— 27—
Zum Hülfslehrer wurde der Candidat Wilhelm Schlaadt ernannt, welcher seit Februar 1878 an der Anstalt das Probejahr ablegte. 5
Die letzte ordentliche Lehrerstelle und eine etatsmässige Hülfslehrerstelle sind zur Zeit vacant und werden erst besetzt werden, wenn die Erweiterung der Anstalt die Heranziehung neuer Lehrkräfte sowohl nöthig als möglich macht.
Der Candidat des höheren Schulamtes Dr. Spiess aus Dillenburg trat im Herbste v. J. am Gym- nasium das Probejahr an.
Endlich sei hier noch erwähnt, dass dem Gymnasiallehrer Dr. Adam vom Herrn Minister das Prädikat Oberlehrer beigelegt und dem Gymnasiallehrer Bücheler die Fortführung seines bisherigen Ober- lehrer-Titels gestattet worden ist.
Im Einzelnen ist aus der Chronik der Anstalt noch Folgendes zu berichten:
1) Eröffnung des Schuljahres und Prüfung der neu eingetretenen Schüler am Montag den 29. April 1878.
2) Pfingstferien vom 9. bis 16. Juni.
3) Am 23. Juli wurde der Nachmittagsunterricht wegen grosser Hitze ausgesetzt.
4) Die Herbstferien begannen in den früheren Jahren am 2. September und dauerten bis zum 8. October. Eine grössere Zahl von Eltern unserer Schüler richtete im vorigen Jahre an Seine Excellenz den Herrn Minister das Gesuch, für die beiden Königlichen Gymnasien die Ferienordnung in der Weise zu ändern, dass statt der bisherigen Herbstferien unter Wegfall der Pfingstferien längere Sommer- und kürzere Herbstferien eingerichtet würden. Nach Anhörung der Lehrerkollegien des Gymnasiums und Realgymnasiums, des Curatoriums der höheren Bürgerschule und der städtischen Schuldeputation zu Wiesbaden entschied darauf unter dem 14. Mai pr. der Herr Minister, dass dem Antrage keine Folge gegeben werden könne. Dagegen erscheine es angezeigt, dem Eventualantrage der staatlichen und städtischen Schulorgane zu ent- sprechen und den Anfang' der ungetheilten fünfwöchentlichen Herbstferien in Uebereinstimmung mit der vor einigen Jahren für die Rheinprovinz und neuerdings für Westfalen getroffenen Anordnung auf den 15. August zu verlegen. Demgemäss dauerten die Herbstferien im vorigen Jahre vom 15. August bis zum 19. September.
5) Weihnachtsferien vom 21. Dezember 1878 bis 6. Januar 1879.
6) Das allerhöchste Geburtsfest Seiner Majestät des Kaisers und Königs feierten wir am 22. März c. in gewohnter Weise. Die Festrede hielt der Gymnasiallehrer Dr. Wesener.
7) Der Gesundheitszustand der Lehrer und Schüler war während des abgelaufenen Schuljahres ein im allgemeinen befriedigender. Doch war der Unterzeichnete im Winter eines Halsleidens wegen mehrere Wochen hindurch gezwungen, seine Lectionen auszusetzen, die von anderen Lehrern vertretungsweise gegeben wurden; einige andere Kollegen fehlten wegen Unwohlseins auf kürzere Zeit.
8) Mit ganz besonderer Befriedigung erfüllt es den Berichterstatter, dass er an dieser Stelle zwei für die Entwicklung der Anstalt höchst erfreuliche Thatsachen berichten kann.
Die Erbauung eines neuen Stockwerkes auf dem Gymnasium ist höheren Ortes genehmigt worden, und soll der Bau am 1. April c. in Angriff genommen werden. Das neue Stockwerk wird 4 Klassen- zimmer, einen Lehrsaal für naturwissenschaftlichen Unterricht mit daranstossendem Kabinete und einen geräumigen Zeichensaal umfassen. Auch werden aus Anlass des Baues die bisherigen Räumlichkeiten manche Verbesserungen erfahren, mit Ventilationsvorrichtungen versehen werden etc. Dadurch wird einem dringen- den Bedürfnisse Abhülfe geschaffen, so dass wir nach Vollendung des Baues nicht mehr genöthigt sein werden, Schüler wegen Mangels an Raum abzuweisen, wie das leider im verflossenen Jahre zum Nachtheile der betroffenen Eltern vielfach geschehen musste. Allerdings wird bis dahin der die Aufnahme beschränkende Erlass des Königlichen Provinzial-Schulkollegiums vom 13. November 1876(vergl. Progr. v. J. 1877, S. 17) in Kraft bestehen müssen.
Während der Zeit des Erweiterungsbaues können die Klassen der Anstalt in dem Gebäude nicht verbleiben. Aus der grossen Verlegenheit, in welche das Gymnasium durch diesen Umstand versetzt war, hat uns eine Entschliessung der städtischen Verwaltung befreit, die den erfreulichen Beweis liefert, dass dieselbe gern mitwirkt, die Interessen auch der staatlichen Anstalten zu fördern.
Der verehrliche Gemeinderath hiesiger Stadt hat nämlich nach Anhörung der städtischen Schul- deputation einstimmig beschlossen, dem Gymnasium während des für den Sommer 1879 in Aussicht genom- menen Umbaues 12 Klassenzimmer in dem Markt-Schulgebäude hierselbst unter der Voraussetzung unent- geldlich zur Verfügung zu stellen, dass die Kosten für etwa in diesem Gebäude zu treffende bauliche Ein- richtungen auf Staatsfonds übernommen würden.
4


