſchränken und die ſchwierigen Fragen der ſittlichen Erziehung und Gemütsbildung bei Seite laſſen. Nur beiläufig ſei betont, daß wir damit Gefühls⸗ und Willensbildung nicht von der Wiſſensbildung trennen möchten. Denn die Ausbildung unſerer Gefühle, unſeres Willens, unſerer techniſchen wie ſittlichen Fertigkeiten kann als Ausbildung bewußter Lebensfaktoren nur im engſten Anſchluß an die objektive Erkenntnis gedacht werden.*) Die Erkenntnis von Urſachen und Wirkungen ſowohl in den Dingen wie im Geſellſchaftsleben iſt ja Grundlage und Bedingung zur Ausgeſtaltung unſerer individuellen und ſozialen Zwecke, ſowie deren Ordnung. Dieſe objektive Ordnung der Zwecke aber iſt in weitem Umfang Grundlage und Bedingung für das ſittliche Fühlen und Streben der Einzelnen.**)

II. Das Verfahren des objektiven Apperzipierens.

Wir wollen nunmehr das Apperzeptionsverfahren ſelber ſoweit analyſieren, als es direkt auf Herſtellung der objektiven Erkenntnis geht, d. h. Beziehung des Bewußtſeins auf das Objekt iſt; alle ſonſtigen pſychologiſchen Faktoren wie Aſſoziation, Reproduktion müſſen wir dabei vorausſetzen und bei Seite laſſen.

Die grundlegende Frage iſt die Beziehung aufs Objekt. Dabei treten uns zwei Gruppen von Vorſtellungen gegenüber. Die einen beziehen ſich insgeſamt auf eine außer unſerem Bewußtſein befindliche Welt, die anderen beziehen ſich auf unſere Vorſtellungen ſelber, auf unſere Gefühle, Willensregungen, alſo auf unſere Innenwelt. Allein auch dieſe letzteren haben zum guten Teil, wie wir ſehen werden, wenigſtens indirekt Beziehung auf die Außenwelt und ebenſo haben die nach außen bezogenen Vorſtellungen gleichzeitig Beziehungen im Bewußtſein ſelbſt.

*) Es heißt u. E. die Sache auf den Kopf ſtellen, wenn man die objektiven Erkenntniſſe und Ord⸗ nungen an die ſittlichen Begriffe als ihren Beziehungsort knüpfen will. Einer Schulklaſſe den Kon⸗ zentrationsbegriffTreue, einer anderen den BegriffEhre als Klaſſenparole anzuheften(vergl. Ahlheim, Lehrproben 48), dürfte recht bedenklich ſein und gerade das, was man pflegen will, veräußerlichen und ſchädigen. (Vergl. Willmann, Didaktik II, S. 69.)

**) Die Geſetzmäßigkeit dieſer objektiven Grundlagen unſerer Sittlichkeit habe ich in meinem Buche überDas Sittengeſetz, 2. Auflage, Berlin, Dümmler 1897, darzuſtellen geſucht.